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Einleitung

Bild: VDI
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Für die Zukunft des Wirtschafts- und Technologiestandortes Deutschland sind gut ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure eine der zentralen Voraussetzungen. Deshalb droht der bereits länger andauernde Ingenieurmangel mittel- bis langfristig zu einem der größten Probleme in der industriellen und technologischen Entwicklung unseres Landes zu werden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund müssen zum einen das Ingenieurstudium und der Ingenieurberuf für größere Zielgruppen attraktiver werden. Zum anderen müssen die Rahmenbedingungen des Ingenieurstudiums in einem höheren Maße als bisher einen erfolgreichen Abschluss ermöglichen.


Der Bologna-Prozess bietet den Hochschulen weitere Chancen, im Rahmen der Neugestaltung ihrer Studienangebote zusätzliche Studierende für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge zu gewinnen. Trotz anfänglicher Vorbehalte haben die Ingenieurwissenschaften diese tiefgreifende Reform engagiert umgesetzt: Bis zum Sommersemester 2010 sind 94 % der Studiengänge auf die neue Struktur umgestellt worden. Auf inhaltlichem Gebiet jedoch ist die Umstellung noch in vollem Gange. Es ist schon vieles gut gelungen, aber es gibt noch einige „Baustellen“. Auf diese will sich die Stellungnahme konzentrieren.


Allgemeiner Konsens besteht darüber, dass die Attraktivität des  Ingenieurstudiums gesteigert werden muss. In den letzten Jahren hat die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften zwar erfreulicherweise leicht zugenommen. In Anbetracht einer deutlich gestiegenen Gesamtstudierendenzahl liegt jedoch der Anteil der Ingenieurstudierenden mit derzeit etwa 18 % noch immer unter dem Wert des "Krisenjahres" 1994 (20,5%). Unser Ziel ist es in den nächsten 10 Jahren den Anteil der Ingenieurstudierenden auf über 25 % zu steigern.


So kann das Ingenieurstudium zum Beispiel deutlich mehr jungen Frauen Chancen für eine attraktive berufliche Entwicklung bieten. Mittelfristig sollte der Anteil der Frauen im Ingenieurstudium durchschnittlich auf mindestens ein Drittel erhöht werden. Mit kürzeren, berufsqualifizierenden Bachelor-Studiengängen könnten die Hochschulen auch neue Zielgruppen, besonders so genannte Bildungsaufsteiger, besser ansprechen. Profitieren können die Ingenieurwissenschaften auch von einer höheren Studienbeteiligung der bisher deutlich unterrepräsentierten Personen mit Migrationshintergrund. Für eine solche Öffnung bedarf es eines tiefgreifenden Mentalitätswandels in den Hochschulen und der Wirtschaft.


Zentraler Maßstab jeder Bewertung ist für uns die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen. Hier ist eine deutliche Reduzierung der traditionell hohen Abbruchquoten bislang leider nicht gelungen. Gerade im Ingenieurbereich liegt sie immer noch bei weitem zu hoch. Um diese Herausforderungen zu meistern, muss die inhaltliche Studienreform nach Auffassung des VDI stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Dafür bietet die Bologna-Reform viele Möglichkeiten.

 
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