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Unterschiede in den Lernbereichen Technik und Natur

Technik und Natur: Kompromisse finden

Unterschiede in den Lernbereichen Technik und Natur (Bild: Thomas Ernsting)
Unterschiede in den Lernbereichen Technik und Natur (Bild: Thomas Ernsting)

 

Technik und Natur unterscheiden sich, genauso wie deren Fachwissenschaften und Fachdidaktiken, die Theorien des Lehrens und Lernens, sich unterscheiden. Die Domäne des Lernens über Technik besitzt damit eine Eigenständigkeit gegenüber der des Lernens über die Natur. Lernen über Technik stellt Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Natur, Gesellschaft und Technik her. Andere Fächer allein können keinen ausreichenden Beitrag zu einer umfassenden technischen Allgemeinbildung leisten.


Die primär zweckorientierten Technikwissenschaften greifen auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaften zwar auch zurück, unterscheiden sich jedoch durch ihren Auftrag der Realitätsgestaltung grundsätzlich von diesen. In der Technik müssen immer Kompromisse zwischen dem naturgesetzlich Möglichen, dem ökonomisch Vertretbaren, dem politisch Durchsetzbaren, dem sozial Wünschbaren und dem ökologisch Sinnvollen gefunden werden. Das erfordert Denken in Lösungsalternativen, Kreativität und (auch pragmatische) Problemlösekompetenz.


Ein Lernen über Technik vermittelt somit grundsätzlich technisches Denken und Handeln als ein Handeln im Zielkonflikt. Hier stehen der gestaltende Ansatz und das kreative Finden von Lösungen im Mittelpunkt. Für die Lernenden ist das „Erfinden und Gestalten von Welt“ das Leitmotiv. Ein Unterricht in den Naturwissenschaften hingegen ist primär auf naturwissenschaftliches Denken und Handeln gerichtet. Im Fokus des Unterrichts steht die naturgesetzlich beschreibbare Welt. Die Lernenden verstehen sich hier vor allem als „Entdecker von Welt“.


Auch die Unterrichtsmethoden unterscheiden sich. Im Unterricht über Technik reichen sie von Planungs-, Konstruktions-und Fertigungsaufgaben über technische Experimente, Produkt- und Prozessanalysen bis hin zu Exkursionen, Forschungsprojekten und Arbeiten in Zukunftswerkstätten. Im Unterricht der Naturwissenschaften steht hingegen das naturwissenschaftliche Experiment im Mittelpunkt.


Probleme unserer Gesellschaft verlangen jedoch vermehrt auch Lösungen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit. Technische Lösungen sind zunehmend das Ergebnis interdisziplinären Forschens und Arbeitens. Dieses Prinzip interdisziplinären Forschens und Arbeitens muss auch in Schule Eingang finden, wobei die Unterscheidung zwischen Lernen über Technik und Lernen über Natur eine wichtige Voraussetzung und Grundlage für die Gestaltung interdisziplinären Unterrichts ist. Technik kann eine integrierende Klammer zwischen unterschiedlichen Lernbereichen bilden, zum Beispiel wie im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).

Empfehlung des VDI:

Der Unterschied zwischen Lernen über Technik und Lernen über Natur muss bei der Gestaltung des Unterrichts berücksichtigt werden. Technik sollte als eigenständiger Lernbereich Eingang in die Lehrpläne finden. Darüber hinaus bietet Technik aufgrund ihrer Mehrdimensionalität und insbesondere ihrer Interdisziplinarität die Chance für interdisziplinären Unterricht.

 
 
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