Qualität der Ingenieurausbildung muss gesichert werden

VDI-Symposium "Chancen von Bologna nutzen" in Berlin. v.l.n.r.: Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF; Prof. Margret Wintermantel, Präsidentin der HRK; Prof. Bruno O. Braun, Präsident des VDI; Dr. Willi Fuchs, Direktor des VDI. (Bild: VDI)
Über zehn Jahre Bologna-Reform waren Anlass für den VDI, Zwischenbilanz zu ziehen und am Beispiel der Ingenieurwissenschaften die Debatte über die künftige Architektur des Hochschulsystems anzufachen. Gemeinsam mit Vertretern aller Hochschultypen, Unternehmenspraktikern und Studierenden hat der VDI seine Analysen und Empfehlungen in einer Stellungnahme gebündelt.
Die Stellungnahme „Chancen von Bologna nutzen: Ingenieurinnen und Ingenieure für die Zukunft ausbilden“ wurde am 19. Oktober in Berlin im Rahmen eines Symposiums vorgestellt. Fazit: Die Bologna-Reform bietet viele Möglichkeiten, aber vor allem die inhaltliche Studienreform muss stärker in den Mittelpunkt rücken.
Der VDI beobachtet mit Sorge, dass in den Fachhochschulen das eigentlich erfolgreiche Profil der Praxisorientierung an Gewicht verliert. Auch die Universitäten verstärken nicht zuletzt durch die Exzellenzinitiative die Konzentration auf rein akademische Ziele. Die Kooperationen mit Unternehmen, zum Beispiel bei Studien- und Abschlussarbeiten, verlieren an Gewicht. „Beide Hochschultypen konzentrieren sich unter dem Wettbewerbsdruck stärker auf die Wissenschaft und weniger auf die Praxiskompetenz. Für die Beibehaltung und Stärkung des Industriestandorts Deutschland ist diese Entwicklung problematisch. Aus Sicht des VDI sollten die Hochschulen auch künftig beides anbieten: wissenschaftliche Exzellenz und Vorbereitung auf die betriebliche Praxis“, erklärte VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Bruno O. Braun den über hundert geladenen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien.
Den Fachhochschulen empfiehlt Braun deshalb, entsprechend ihrer Traditionen auf ihre besonderen Stärken zu setzen. „Statt der Wissenschaftsorientierung der Universitäten nachzueifern und das Promotionsrecht einzufordern, sollten sie gerade im Ingenieurbereich ihre Anwendungsorientierung bewahren und ausbauen sowie Angebote der berufsbezogenen Weiterbildung entwickeln“, so der VDI-Präsident. Den Universitäten empfiehlt er, trotz aller notwendigen und wichtigen Forschungsorientierung, es auch als ihre Aufgabe zu verstehen, Bachelor-Absolventen für eine qualifizierte Beschäftigung auszubilden. Ebenso sollten sie exzellenten Masterabsolventen von Fachhochschulen die Möglichkeit kooperativer Promotionen bieten.
Mehr Studierende aus dem Ausland und Bildungsaufsteiger aus dem Inland
„Der Grundgedanke des Bologna-Prozesses war die Herstellung eines europäischen Hochschulraumes. Wir müssen nicht nur international die guten Leute zur Ausbildung nach Europa holen, sondern wir müssen auch innerhalb Europas mobiler werden“ , sagte Dr.-Ing. Willi Fuchs, Direktor des VDI. Mit der Einführung des Bologna-Prozesses ist aber auch die Erwartung verbunden, langfristig mehr Bildungsaufsteiger für ein Studium zu gewinnen. Entscheidende Faktoren hierfür sind der Ausbau hochwertiger Beratung und berufsbegleitender Angebote sowie angepasste Finanzierungsmodelle für Studierende über 30 Jahre. Eine wesentliche Chance sieht der VDI in der Durchlässigkeit für beruflich Qualifizierte. Die Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Studiengänge, ein verbesserter Zugang für beruflich Aus- und Fortgebildete und der Ausbau geeigneter Studienformate können wichtige Impulse für die Aufnahme eines Ingenieurstudiums sein.
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