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VDI Fachtagung "Innovative Fahrzeugantriebe 2008"

Neue Vision mit Elektromobilität
Mit zwei visionären Plenumsvorträgen startete die Tagung „Innovative Fahrzeugantriebe“ der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (VDI-FVT) im prall gefüllten Saal mit rund 300 Teilnehmern. Die Tagung wurde zum sechsten Mal durchgeführt und bestand aus 33 Vorträgen, davon rund ein Drittel zur Hybridtechnik, die zusammen mit dem Thema Energiespeicher der mächtigste Vortragsblock war.

 

Als erster Plenarredner stellte Amit Yudan von Better Place vor den skeptischen Zuhörern aus der Fahrzeug-Antriebstechnik klar, dass es bei Elektrofahrzeugen nicht nur auf die immer im Fokus stehende Batterietechnik ankäme. Vielmehr sei es wichtig, das Gesamtsystem zu betrachten. Sie als Better Place wollten nicht selbst  Batterien oder Elektroautos herstellen, sie nähmen niemandem, auch nicht dem OEM oder Zulieferer, Geschäft oder Margen weg. In seiner Vision einer neuen Mobilität mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen komme es vielmehr auf die Energiebereitstellung an. „Wir müssen dem Endkunden die Angst nehmen, dass er nicht mehr rechtzeitig den nächsten Ladepunkt findet. Heute weiß zwar jeder, wo eine Erdöl-Tankstelle ist, aber nicht, wo ein Strom-Ladepunkt oder eine Batterie-Austauschstation ist – noch nicht.“ Better Place verstehe sich als Integrator aller Prozesse von der regenerativen Stromerzeugung über die Energieverteilung bis hin zur Automobiltechnik und dem Abrechnungssystem. „Wir möchten mit unserem neuen Geschäftsmodell die Mobilität in die nächste Generation transformieren, sie fit für die Zukunft machen.“

 

Dr.-Ing. Jörg Kruhl vom Energieversorger Eon Energie AG, München, präsentierte versiert und mit Fakten untermauert seine Sicht der Dinge zur Zukunft des Elektroautos. Er möchte die Brücke schlagen zwischen Elektromobilität und Energiewirtschaft. Dabei betonte er: „Um Elektroautos kommt man nicht herum. Die drei Treiber Ökologie, Politik und Ökonomie sorgen dafür. Die Randbedingungen für den Beginn der Elektromobilität sind so günstig wie nie zuvor.“ Mit Hybridfahrzeugen könnte man zwar den Kraftstoffverbrauch um 25 Prozent reduzieren. Dies reicht jedoch nicht, um dem Klimawandel und der Industrialisierung der Entwicklungsländer zu begegnen. Ein Elektroauto dagegen erzeugt nach heutigem Energiemix aus Kohle, Atomkraft und erneuerbaren Energien nur 84 Gramm CO2 pro Kilometer.“ So müsste jedes Hybridfahrzeug eine kleine Entstickungs- und wie die Eon-Kraftwerke eine Entschwefelungsanlage hinter sich herziehen. „Die Abgasnachbehandlung gehört nicht mehr ins Fahrzeug, sondern zentralisiert in Kraftwerke“. 

 

 

Turbohybrid und Range Extender
„Reine Verbrauchskonzepte haben sich am Markt noch nie etabliert, denn Fahrbarkeit und Fahrspaß sind maßgebliche Kriterien für den Erfolg eines Antriebskonzeptes“, sagte Dr. Raimund Ellinger, AVL, in seinem Vortrag. Bereits im Jahr 2006 wurde das Antriebskonzept Turbohybrid vorgestellt. Mittlerweile
wird der Turbohybrid als Versuchsfahrzeug aufgebaut. Damit ließe sich im Vergleich zu einem Referenzantrieb mit einem 2-l-Otto-Saugmotor mit variabler Ventilsteuerung in der BMW-3er-Plattform eine Verbrauchsverbesserung in der Höhe von 24 % im NEFZ darstellen, wobei der „Fahrspaß“ besser sei als im Referenzfahrzeug. Durch weitere Optimierungen des Antriebs gebe es noch ein zusätzliches Verbrauchsreduktionspotenzial in Höhe von 7 %.
Dipl.-Ing. (FH) Sabine Flanz, Ford Forschungszentrum Aachen GmbH, stellte das Brennstoffzellenprojekt von Ford auf Basis des Ford Focus vor, seit 2005 in Arbeit. Zusammenfassend stellte sie fest, dass der Betrieb der Fahrzeuge in Berlin sehr reibungslos verliefe. Anlaufschwierigkeiten wurden überwunden, Hemmschwellen abgebaut. Trotz diverser Punkte, bei denen die BSZ-Autos die Selbstverständlichkeit eines herkömmlichen Fahrzeugs noch nicht erreichten, stehe für die Nutzer die Innovation und Umweltfreundlichkeit im Vordergrund, wenn sie die anfängliche Scheu vor dem Neuen durch eigene Erfahrung abgelegt hätten. 

 

 

 

Für das VDI-FVT Jahrbuch 2009 führte Dr. Manfred Kurz für die ATZ ein Interview mit dem  Tagungsleiter der VDI-Tagung Innovative Fahrzeugantriebe, Dr.-Ing. Wolfgang Steiger. Das vollständige Interview lesen Sie hier.

 

 
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