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Ausgangslage

Berufsqualifizierung der Absolventen verstärken

Bild: Thomas Ernsting
Bild: Thomas Ernsting

 

Die praktische Relevanz des gelernten Wissens ist für ein Ingenieurstudium fundamental. Die deutsche Ingenieurausbildung zeichnet sich im internationalen Vergleich gerade durch den traditionell stark ausgeprägten Praxisbezug und die daraus resultierende hohe Berufsqualifizierung ihrer Absolventinnen und Absolventen aus. Dies manifestiert sich u. a. in Praxiselementen im Studium, den Praxiserfahrungen der Professoren sowie in einer engen Kooperation mit der Industrie bei Abschlussarbeiten.

 

Insbesondere die Fachhochschulen hatten in ihren Diplom-Studiengängen mit meist zwei Praxissemestern und einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen bei der Erstellung von Abschlussarbeiten eine recht hohe Integration der beruflichen Praxis realisiert. Die Bachelor-Programme an den Fachhochschulen, die auf sieben Semester angelegt sind, sind in ihrer Struktur mit dem alten Diplom vergleichbar. Kritisch ist die durch Vorgaben der Kultusministerkonferenz erzwungene verkürzte Zeit für die Bachelor-Abschlussarbeit, die nur wenig Möglichkeit bietet, das gelernte Wissen in einem umfangreichen Projekt anzuwenden.


In der Universitätsausbildung ist demgegenüber die Integration von Praxiselementen von untergeordneter Bedeutung geblieben. Die früher vorhandenen Praxiskomponenten (ca. 26 Wochen Industriepraktikum, teilweise schon vor Studienbeginn) wurden im Rahmen der Gestaltung eines kompakten Bachelorstudiums verkürzt. Hierdurch sind gerade Bachelor-Absolventen oft nicht ausreichend auf eine Industrielaufbahn vorbereitet.

 

Die für die spätere berufliche Praxis mindestens ebenso wichtigen Schlüsselqualifikationen jenseits der Fachkompetenz werden noch zu wenig im Rahmen des Studiums erworben. Hierfür wären vor allem aktivierende Lehr- und Lernformen wichtig. Noch dominieren in der Lehre aber Frontalveranstaltungen, was zum Teil, aber nicht nur, dem ungenügenden Betreuungsverhältnis geschuldet ist.


Projektorientierte Studienangebote, die bereits in einer frühen Studienphase ganzheitlich auf einen eigenständigen Wissenserwerb, auf praktische Anwendung, auf das Einüben notwendiger Schlüsselqualifikationen und ggf. auf betriebliche Praxiserfahrungen abzielen, haben trotz sehr guter Erfahrungen an einzelnen Hochschulen bisher kaum Verbreitung gefunden. Häufig herrscht noch die Vorstellung, dass solche Lernformen erst in höheren Semestern möglich seien. Erschwerend für die Umsetzung dürften auch der hohe Arbeits- und Koordinationsaufwand sein, den ein erfolgreiches Projektstudium von den Dozenten erfordert.


Die Forderungen der Unternehmen nach einer Studienreform, die den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt Rechnung trägt, müssen stärker berücksichtigt werden – vor allem im Interesse der Absolventinnen und Absolventen.

 
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