Ausgangslage
Qualität der Lehre in den Mittelpunkt stellen

- Bild: VDI
Die Bologna-Reform hat eine erheblich intensivere Beschäftigung mit Fragen von Studium und Lehre bewirkt. In der öffentlichen Debatte wurden jedoch die damit verbundenen inhaltlichen Ziele oftmals vernachlässigt. Dadurch entstand die Gefahr, die wichtigste Chance der Reform ungenutzt zu lassen: eine Neugestaltung der Curricula, die kompetenzbezogene Lernergebnisse definieren, aktuelle didaktische Erkenntnisse einbeziehen und sich am Lernen und am Kompetenzerwerb der Studierenden ausrichten.
Die Umstellung der Curricula auf die gestufte Studienstruktur hat viele Hochschulen vor große Herausforderungen gestellt. Diese Herausforderungen waren für Universitäten und Fachhochschulen unterschiedlich.
Die Probleme der Universitäten ergaben sich vor allem dadurch, dass sie das Kompetenzprofil eines berufsqualifiziert ausgebildeten, forschungsorientierten Bachelors definieren und die Studienprogramme von Grund auf neu konzipieren mussten. Tatsächlich wurden jedoch vielerorts die alten Studieninhalte beibehalten und der Bachelorabschluss lediglich als eine Zwischenstufe konzipiert.
Die Probleme der Fachhochschulen ergaben sich vor allem aus der auch hier vielfach vorgenommenen Reduktion von dem bisherigen meist achtsemestrigen Diplomstudiengang auf sechs Semester bis zum Bachelor-Abschluss, obwohl die politischen Vorgaben weiterhin bis zu acht Semester erlaubt hätten. Diese Reduzierung ging häufig zu Lasten der profiltypischen berufsqualifizierenden Praxisanteile. Darüber hinaus stellten sich neue Herausforderungen durch die Einführung von neuen Master-Studiengängen hinsichtlich ihrer Profilierung, Ausgestaltung und ihrer personellen wie finanziellen Ausstattung im Umfeld einer Fachhochschule.
Die Studierenden der Ingenieurwissenschaften kritisieren mancherorts eine Überstrukturierung und geringe Flexibilität des Studiums sowie einen hohen Prüfungsdruck. Sie beklagen, dass dadurch ein rein prüfungsgesteuertes Lernen befördert wird, und dadurch das interessegeleitete, selbstgesteuerte Studieren nicht genügend angeregt wird. Da alle Modulprüfungen für die Endnote relevant sind und vereinzelte schlechte Noten kaum ausgeglichen werden können, haben Studienstress und die Gefahr von frühzeitigem Studienabbruch stark zugenommen. Die in Aussicht gestellte Verbesserung der Qualität von Lehre und Studium betrachten die Studierenden in der Summe als nicht hinreichend erreicht.
Die Anforderungen der Bologna-Reform, die gestiegene Diversität der Studierenden und teilweise schwierige Rahmenbedingungen stellen auch die Lehrenden vor große Herausforderungen. Mit der erwarteten Neugestaltung von Lehre und Studium steigen darüber hinaus Notwendigkeit und Bedarf an hochschuldidaktischer Qualifizierung der Lehrenden.




