Exportschlager Biogas (mit Bildern zum Downloaden)

  • Biogasbranche fehlen Nachwuchskräfte
  • Rohstoffversorgung, Anlageneffizienz und Vergütung im Fokus
  • VDI-Fachtagung Biogas in Berlin


Frank Scholwin auf der 4. VDI-Fachtagung Biogas – Energieträger der Zukunft (Bildgröße 603 K)

Aufmerksame Zuhörer verfolgten die 21 Fachbeiträge in Berlin (Bildgröße 525 K)

Markus Ott vom Fachverband Biogas (Bildgröße 530 K)

(Düsseldorf/Berlin, 05.07.2007) Als den "stillen Star unter den Erneuerbaren Energien" bezeichnete Bernhard Dreher vom Bundesumweltministerium das Biogas auf der Fachtagung Biogas, die das VDI Wissensforum am 14. und 15.  Juni in Berlin veranstaltete. Drehers Vortrag über die politischen Rahmenbedingungen wurde von den 130 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft interessiert verfolgt, steht doch für 2009 eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) an, das die Einspeisevergütung für aus Biogas erzeugtem Strom festlegt. Markus Ott vom Fachverband Biogas lobte das EEG anschließend als Technologieförderprogramm, durch dessen Unterstützung Deutschland weltweiter Technologieführer in seiner Branche geworden sei. Gleichzeitig forderte er von der Politik "frühzeitige Signale für die Zukunft, damit die Branche in Deutschland weiter wachsen kann, denn nur so kann der Exporterfolg weiter gesichert werden". Effizienzsteigerungen, Rohstoffversorgung und Vergütung waren die bestimmenden Themen der Tagung. Sorgen macht der Branche der fehlende Nachwuchs.

 

Biogas hat gegenüber anderen Erneuerbaren Energien den Vorteil, dass es unabhängig von Wind und Sonne kontinuierlich zu nutzen ist. In Deutschland werden mittlerweile über 3500 Biogasanlagen betrieben, die sich größtenteils jedoch damit begnügen, das Biogas in einem Blockheizkraftwerk zu verstromen. Die Effizienz dieser Anlagen kann durch die direkte Einspeisung der Prozesswärme in ein Wärmenetz gesteigert werden, was an vielen Standorten und vor allem bei großen Anlagen aber nicht möglich ist. Umgangen werden kann dieser Effizienzverlust durch die Aufbereitung des Gases zu Bio-Erdgas, welches dann in das Erdgasnetz eingespeist wird. Vom EEG wird diese Technik durch die Ausschüttung eines Innovationsbonus unterstützt, allerdings entstehen durch Aufbereitung und Netznutzung weitere Kosten.

 


Bis sich die Anlagen auch ohne das EEG in Konkurrenz zu den fossilen Brennstoffen wirtschaftlich betreiben lassen, müssen sich Qualität und Effizienz der Anlagen allerdings noch weiter steigern. "Es gibt kaum eine Biogasanlage, die in Betrieb genommen wird, ohne dass etwas nachgebessert werden muss", nennt Tagungsleiter Frank Scholwin vom Institut für Energetik und Umwelt in Leipzig einen der Gründe. Oft wissen die Anlagenbetreiber zu wenig über den biologischen Prozess und auch in der Forschung fehlen Fachleute, die sich sowohl mit der Anlagentechnik als auch mit der Biologie auskennen. "Wir suchen händeringend nach Ingenieuren", sagt Ott über die Verfügbarkeit von Fachkräften in der dynamischen Branche.

 

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Rohstoffversorgung der Anlagen, die neben Abfallprodukten aus Industrie und Landwirtschaft hauptsächlich mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden. Somit hängt die Wirtschaftlichkeit einer Anlage immer von den Preisen der Agrarprodukte ab, die starken Schwankungen ausgesetzt sind. Zudem ruft die Verwendung von Mais Umweltverbände auf den Plan, die vor negativen ökologischen Folgen warnen. Bislang werde allerdings nur ein sehr kleiner Teil der Maisproduktion zur Biogaserzeugung genutzt.

 

Auf der Tagung wurden in insgesamt 21 Fachbeiträgen sämtliche Aspekte der Biogasproduktion erläutert und zudem viele Beispiele aus der Praxis vorgestellt. Eckard Fangmeier stellte beispielsweise das Bioenergiedorf Jühnde vor, das sich über eine unter Beteiligung der Bürger errichtete Bioenergieanlage eigenständig mit Strom und Wärme versorgt. In den Pausen verlagerten sich die Fachgespräche in die parallel stattfindende Posterausstellung. Dort wurden zum Beispiel Projekte zur Ökobilanz der Biogaserzeugung und -nutzung, zur Verwertung von Gärrückständen oder dem Einsatz von Enzymen zur Rohstoffvorbehandlung vorgestellt.

 

Die Tagungsbeiträge sind im VDI-Bericht 1983 auf 229 Seiten zusammengefasst und können für 58 Euro beim VDI-Verlag in Düsseldorf bestellt werden.

 

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