Schule trägt Verantwortung für technische Allgemeinbildung
Bildungspolitischer Flickenteppich

- Schule trägt Verantwortung für technische Allgemeinbildung (Bild: Bildauszug - Technik geht zur Schule)
Die primäre Verantwortung für Allgemeinbildung von Kindern und Jugendlichen und damit auch für technische Allgemeinbildung liegt eindeutig bei der Bildungsinstitution Schule. Nur die Schule kann durchgängig und nachhaltig technische Allgemeinbildung für alle vermitteln und damit Technikmündigkeit verbessern und Interessen für Technik entfachen. Die Schulen müssen dieser Verantwortung künftig besser nachkommen als bisher.
Zwischen frühem Umgang mit Technik, langfristiger Interessenentwicklung und daraus resultierender Berufs- und Studienwahlentscheidungen besteht ein enger Zusammenhang: Elternhaus, Kindergarten und Schule gelingt es jedoch nicht ausreichend, Kinder und Jugendliche dazu motivieren, sich intensiv mit Technik auseinanderzusetzen und hierfür Interessen zu entwickeln. Zudem ist der Zugang zu moderner Technik aufgrund ihrer hohen Komplexität erschwert (Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften, 2009).
Kinder in Deutschland interessieren sich zunächst grundsätzlich für Natur und Technik. Doch ihr Interesse sinkt häufig beim Übergang vom Primar- zum Sekundarbereich. Jugendliche haben nur noch ein schwach ausgeprägtes Interesse an Technik und Technologien. Viele interessieren sich lediglich für die Nutzung bestimmter technischer Alltagsprodukte (z. B. Medien zur Unterhaltung und zur Kommunikation) nicht jedoch dafür, wie diese Produkte entwickelt und hergestellt werden.
Aus der Forschung ist bekannt, dass Interessen sich nur langfristig und durch positiv bedeutsame Erfahrungen bilden. Bildungseinrichtungen haben die Aufgabe, solche Erfahrungen zu ermöglichen und damit einen wichtigen Beitrag zur Interessenentwicklung zu leisten. Studien zeigen, dass guter Unterricht über Technik in der Schule das Technikinteresse erhöhen kann und somit einen wichtigen Beitrag zur Techniksozialisation leistet.
In die schulpolitische Realität in Deutschland findet diese Erkenntnis allerdings nur unzureichend Eingang. Technische Allgemeinbildung ist allenfalls lückenhaft in den allgemeinbildenden Schulen vorzufinden. Insbesondere an Gymnasien fehlt es fast durchgängig an einer systematischen Befassung mit Technik.
In den letzten Jahren sind jedoch in einzelnen Bundesländern einige positive Ansätze in Richtung einer Öffnung der Bildungspolitik für Elemente technischer Allgemeinbildung erkennbar. Gerade der MINT-Bereich zieht verstärkt die Aufmerksamkeit der Kultusbehörden auf sich. So fordert auch die KMK die Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bildung und Weiterentwicklung des Schulunterrichts in den MINT-Fächern. So haben manche Bundesländer bereits neue Fächer eingeführt (z. B. NWT in Baden-Württemberg). Darüber hinaus können Gymnasien dieses Profil stärken und sich als MINT-EC-Schulen bewerben.
Doch trotz dieser positiven Ansätze ist technische Allgemeinbildung in Deutschland bislang ein bildungspolitischer Flickenteppich. Unzureichende Koordination zwischen den Bundesländern hat zu einer inakzeptablen Heterogenität landesspezifischer Lösungen geführt, welche die Vergleichbarkeit der Leistung erschweren und die Mobilität von Familien einschränken. Insbesondere fehlt es an bundesweit einheitlichen und verbindlichen Bildungsstandards für technische Allgemeinbildung, wie sie für Physik, Chemie und Biologie bereits formuliert und von der Kultusministerkonferenz als verbindlich vereinbart wurden. Die dort vereinbarten Standards decken technische Kompetenzen nicht ab. Auch die interdisziplinäre Klammer der genannten Fächer zur Technik und den Technikwissenschaften fehlt völlig.



