Empfehlungen des VDI
Qualität der Lehre in den Mittelpunkt stellen

- Bild: VDI
Um den Stellenwert der Lehre und die Qualität von Studium und Lehre zu steigern, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden, u. a. durch zusätzliches Lehrpersonal, bessere Betreuungsrelationen und eine aktivierende Lehr- und Lernformen belohnende Kapazitätsberechnung. Die Länder sind hier in der Verantwortung. Die Förderung guter Lehre muss durch erhöhte Investitionen in Lehrinfrastruktur, leistungsabhängige Gehaltsgestaltung, eine angemessene Berücksichtigung bei Berufungen und auch Lehrpreise dauerhaft sichergestellt werden.
Für alle Studienprogramme müssen die Hochschulen differenziert die angestrebten Lernergebnisse für die Ebenen Bachelor und Master beschreiben. Das Modulangebot muss durch die vorgesehenen Lehrinhalte, die unterschiedlichen Lehr-/Lernformen und eine kompetenzorientierte Gestaltung der Prüfungen nachweisbar das Erreichen der Lernergebnisse ermöglichen und sicherstellen.
Die Fakultäten und Fachbereiche sollten die meist ohne jeden Anwendungsbezug vermittelten naturwissenschaftlich-technischen Grundlagenfächer stärker durch konkrete praktische Bezüge in ihrer Bedeutung veranschaulichen. Bachelor- Studienprogramme dürfen nicht mehr einer strikten Trennung von Theorie und Praxis folgen, sondern müssen Fragestellungen der beruflichen Praxis von Beginn an stärker integrieren, u. a. durch problem-und projektbasierte Lernformen und durch Praxisanteile.
Der Anteil an fachübergreifenden Studieninhalten sollte insgesamt, wie vom VDI schon 1990 gefordert, ca. 20 Prozent betragen. Dabei sollten diese Inhalte primär integriert vermittelt werden. Den Studierenden sind nicht nur im fachlichen, sondern auch im fachübergreifenden Teil Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Ein möglichst großer Teil des Modulangebots muss den Erwerb sozialer und personaler Kompetenzen parallel zum Erwerb fachlichen und methodischen Wissens ermöglichen.
Der zunehmenden Diversität der Studierenden muss Rechnung getragen werden, u. a. durch eine entsprechende Gestaltung der Studieneingangsphase, Beratungsangebote, Förder- und Mentorenprogramme, Teilzeitstudiengänge und berufsbegleitende Modulangebote sowie Anrechnungsmöglichkeiten für bereits erworbene Kompetenzen. Hierdurch wird nicht nur die Attraktivität der Studiengänge, sondern auch die Erfolgsquote der Studierenden nachhaltig gesteigert.
Die hochschuldidaktische Qualifizierung der Lehrenden muss weiter verbessert, das verfügbare Weiterbildungsangebot ausgebaut werden. Die Didaktik der Ingenieurausbildung sollte gezielt weiterentwickelt werden und sich auch an internationalen Vorbildern (Engineering Education Research) orientieren. Eine nationale „Akademie für Lehre“ und überregionale und hochschulübergreifende „Fachzentren für Hochschullehre“ müssen hochschulbezogene Einrichtungen ergänzen und unterstützen. Letztere sollten für die Didaktik in den Ingenieurwissenschaften nachhaltig etabliert werden.




