Arbeitsgruppe 4 - Learning-driven design of project-based courses (Englisch), International experience
Bericht - Günter Heitmann
Der Workshop 4 war als Vertiefung des Plenarvortrags von Kristina Edström (KTH Stockholm) über das CDIO (Conceive-Design-Implement-Operate)-Konzept der Curriculumentwicklung in der Ingenieurausbildung und dem inzwischen existierenden CDIO-Hochschulnetzwerk gedacht. Es sollte Konzepte und Probleme der praktischen Umsetzung am Beispiel der KTH Stockholm diskutieren. Der Fokus lag besonders auf neu eingeführten projekt-basierte Lehrangeboten, konkret auf einem einjährigen Projektmodul im 4. Studienjahr, welches die Studierenden zur Entwicklung und Herstellung eines Produktes im Studiengang Schiffbau führen soll und mit ein Drittel der wöchentlichen Arbeitszeit, also ca 20 ECTS-Credits im Studienjahr kalkuliert ist. Dazu präsentierte der zuständige Hochschullehrer, Prof. Jakob Kuttenkeuler, zunächst sein Konzept und berichtete über die im Verlaufe der letzten Jahre gemachten Erfahrungen und Modifikationen (siehe dazu die in den Dokumenten aufgenommene entsprechende PPT-Präsentation)
Anhand von studentischen Kommentaren zu Erfahrungen mit dieser Projektarbeit hat der Workshop dann in kleinen Gruppen Besonderheiten und Probleme dieses Lehr-/ Lernarrangements diskutiert und mit eigenen Erfahrungen konfrontiert. Das Stockholmer Beispiel zeichnet sich besonders durch eine konsequente Orientierung am studentischen Lernen aus, welche sich u.a. darin niederschlug, dass die Studierenden weitgehend selbständig Projektspezifikationen, Projektplanung, Informationsbeschaffung und Produkterstellung organisieren müssen. Das hat eine veränderte Rolle des Lehrenden zur Folge, die mehr der eines Coaches und Fachberaters entspricht. Sie entsprechend auszufüllen, erforderte einige Zeit und zusätzlicher Qualifikation. Sie entsprach auch oft nicht den Erwartungen der Studierenden, die sich weniger reflektierend auf ihre eigenen Lernprozesse, sondern vielmehr auf schnelle und entsprechend gezielte Lösung der technischen Probleme konzentrieren wollten und dementsprechende Unterstützung von den Lehrenden verlangten. Auch die Studierenden mussten sich umstellen. Besprochen wurde, wie sich derartige Konflikte lösen lassen und welche Anforderungen an das Verhalten des Lehrenden gestellt werden.
Eine Schwierigkeit stellt auch die immer wieder neu zu treffende Wahl eines geeigneten Projektthemas dar. Diese wird in Stockholm von den Lehrenden vorgenommen und in grobem Rahmen, nicht in Form von Produktspezifikationen oder Pflichtenheften vorgegeben. Die Aufgabe soll möglichst ergebnisoffen sein und innovative Produkte zulassen und möglichst nicht in der Reproduktion bereits bekannter Problemlösungen münden. Im konkreten Fall ging es um die Konstruktion, Herstellung und Erprobung eines Fahrzeuges, das sich mit großer Geschwindigkeit auf dem Wasser, aber auch mit geringer Geschwindigkeit unter Wasser bewegen kann.
Ausführlicher diskutiert wurde auch die Leistungsbewertung in diesem Projekt. Entgegen der oft auftretenden Probleme mit Gruppenbewertungen und –benotungen in Projekten haben die Verantwortlichen hier von vornherein nach Möglichkeiten differenzierter Benotung gesucht, die gleichwohl den angestrebten und kompetenzorientierten Lernergebnissen entsprechen und nicht in einer vom Projekt abgetrennten Wissensprüfung münden. Dazu wurden besonders Methoden formativer Leistungsbewertung eingesetzt, die im Verlaufe des Studienjahres zu individuellen Dokumenten wie Ausarbeitungen, Präsentationen, einem Portfolio, Selbst- und Peer-Bewertung führten und die Bewertung des Endproduktes nur ergänzend verwendeten.
Abschließend wurde ein oft vernachlässigter Aspekt von Projektarbeit im Studium behandelt: Kosten- und Zeiteffizienz und Nachhaltigkeit. Die Veranstalter wollten von vornherein sicherstellen, dass das Projekt ohne zusätzliche Personalressourcen verglichen mit herkömmlichen Lehrveranstaltungen auskommt. Das Engagement der beteiligten Studierenden und Lehrenden sollte auch nicht durch zusätzliche Anforderung an Arbeitszeit belastet und ausgebeutet werden. Abgesehen vom Schutz der Beteiligten sollte dadurch auch die Zustimmung und nachhaltige Unterstützung der Hochschule bzw. Fakultät gesichert werden. Das ist hier offensichtlich gelungen. Zu dieser Strategie gehört auch, das CDIO-Konzept nicht als enge oder gar verbindliche Vorlage für Curriculumentwicklung , sondern als Rahmen zu nutzen, der vielfältige eigene Lösungen zulässt, aber immer wieder in Erinnerung ruft, welche Aspekte im Kontext einer ganzheitlichen und kontinuierlich qualitätsgesicherten Studiengangsentwicklung zu beachten und immer wieder neu zu entscheiden sind.
Hier können Sie sich den Vortrag als pdf herunterladen.
Weitere Fotos
Moderation: Günter Heitmann
Lebenslauf
Günter Heitmann , von 1969 bis 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin auf dem Gebiet der Hochschuldidaktik der Ingenieurausbildung, mit Schwerpunkt Curriculumentwicklung und internationaler Vergleich. Neben hochschuldidaktischer Weiterbildung hat er Lehraufgaben an der TU Berlin und Lehraufträge an verschiedenen Fachhochschulen wahrgenommen. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist er anhaltend in der Weiterbildung und beratend tätig, u.a. in verschiedenen internationalen Projekten zur Ingenieurausbildung und zur Qualitätssicherung in Vertretung der Europäischen Gesellschaft für Ingenieurausbildung (SEFI).





