Ausgangslage
Neue Studienabschlüsse besser profilieren und vermarkten

- Bild: Peter von Bechen / pixelio.de
Die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master wurden zum Symbol für die Bologna- Reform. Obwohl sie im größten Teil der Welt gängige und verständliche akademische Abschlussbezeichnungen sind, hat ihre Einführung in Deutschland eine erbitterte Diskussion ausgelöst und alle anderen Fragen der Reform weitgehend in den Hintergrund gedrängt.
Das zweistufige System der Hochschulausbildung hat in den Ingenieurwissenschaften wohl auch deshalb eine solch kritische Resonanz erfahren, weil das Ingenieurstudium zugleich an Universitäten und Fachhochschulen angeboten wird. Das neue System hat mit der parallelen Ausbildung an beiden Hochschultypen vier Profile hervorgebracht (zwei BA- und zwei MA-Profile), die mit den alten Diplomabschlüssen nur bedingt vergleichbar sind. Während der Bachelor-Abschluss an der Fachhochschule in etwa dem bisherigen FH-Diplom entspricht und somit den Regelabschluss bildet, bedeutete er für die Universitäten ein neues Qualifikationsprofil, dessen Einführung mit erheblichem zusätzlichen Arbeitsaufwand verbunden ist.
Aus der Studierenden-Perspektive hat das zweistufige System Vorteile: Die Studierenden können sich nach dem ersten Abschluss neu orientieren und damit auch flexibel auf den Arbeitsmarkt sowie die eigenen Interessen und Begabungen reagieren. Diese Vorteile wurden in der öffentlichen Diskussion bisher jedoch kaum wahrgenommen. Eine klare Strukturierung des gestuften Studiums über breit angelegte Bachelor-Programme und die anschließende Spezialisierung in unterschiedlichen, auch interdisziplinären Masterprogrammen konnte auch deshalb bisher kaum gelingen.
Insgesamt hat die Debatte um die Qualität und Bedeutung der neuen Abschlüsse kontraproduktiv gewirkt. Sie hat Studierende verunsichert, den Druck in Richtung der Aufnahme von Master- Programmen erhöht und dadurch zu längeren Studienzeiten geführt. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es zwar faktisch bereits eine Akzeptanz der neuen Abschlüsse, doch in der Öffentlichkeit wurde der Bachelor, gleichgültig ob von Universität oder Fachhochschule, meist weiter diskreditiert – und dies, obwohl große Unternehmen ihre Stellen oft nach Anforderungsprofilen ausschreiben, sich damit also an Absolventen aller akademischen Grade richten und sich in der jüngsten Erklärung „Bachelor Welcome“ vom Oktober 2010 erneut eindeutig zu den neuen Abschlüssen bekannt haben.
Die Debatte um die Wiedereinführung der Abschlussbezeichnung „Diplom-Ingenieur“ wurde auch deswegen so diffus und intransparent, da sie meist ohne Berücksichtigung der Unterschiede beider Hochschultypen geführt wurde. Eine Wiedereinführung nur für die Master-Absolventen der Universitäten würde gegenüber den – doppelt so zahlreichen – Absolventen der Fachhochschulen zu einer Schieflage in der öffentlichen Wahrnehmung führen. Die Fachhochschulen und ihre Studentenvertretungen haben sich daher gegen die Wiedereinführung dieses Titels mit gleichzeitiger Monopolisierung für den Masterabschluss der Universitäten gewandt.




