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Finanzierung

Die Finanzierung eines Unternehmens ist eine komplexe Themenstellung mit vielen fachspezifischen Ausdrücken. Die nachfolgenden Punkte sollen helfen, einen ersten Überblick über das Thema zu erhalten und die Vielfalt der Möglichkeiten kennen zu lernen.

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Finanzierungsarten

Nach der rechtlichen Einordnung lassen sich die Finanzierungsformen grundsätzlich in die Arten Fremd- und Eigenkapital unterscheiden. Zweckmäßigerweise lassen sich die einzelnen Finanzierungsformen anhand folgender Kriterien differenzieren:

 

 

Kriterien

Eigenkapital

Fremdkapital

Haftung

mind. in Höhe Einlage

Keine Haftung

Ertragsanteil

Volle Teilhabung an Gewinn und Verlust

Fester Zinsanspruch, kein G&V Anteil

Vermögensanspruch

Quotenanspruch, falls Liquidationserlös > Schulden

Rückanspruch in Höhe der Gläubiger-Forderung

Unternehmsleitung

i. d. R. unbegrenzt

Ausgeschlossen

Verfügbarkeit

Unbegrenzt

Terminiert, begrenzt

Finanzierungskapazität

Durch private Vermögenslage der Unternehmer begrenzt

Unbeschränkt, abhängig von Risiken und Unsicherheiten



Eigenkapital haftet für Verpflichtungen aus der Unternehmung Dritten gegenüber, daher wird es auch Haftungskapital genannt. Abhängig von der Rechtsform des Unternehmens können sich auch höhere Haftungsansprüche als die Einlage ergeben, die sich auf das Privatvermögen des Unternehmers ausweitern. Im Insolvenzfall der Unternehmung haben Eigenkapitalgeber nur dann einen Rückzahlungsanspruch, wenn alle vorrangigen Kapitalgeber befriedigt wurden. Die Eigenkapitalgeber sind die Unternehmenseigner und haben je nach Rechtsform der Unternehmung Mitspracherecht und sind befugt, das Unternehmen zu leiten bzw. nach außen zu präsentieren. Fremdkapital haftet nicht für Verbindlichkeiten ggü. der Unternehmung, es wird verzinst, steht zeitlich nur begrenzt zur Verfügung und muss zum vereinbarten Zeitpunkt getilgt werden. Aufgrund der Gläubigerstellung sind Fremdkapitalgeber bei Unternehmensentscheidungen nicht mitspracheberechtigt.

 

Es existieren innerhalb des Lebenszyklus von Unternehmen sehr unterschiedliche Finanzierungsbedürfnisse, die es zu decken gilt. Der Bedarf an finanziellen Mitteln entsteht insbesondere in den frühen Phasen der Unternehmens- bzw. Produktentwicklung und wird klassisch als „early stage financing“ beschrieben. Es handelt sich um eine Zeitspanne, die durch einen besonders hohen Finanzmittelbedarf bei gleichzeitig schwer einschätzbaren Risiken gekennzeichnet ist.

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Finanzierungsformen

Private Equity - Beteiligungskapital
Laut Definition stellt eine Private Equity Finanzierung eine Form der externen Eigenkapitalfinanzierung dar und wird definiert als die Beschaffung von Eigenkapital über den nicht-organisierten Kapitalmarkt. Die Herkunft des Kapitals kann dabei sehr unterschiedlich sein. In der Early-Stage Phase stammt das Eigenkapital zu Beginn aus dem Privatvermögen der Unternehmensgründer und aus dem Freundes- bzw. Familienkreis. Wir sprechen hier von den 3 F´s: Family, Friends and Fools. Bei jungen Technologieunternehmen sind die am leichtesten zugänglichen Eigenkapitalquellen schnell erschöpft, da sie in ihrer Höhe sehr begrenzt sind.


Es müssen jedoch relativ schnell neue Finanzierungsquellen zur Deckung des wachsenden Kapitalbedarfs gefunden werden. Eine erfolgversprechende Alternative zu einer ausreichenden Eigenkapitalausstattung stellt die Beteiligungsfinanzierung dar. Die Private Equity Branche stand bis Mitte der 90er Jahre im Schatten anderer Finanzierungsformen, hat sich seitdem jedoch rasant entwickelt. Die Chancen und Möglichkeiten von Private Equity haben sich stetig deutlicher dargestellt und werden in der heutigen Zeit als ernstzunehmende Finanzierungsquelle anerkannt. Für die Vergabe von Beteiligungskapital erhält der Kapitalgeber Anteile am Stammkapital des jeweiligen Unternehmens.


Beteiligungskapital wird danach unterschieden, in welcher Unternehmensphase es eingesetzt wird, d.h. in der Frühphase des Unternehmensaufbaus oder erst in der Spätphase, wenn das Unternehmen bereits am Markt etabliert ist. Venture Capital wird typischerweise zum Unternehmensaufbau eingesetzt, wenn negative Zahlungsströme vorliegen. Private Equity wird zur Expansion zur Verfügung gestellt. Die Grenzen sind aber nicht eindeutig definiert und verlaufen fließend. Für die Deckung des Finanzbedarfs junger Technologieunternehmungen kommt folglich das Venture Capital mit folgenden wesentlichen Kriterien zum Einsatz:


•    voll haftendes Eigenkapital
•    Minderheitsbeteiligungen
•    Zeitliche Begrenzung des Investments von 3 – 7 Jahren
•    Kapitalgeber erhält Kontroll- und Mitspracherechte
•    Strategische / operative Unterstützung durch den Kapitalgeber


Unter der Internetpräsenz des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften www.bvk-ev.de findet der interessierte Leser einen Überblick der in Deutschland aktiven Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Die genauen Zuordnungen, welche Kapitalgesellschaften, welche Projekte finanzieren, sind dort zu entnehmen.


Zu unterscheiden sind dabei private Beteiligungsgesellschaften und öffentlich geförderte Beteiligungsgesellschaften. Private Beteiligungsgesellschaften (Banken, Versicherungen, Industrieunternehmen etc.) beteiligen sich meist erst ab einer viertel Millionen Euro. Die öffentlich geförderten Beteiligungsgesellschaften beteiligen sich auch mit geringeren Summen, was für viele junge Unternehmen von Bedeutung ist.
Nachfolgend werden die gängigsten Formen des Beteiligungskapitals erläutert:


Business Angels

Venture Capital

Corporate Venture Capital

Mezzanine Finanzierung

Kontokorrent

PPP (Private Public Partnership) Darlehen

Private Equity

Förderungen/öffentliche Fördermittel

Mittelständische Beteilungsgesellschaften

Der High Tech Gründerfonds

Die KfW Mittelstandsbank

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Zuschuss- und Zulagenprogramme in der Übersicht:

Micro Darlehen
StartGeld Darlehen
Kleinstkredite
ERP Kapital
ERP-Kapital zur Gründung (0-2 Jahre)
ERP-Startfonds
ERP-Kapital Wachstum (2-5 Jahre)
ERP-Kapital für Arbeit und Investition (>5 Jahre)
KfW-Unternehmerkredit
Programm zur Förderung erneurbarer Energein
ERP Umwelt und Energiesparprogramm
KfW Umweltprogramm
GRW (GA)-Aufgabe
Überbrückungsgeld
Bürgschaften
Garantien
Auslandsmärkte
Beratungsförderung

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Sonderformen der Finanzierung

Leasing
Als eine Sonderform der Finanzierung gilt außerdem das Leasing, das in Deutschland erst sehr spät als Ergänzung zur klassischen Fremdkapitalfinanzierung eingesetzt wurde. Die Entscheidungsalternative Kauf oder Leasen bestimmt wesentlich den Bedarf an Finanzkapital, ohne dass die realwirtschaftlichen Möglichkeiten der Unternehmung substantiell verändert werden.


Unter Leasing wird die entgeltliche Nutzungsüberlassung von beweglichen und unbeweglichen Investitionsgütern, in direkter oder indirekter Form, verstanden. Beim direkten Leasing wird das Leasingobjekt direkt vom Hersteller, beim indirekten Leasing durch spezielle Finanzierungsinstitute bzw. Leasinggesellschaften zur Verfügung gestellt.  Das direkte Leasing liegt folglich vor, wenn der Hersteller gleichzeitig als Leasinggeber auftritt, wohingegen beim indirekten Leasing die speziellen Finanzierungsinstitute bzw. Leasinggesellschaften das Leasingobjekt vom Hersteller kaufen und bei einer Bank refinanzieren.


Leasing kann in der noch besonders risikobehafteten Phase, bis sich ein Unternehmen am Markt durchgesetzt hat, als Kreditsubstitut bezeichnet werden. Der Unternehmer senkt mit Leasing seine Fix- und Anschaffungskosten und senkt folglich seinen Investitionsbedarf. Die bereits vorhandenen Mittel können flexibel anderweitig eingesetzt.


Eine Möglichkeit, riskanten aber wachstumsstarken Unternehmen aus der Technologiebranche ein Leasing der Geschäftsausstattung zu ermöglichen, ist die relativ neue Ausprägungsform namens Venture Leasing. Potentielle Leasinggeber müssen einkalkulieren, dass es bei finanzschwachen Jungunternehmen in der Early-Stage Phase zu Zahlungsausfällen der Leasingraten kommen kann. Der Leasinggeber erhält für sein eingegangenes Risiko ein Optionsrecht auf späteren Erwerb von Anteilen an der Unternehmung. Venture Leasing ist eine wenig flexible, aber dennoch vorhandene Möglichkeit, die nötige Geschäftsausstattung zu erwerben und die Geschäftsidee umzusetzen.

 

Contracting
Das Contracting teilt sich in Anlagen- und Energieeinspar-Contracting. Beide sind Finanzierungsformen, die dazu beitragen, dass der Gesamtkapitalbedarf gesenkt wird.


Das Anlagen-Contacting ist besonders im Bereich der Life Science Branche zu betrachten. Die meisten Technologiecenter bieten grundausgestattete Labore im Durchschnitt nach dem S2 Standard. Einige bieten sogar Leasingmöglichkeiten für zusätzlich benötigte Anlagen, Geräte und Maschinen.

Factoring

Als weiteres Finanzierungsinstrument im Bereich Sonderformen ist das Factoring für junge Unternehmen von Bedeutung.


Das Problem sind die teilweise hohen Forderungsbestände vieler Unternehmen, resultierend aus ungewöhnlich langen Zahlungszielen, die in der heutigen Zeit ein ausschlaggebendes Argument für den positiven Abschluss von Vertragsverhandlungen sind. Der Verkäufer bzw. das junge Unternehmen nimmt ungewollt die Rolle einer Kreditgeberfunktion wahr und beeinflusst dadurch die eigene Liquidität und Rentabilität zum Negativen. Junge Unternehmen, die Zahlungsziele einräumen, finanzieren die Beträge vor, müssen die Zahlungseingänge überwachen, ein Mahnsystem aufbauen und das Ausfallrisiko übernehmen. Alle Funktionen können jedoch an externe Vertragspartner ausgegliedert werden.


Factoring ist aus Sicht des sich finanzierenden Unternehmens der vertraglich festgelegte Ankauf und die bedarfsweise Bevorschussung von Lieferungs- und Leistungsforderungen durch ein darauf spezialisiertes Unternehmen, dem Factor. Der Factor bzw. die Factoringgesellschaft bietet eine ganze Reihe weiterer Dienstleistungen an, die das Unternehmen entlasten und Kosteneinsparpotential bieten. In der Regel tritt das Unternehmen seine kompletten Forderungsbestände an die Factoringgesellschaft ab und bekommt 80%-90% der vergebenen Rechnungsbeträge. Der Abschlag wird auf einem Sperrkonto zur Risikoabdeckung eingezahlt und später freigegeben.
Eine Übersicht aller Factoring Unternehmen ist unter dem Deutschen Factoring Verband www.factoring.de zu finden.

Produkt- und / oder Projektfinanzierung
Fast alle vorgestellten Finanzierungsformen ermöglichen eine Produkt- oder Projektfinanzierung. Nur Leasing, Contracting und Factoring sind Ergänzungsmöglichkeiten zu den anderen Finanzierungsformen und dienen dazu, den Finanzbedarf zu reduzieren.


Das Beteiligungskapital ist eine indirekte Form der Produkt- bzw. Projektfinanzierung, da das Investment mit dem Unternehmen verbunden wird. Der Geschäftsinhalt des Unternehmens ist dennoch das Produkt bzw. Projekt.


Die Fülle der Finanzierungsformen und ihre Kombinationsmöglichkeiten sind am Anfang nahezu für jeden Unternehmer eine besondere Herausforderung. Dieses Gefühl wird verstärkt, wenn der Unternehmer eine Ablehnung für eine der aufgezeigten Finanzierungsformen erhalten hat und nun nach weiteren Finanzquellen suchen muss.


Das technologieorientierte Unternehmen muss in einer sehr frühen Lebensphase den Kapitalbedarf in einem mehrjährigen Planungshorizont berechen. Die große Herausforderung ist die optimale Finanzierung der einzelnen Lebenszyklusphasen. Essentiell ist die Fragestellung, mit welchem Finanzierungsmix das Kapital bereitgestellt werden soll. Die erfolgreiche Finanzierung von Produkten und Projekten liegt in der richtigen Kombination aller Möglichkeiten. Die Beratungsqualität und die investierte Zeit sind ebenfalls Erfolgsfaktoren für eine optimale Finanzierung. Entscheidungen über den Kapitalbedarf und die Kapitalaufbringung einer jungen Technologieunternehmung sind zum einem unter dem Aspekt der Liquidität, zum anderen unter dem Aspekt der Rentabilität zu analysieren. Somit sind die beiden Hauptaufgaben der Finanzplanung die Deckung des finanziellen Bedarfs und die Wahrung des finanziellen Gleichgewichts.

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Voraussetzungen für die jeweilige Finanzierungsform

Voraussetzungen für die jeweilige Finanzierungsform
Die Umsetzung einer innovativen Idee in ein marktfähiges Produkt sowie die erforderliche Unternehmenskonzeption erfordert eine detaillierte Ausarbeitung in schriftlicher Form. Dieser Aufgabe wird durch das Schreiben eines Businessplans nachgekommen, der die Realisierungsstrategie der Unternehmensziele mit allen wesentlichen Voraussetzungen, Planungen und Maßnahmen in einem bestimmten Zeithorizont, i.d.R. drei bis fünf Jahre, darlegt. Als erstes dient der Businessplan der Strukturierung der eigenen Gedanken und Konzepte. Er sollte klar strukturiert, verständlich, kurz und leserfreundlich sein.

 

Der Businessplan ist als Orientierungshilfe für die Unternehmensgründer im kontinuierlichen Lern- und Verbesserungsprozess zu sehen und wird aus diesem Grund ständig aktualisiert und an die jeweilige Unternehmensentwicklung angepasst. In der heutigen Zeit haben sich Businesspläne als Standardinstrument zur Beurteilung von Projekten durchgesetzt und gehören zu den wichtigsten Unterlagen beim Umgang mit Geldgebern, aber auch Vertriebspartnern und Zulieferern. So hat der Businessplan neben der Innenfunktion auch eine Außenfunktion, indem er ein entscheidendes Kommunikationsmittel darstellt und als Unternehmensvisitenkarte dient. Bei Unternehmenspräsentationen spielt der Business Plan eine Schlüsselrolle und soll z. B. potentielle Investoren von der Geschäftsidee und deren Realisierung überzeugen. Die Strukturierung von Business Plänen orientiert sich überwiegend an den identifizierten Erfolgsfaktoren und und ist im Kapitel Gründungsvorbereitung beschrieben.


Enthält der Business Plan entscheidende Fehler, scheitert der Unternehmer schon bei der Entscheidungsfindung des Finanziers zur Prüfung des Antrags.
Alle anderen Voraussetzungen sind von der jeweiligen Finanzierungsform abhängig. Die Bedingungen z.B. für die eine oder andere Förderung können sich durch Anpassungen der EU-Richtlinien verändern. Daher muss der Unternehmer alle Informationen auf ihre Aktualität überprüfen. Hierbei helfen die regionalen Wirtschaftsförderungen, Banken, Kammern und das Internet.

1.    Finanzierungsbedarf

2.    Ermittlung des Finanzierungsbedarfs

3.    Finanzierungsmöglichkeiten
4.    Beantragung von Finanzierung bzw. öffentliche Förderungen
5.    Unterstützung seitens Dritter
6.    Finanzierungsvergabe
7.    Verfügung über das Geld
8.    Begleitung während der Kreditphase
9.    Beantragung einer Zweit- bzw. Folgefinanzierung
10.  Finanzierungsfehler
11.  Das Gespräch mit einem potentiellen Investor

 
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