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Technische Sicherheit

Technische Sicherheit, jetzt unabhängig vom Anwendungsgebiet!

Eisenbahnunfall, Druckbehälterexplosion, Gebäudeeinsturz, Störung im Kraftwerk … Je spektakulärer der Störfall, je größer die Zahl von Verletzten, desto eifriger sucht die Öffentlichkeit einen Schuldigen. Rasch müssen Antworten her, möglichst einfache Antworten; selbst mancher Experte erliegt ohne Sachkenntnis seinen Mutmaßungen. Schnell wird der Ruf nach strengeren Vorschriften laut, ehe noch Abläufe ermittelt und Verantwortliche für Planen, Handeln oder Beaufsichtigen identifiziert worden sind.


Diese Bewältigungsstrategie ist ebenso typisch wie banal. Sogleich einen Schuldigen präsentieren, sogleich das Normenwerk in Frage zu stellen, das befriedigt nur ein Bedürfnis nach Vergeltung. Der komplexen technischen Realität des 21. Jahrhunderts wird diese Strategie gewiss nicht gerecht.


Sicherheit erzeugen

Jeder mit der Technik vertraute Mensch weiß: Monokausale, auch vom Laien durchschaubare Zusammenhänge sind selten, unvorhersehbare Ereignisse und unerkannt gebliebene Einflüsse dagegen viel häufiger. Und nicht erkannte Verkettungen mehrer Faktoren bestimmen beim Störfall am häufigsten den Grad und das Ausmaß der Schädigung.


Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Nur ein Scharlatan behauptet das Gegenteil. Sicherheit ist das Ergebnis einer Abwägung: Welche Gefährdungen müssen unbedingt vermieden werden, welches Risiko kann und darf Umwelt, Nutzern und Dritten zugemutet werden.


Sicherheit ist nicht einfach da, Sicherheit muss erzeugt werden. Wenn Sicherheit in eine technische Einrichtung hineinkonzipiert, hineingeplant, hineinentwickelt und hineingebaut ist, dann muss sie bei der Nutzung dieser Einrichtung eingehalten und fortgesetzt überwacht werden. Idee, Planung, Betrieb und Aufsicht bedingen einander.


Bislang wird Sicherheit meist dadurch geschaffen, dass einschlägige Rechtsvorschriften, technische Normen und sonstige Regelwerke umgesetzt werden. Mit Rechenmodellen und analytischen Methoden werden Sicherheitskonzepte entwickelt. Langjährige empirische Erfahrungen aus dem jeweiligen Anwendungsbereich fließen ein.


Viele Sicherheiten

Jeder Anwendungsbereich verfügt heute über ein eigenes Regelwerk zur Technischen Sicherheit. Gleich ob Bauwesen, Verkehrswesen, chemische Verfahrenstechnik, Energietechnik, Luftfahrttechnik, Anlagenbau, Maschinenbau, Elektrotechnik o.v.m.: Konzipierung, Definition, Entwicklung und Konstruktion, Herstellung und Integration der jeweiligen technischen Einrichtung werden durch anwendungsspezifische Sicherheitskonzepte bestimmt. Für deren Betrieb werden detaillierte Bauvorschriften, Betriebsanweisungen, Betriebsvorschriften und Instandhaltungsanweisungen sowie Auflagen zur Nachrüstung entwickelt. Auch die Überwachung des Betriebs durch die Betreiber und Aufsichtsbehörde wird im anwendereigenen Normenwerk geregelt. Jedoch keineswegs überall; es gibt auch versagensanalytische Vorgehensweisen wie beispielsweise im Bereich der Luft  und Raumfahrttechnik.


Ein Sicherheitskonzept mit anwendungsübergreifender, d.h. interdisziplinärer Gültigkeit gibt es derzeit noch nicht.


Eine einheitliche Sicherheit

Für Planer, Entwickler, Hersteller, Betreiber, Genehmigungsbehörden und sonstige aufsichtsführende Institutionen und deren Sachverständige wäre es einfacher und wünschenswert, wenn Ähnliches und Gleichlautendes an Sicherheitsvorgaben vereinheitlicht würde. Nicht zuletzt die Öffentlichkeit würde – nicht nur im Störfall – einer einheitlichen Sicherheitsphilosophie mehr Verständnis entgegenbringen als der heutigen Normenvielfalt.
Aber: Kann das zersplitterte Konzept der anwendungsbereichsspezifischen Sicherheitsvorgaben überwunden werden? Kann das empirische Erfahrungswissen methodisch zusammengefügt, kann das bestehende Regelwerk systematisch kodifiziert werden?


Könnte es – analog der Zusammenfassung der Sozialgesetze zum Sozialgesetzbuch und wie bei der Erarbeitung eines Umweltgesetzbuches aus den Umweltschutzvorschriften – ein „Sicherheitsgesetzbuch“ geben? Aus dem sicherheitstechnischen Erfahrungsschatz unserer Ingenieure muss das „verdeckte Gemeinsame“ herausgearbeitet werden.
Und welche Vorarbeiten für ein einheitlich und interdisziplinär anwendbares Sicherheitskonzept wären dafür notwendig?


Diese Fragen und weitere Informationen zum Thema behandelt die VDI-Denkschrift Qualitätsmerkmal „Technische Sicherheit“, die kostenfrei im Download oder gedruckt erhältlich ist.

Ihr Ansprechpartner im VDI

 

VDI-Ausschuss Technische Sicherheit
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf
Telefon: +49 211 6214-296

Telefax: +49 211 6214-97296
E-Mail: technik-und-wissenschaft@vdi.de

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