VDI-Symposium zur Bildungspolitik in Berlin
VDI fordert: Praxisbezug der Ausbildungsprofile von Universitäten und Fachhochschulen stärken
Die Zukunft der Hochschullandschaft in den Ingenieurwissenschaften hat für Deutschland eine strategische Bedeutung. Die bisherige Rollenverteilung von Universitäten und Fachhochschulen hat dabei eine wichtige Funktion: Ausbildung für die wissenschaftliche Spitzenforschung ebenso wie für die betriebliche Praxis zum Beispiel im Mittelstand. Mit den neuen Studiengängen Bachelor und Master an beiden Hochschultypen wird das System nun neu gestaltet. Wie sieht die Architektur der Hochschullandschaft mittel- bis langfristig aus?
Klares Votum für Bologna
Der VDI hatte zu diesem Thema ein hochkarätig besetztes Podium nach Berlin eingeladen. VDI-Präsident Prof. Braun drückte nach einem klaren Votum für Bologna die Sorge des VDI aus, dass unter dem Wettbewerbsdruck beide Hochschultypen stärker ihr Gewicht auf die Wissenschaft und weniger auf die Praxisorientierung legen. Ein „Angleichungswettbewerb“ der Fachhochschulen mit den Universitäten sei feststellbar. „Dabei richten sich die Fachhochschulen zunehmend am Leitbild „Universität“ aus“, so Prof. Braun in seiner Einleitung. Der Staatssekretär des Bildungsministeriums, Dr. Georg Schütte, sprach sich auch für die Schärfung der Profile der Hochschulen aus. In Zukunft müssten diese noch viel stärker um Studierende werben. Bologna biete die Chance für die Studierenden, sich individuell ihre Bildungsbiographie zu gestalten.

- Die Referenten und Panelteilnehmer: Wintermantel, Braun, Gillmann, Marquardt, Wanka, Deppen und Fuchs (v.l.) (Bild: VDI)
Anforderungen an Wirtschaft und Wissenschaft
VDI-Direktor Dr. Fuchs stellte in der Podiumsdebatte heraus, dass die Stärke der deutschen Ingenieurausbildung in der Verbindung von theoretischen Grundlagen mit praktischen Erfordernissen liege. Die Kreativität des späteren Ingenieurs könne der Studierende im Studium nur im Kontakt zur Industrie erlangen. Darauf käme es dem VDI an. Es gehe nicht um eine kurzfristige Ausrichtung auf die Erfordernisse des Arbeitsmarktes. Es bestehe mit weniger Praxissemestern, kürzeren Abschlussarbeiten ohne Betriebskontakt und anderen Veränderungen die Gefahr, diese Stärke der Ingenieurausbildung nicht weiter auszubauen, sondern auf mehr Theoretisierung zu setzen. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates Prof. Marquardt, selbst Ingenieur, machte deutlich: „Universitäten und Fachhochschulen sind gleichwertig, aber nicht gleichartig“. Er sprach sich für eine klare Ausdifferenzierung der Hochschultypen aus, ohne dass dies bedeuten würde, dass Fachhochschulen auf Forschung verzichten müssten. Die Hochschullandschaft werde „bunter“ werden, Vielfalt sei gerade gewollt. Er gehe von komplementären Profilen aus, eine Konkurrenz zwischen den Hochschultypen sehe er nicht.
Wie sich ein Hochschulsystem denn auf neue vielfältige Erfordernisse einstellen kann und welche Rolle dabei der Politik zukommt, blieb ein schwieriges Thema: Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Prof. Wanka verwies auf deren gestiegene Autonomie. Die Politik könne nur von außen Anreize setzen. Die HRK-Präsidentin Prof. Wintermantel stellte heraus, dass die Hochschulen Kompetenzen zu vermitteln habe, mit denen ein Absolvent sein Berufsleben auskommen müsse. Die Wirtschaft sieht dies nicht ganz so: Führungskräfte-Chef Karl Deppen von Daimler forderte denn auch den Hochschulen ab, sich noch viel stärker auf die Erfordernisse des lebenslangen Lernens einzustellen. Hier sei der Bedarf der Zukunft. In dieser Frage werden sich vermutlich die neuen Profile in der Hochschullandschaft der Zukunft ausbilden. Der VDI wird mit allen Akteuren aus Hochschulen, Wirtschaft, Studierenden und Politik diese Debatte fortsetzen.
Hier finden Sie einige Bilder des Symposium vom 19. Oktober in Berlin.
Programm
Einführung: Prof. Bruno O. Braun, Präsident, VDI
Keynote: Staatssekretär Dr. Georg Schütte, BMBF
Panelrunde und Diskussion unter Einbeziehung des Plenums
• Karl Deppen, Leiter Führungskräfteentwicklung der Daimler AG
• Prof. Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrates
• Prof. Johanna Wanka, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur
• Prof. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz
• Dr. Willi Fuchs, Direktor und geschäftsführendes Mitglied des Präsidiums, VDI
Moderation: Barbara Gillmann, Handelsblatt
Hier können Sie sich weitere Dateien zum Thema "Chancen von Bologna nutzen" herunterladen.
Weitere interessante Links zum Thema
www.vdi.de/bologna-stellungnahme
Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Differenzierung der Hochschulen (Drs. 10387-10), November 2010
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10387-10.pdf
Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem (Drs. 10031-10), Juli 2010
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10031-10.pdf
Hochschulrektorenkonferenz
www.hrk.de
Kultusministerkonferenz
www.kmk.org














































