Ausgangslage
Abbruchquote reduzieren

- Bild: VDI
Fast die Hälfte aller Studienanfänger der Ingenieurwissenschaften an den Universitäten und ein Drittel der FH-Studienanfänger brechen ihr Studium ab oder wechseln das Fach. Dies ist vor dem Hintergrund des wachsenden Ingenieurmangels aus der Sicht des VDI eine untragbare Situation.
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Ursachen für einen Studienabbruch auf drei Typen zurückführen lassen: 40 % der Abbrüche sind durch Leistungsdefizite und Überforderung vor allem in mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern bedingt, 20 % haben finanzielle Ursachen und bei 23 % passen die Erwartungen der Studienanfänger nicht mit der Realität des Studiums zusammen.
Der Zeitpunkt des Studienabbruchs hat sich in den Ingenieurwissenschaften stark nach vorn verlagert. Knapp zwei Drittel der Abbrecher in Bachelor-Studiengängen brechen bereits in den ersten beiden Semestern ab. In den früheren Diplom-Studiengängen erfolgten abschlussrelevante Prüfungen hingegen meist erst nach vier Semestern. Studierende, die mit Wissens- und Fähigkeitsdefiziten ihr Studium beginnen, haben heute größere Probleme, vorhandene Lücken zu schließen und die Studienziele zu erreichen. Mangelnde Kenntnisse in Mathematik, aber auch unzureichendes naturwissenschaftliches und technisches Grundlagenwissen wirken sich dabei erheblich aus.
Bei der Ausgestaltung vieler Bachelorstudiengänge in der Studieneingangsphase wird der Diversität der Studierendenschaft noch zu wenig Rechnung getragen. Theorie- und Grundlagenlernen wird in der ersten Studienphase oftmals kaum in anschauliche technische Kontexte gestellt. Aus diesem Grund bleibt das Lernen für viele Studierende ineffizient und wenig nachhaltig – gerade für solche, die bisher wenig Kontakt mit rein theoriegeleiteten, selbstverantworteten Lernprozessen hatten. Den Studierenden stellen sich gleich zu Beginn vier Probleme, die sie im Laufe von wenigen Monaten bis zu den ersten Prüfungen lösen müssen:
1. einen anspruchsvollen, z. T. noch fremden Stoff zu bewältigen;
2. Wissenslücken zu schließen, die ihnen häufig erst jetzt bewusst werden;
3. eine allgemeine Studienorientierung zu gewinnen,
4. einen eigenverantwortlichen Lernstil auszubilden.
Verschärfend kommt hinzu, dass durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur und die Aussetzung der Wehrpflicht das Alter der Studienanfänger sinkt. Dadurch haben sie oft noch wenig Erfahrung im Umgang mit den genannten Herausforderungen und sind wenig geübt in deren eigenständiger Bewältigung.
Besonders problematisch sind die Abbruchquoten an Fachhochschulen, die in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind. Dort studieren viele so genannte Bildungsaufsteiger, die zusätzlich neben dem Studium arbeiten müssen. Zudem haben gerade diese vor dem Studium oft eine Berufsausbildung absolviert, so dass spezifisches Schulwissen und Lerntechniken oft über längere Zeit nicht gepflegt wurden. Dies zusammen führt besonders in den ersten Semestern zu Überforderung und in der Folge häufig zu einem Studienabbruch.




