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Ausgangslage

Zugang zum Studium durchlässig gestalten und finanziell sicherstellen

Bild: WHU - Otto Beisheim School of Management
Bild: WHU - Otto Beisheim School of Management

 

Mit der Einführung gestufter Studiengänge im Rahmen des Bologna-Prozesses und der Öffnung des Studiums für neue Gruppen (u. a. beruflich Aus- und Fortgebildete ohne traditionelle schulische Studienberechtigung) ist die Erwartung verbunden, langfristig mehr Bildungsaufsteiger für ein Studium zu gewinnen. Diese Erwartung gründet auf der Annahme, dass Kinder aus hochschulfernen Schichten sich leichter für ein berufsbefähigendes Studium von kürzerer Dauer entscheiden, sowie darauf, dass die Attraktivität eines Studiums mittelfristig auch für Studieninteressierte ohne traditionelle schulische Studienberechtigung deutlich anwächst. Dies gilt gerade auch für das Ingenieurstudium mit seinen tendenziell überdurchschnittlich guten Berufsaussichten. Wie weit dies gelingt und wie weit andere Einflüsse (Arbeitsmärkte, Studienbeiträge, öffentlicher Diskurs über die neuen Abschlüsse) eine solche Entwicklung möglicherweise bremsen oder beschleunigen, ist angesichts der kurzen Entwicklungszeiträume der neuen Studiengänge und der neuen Zugangswege noch nicht abschließend zu beurteilen. Mit Sicherheit gewinnen Fragen der Durchlässigkeit und der finanziellen Absicherung eines Studiums mit der erkennbaren Erweiterung der Studienberechtigtenzahl an Bedeutung.

 

Ein Ingenieurstudium wird traditionell stärker als andere Disziplinen (auch) als eine Investition in die eigene berufliche Zukunft gesehen. Die Höhe der Studienkosten und der Opportunitätskosten (hier: entgangene Einkommen durch verlängerte bzw. weitere Ausbildungszeiten) und die Wahrscheinlichkeit einer angemessenen beruflichen Verwertung eines Studiums stehen in engem Zusammenhang mit der Entscheidung für oder gegen ein Ingenieurstudium. Befürchtete finanzielle Belastungen und Verunsicherungen über die  Verwertbarkeit des Bachelor- Abschlusses dürften daher nicht ohne negative Folgen für die Wahl eines Ingenieurstudiums bleiben. Es ist somit für die Ingenieurwissenschaften von Bedeutung, ob es gelingt, Studiengeeignete, die unsicher sind, ob sich ein Studium lohnt, zu einer Studienentscheidung zu motivieren. Anreizsysteme wie z. B. eine Stipendienkultur sind in Deutschland erst in Ansätzen erkennbar, nur gut drei Prozent der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften können heute darauf zurückgreifen.

 

Ein wesentlicher Aspekt des Bologna-Gedankens ist die Durchlässigkeit für beruflich Qualifizierte: Die Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Studiengänge, ein verbesserter Zugang für beruflich Aus- und Fortgebildete und der Ausbau geeigneter Studienformate können wichtige Impulse für die Aufnahme eines Ingenieurstudiums sein. Für Erwerbstätige im technischen Bereich mit beruflichen Aufstiegsqualifikationen (Meister und Techniker) gibt es derzeit nur wenige berufsbegleitende Studienangebote in den Ingenieurwissenschaften.

 
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