Empfehlungen des VDI an den 17. Deutschen Bundestag

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Wie schaffen wir mehr Innovationen? Wie sichern wir eine kostengünstige und umweltverträgliche Energieversorgung? Wie können wir uns klimaverträglich fortbewegen? Wie decken wir den Bedarf an hochqualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren? Die richtigen Antworten auf diese Fragen zu finden, ist eine entscheidende Voraussetzung für die Rückkehr zu wirtschaftlichem Wachstum und für die Sicherung von mehr Lebensqualität in der Zukunft. Die Politik muss durch das Schaffen geeigneter Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Fragen leisten. Mit seinen Empfehlungen an den 17. Deutschen Bundestag bietet der VDI hierzu wichtige Anregungen.
Einleitung
Ingenieurinnen und Ingenieure sind ein entscheidender Motor gesellschaftlicher Entwicklung. Ihr Beitrag zu technologischer Innovation ist unverzichtbar für nachhaltiges Wachstum, neue Arbeitsplätze, sichere Energieversorgung, umweltfreundliche Mobilität und dafür, dass wir tragfähige Antworten auf große gesellschaftliche Herausforderungen wie den Klimawandel finden. Als Sprecher der Ingenieurinnen und Ingenieure setzt sich der VDI ein für eine Politik, in der sich das enorme Innovationspotential Deutschlands voll entfalten kann.
Wie schaffen wir mehr Innovationen? Wie sichern wir eine kostengünstige und umweltverträgliche Energieversorgung? Wie können wir uns klimaverträglich fortbewegen? Wie decken wir den Bedarf an hochqualifizierten Ingenieuren? Die richtigen Antworten auf diese Fragen zu finden, ist eine entscheidende Voraussetzung für die Rückkehr zu wirtschaftlichem Wachstum und für die Sicherung von mehr Lebensqualität in der Zukunft.
Die Politik muss durch das Schaffen geeigneter Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Fragen leisten. Mit seinen Empfehlungen an den 17. Deutschen Bundestag bietet der VDI hierzu wichtige Anregungen.
Forschung und Forschungsförderung
Einleitung
Die starke Position Deutschlands als Exportnation ist durch einen Innovationsvorsprung in wesentlichen Technologiebereichen begründet. Um sicher zu stellen, dass die deutsche Volkswirtschaft auch künftig im globalen Wettbewerb eine führende Position einnimmt, muss das Engagement für Forschung und Entwicklung deutlich erhöht werden. Hierfür bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.
Die Technologieförderung ist für ein Land der Größe und Struktur Deutschlands unersetzbar. Jeglicher Fortschritt bei den gesellschaftlichen Megathemen - Energie, Klima, Gesundheit, Mobilität, Sicherheit - ist verbunden mit Erfolgen bei neuartigen Technologien, den so genannten Schlüsseltechnologien. Für die Entwicklung und Anwendung dieser Technologien benötigen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft häufig einen langen Atem. Technologieförderung muss daher verstetigt werden, um mittel- und langfristig Innovationspotentiale voll zu nutzen.
Politische Rahmenbedingungen
Im Rahmen des Paktes für Forschung will die Bundesregierung in den nächsten Jahren die Ausgaben im Bereich der institutionellen Forschungsförderung (MPG, HGF, WGL, DFG, FhG, etc.) um fünf Prozent pro Jahr erhöhen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung des Ziels der Lissabon-Strategie der EU, Europa zur weltweit wettbewerbsfähigsten Region in den Bereichen von Wirtschaft und Wissenschaft sowie Forschung zu machen.
Dieser Schritt wird allerdings dadurch konterkariert, dass der Bereich der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten industrieorientierten Verbundforschung in den Fachprogrammen zurückgefahren wurde. Dies verursacht einen Stau bei der Umsetzung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft - bei der „letzten Meile“- die entscheidend für Erfolg oder Misserfolg von Innovationen ist. Die anwendungsnahe Projektförderung mit ihren relativ schnell greifbaren Ergebnissen (marktgängige Produkte und Dienstleistungen) leidet hierunter. Von den 3,049 Milliarden Euro Forschungsfördergeldern des BMBF in 2008 entfielen nur 1,5 Milliarden Euro auf die Projektförderung im Rahmen von BMBF-Fachprogrammen (Biotechnologie, Informatik, Optische Technologien u.a.).
Gerade die Förderung in Fachprogrammen weist vielfältige positive Effekte aus wirtschafts- und forschungspolitischer Sicht auf. Insbesondere ermöglichen die Fachprogramme die Konzentration auf strategisch wichtige Schwerpunkte und geben starke Impulse in Bereichen mit hohem technologischem Risiko. Die Ausgaben sind direkt auf Innovationen ausgerichtet. Die Zielgruppe dieser Programme sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen in so genannter Verbundforschung. Die BMBF-Fachprogramme bieten den Rahmen für Unternehmen, insbesondere für kleinere und mittelständische, frühzeitig neue Technologien unternehmerisch zu bewerten (baby care). Die Flexibilität der Fachprogramme wird durch ihre Marktelemente, wie zeitliche Befristung, Wettbewerb und Risikoanteil der Unternehmen bedingt. Für jeden Euro Projektfördergeld bringt die Industrie einen weiteren Euro auf, da eine staatliche Förderung nur bis maximal 50 Prozent der Gesamtaufwendungen erfolgt. Darüber hinaus wird die Industrie, bei erfolgreichem Verlauf des jeweiligen Vorhabens bis zur Produktentwicklung nochmals das Zehnfache an Investitionen aufwenden, die auch zusätzliche Beschäftigung schaffen.
VDI Empfehlungen
Die Forschungsförderung ist ein wesentlicher Faktor für den nachhaltigen Erfolg der deutschen Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb. Die Zuständigkeiten hierfür sollten innerhalb der Bundesregierung unter einem Dach zusammengefasst werden, um strategisch relevante Schwerpunktsetzung, einheitliche Förderkriterien und größtmögliche Effizienz zu gewährleisten.
Die industrieorientierte Verbundforschung mittels der so genannten Fachprogramme muss gesteigert werden. Eine ausgewogene Mischung aus grundlagen- und innovationsorientierter Forschungsförderung garantiert Marktnähe und Nachhaltigkeit. Steuerliche Anreize können hierzu ergänzend eingesetzt werden, sofern finanzielle Spielräume bestehen.
Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von Fachprogrammen ist, dass sie aus „einer Hand“ angeboten werden, sich damit gegenseitig befruchten und eine gegenseitige kritische Begleitung möglich ist.
Energiepolitik
Einleitung
Die deutsche Volkswirtschaft ist auf eine sichere, kostengünstige und umweltschonende Energieversorgung angewiesen. Folgende Herausforderungen stellen sich für die Energiepolitik:
Die im internationalen Vergleich hohen Stromkosten sowie die langfristig steigenden Weltmarktpreise für fossile Energieträger belasten als Kostenfaktoren die preisliche Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Güter und Dienstleitungen. Der Industriesektor, der einen relativ hohen Energiebedarf hat, macht in Deutschland einen größeren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung als in anderen entwickelten Ländern aus. Kostenaspekte und ihre Auswirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft müssen verstärkt von der Politik berücksichtigt werden.
Das Ziel, den Klimawandel zu begrenzen, erfordert eine deutliche Reduktion von Treibhausgasemissionen. Voraussetzungen hierfür sind eine möglichst CO2-arme Energieversorgung sowie Verbesserungen bei der Energieeffizienz über alle Verbrauchsbereiche hinweg. Deutschland verfügt nur in beschränktem Umfang über natürliche Energieressourcen und ist im Bereich der Primärenergie stark von Importen abhängig. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen daher alle vorhandenen heimischen Energiequellen (erneuerbare Energien, Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie) genutzt werden.
In den Herausforderungen liegen aber auch Chancen. Die weltweite Nachfrage nach modernen Umwelt- und Klimaschutztechnologien sowie energieeffizienten Konsum- und Investitionsgütern wird weiter wachsen. Deutsche Unternehmen sind gut positioniert, die sich bietenden Markchancen zu nutzen. Viele von ihnen sind international führend z.B. bei hocheffizienten Gas- und Dampfturbinenanlagen, Windgeneratoren, Solarmodulen und betriebstechnischen Anlagen. Die Politik setzt Rahmenbedingungen, die für die Marktchancen deutscher Unternehmen entscheidend sind. Beispielsweise ist eine deutsche Marktführerschaft bei der CCS-Technologie möglich. Dies setzt allerdings voraus, dass die Politik einen geeigneten Rahmen für die Entwicklung und Anwendung dieser Technologie in Deutschland setzt.
VDI-Empfehlungen
Energiekonzept
Die Politik muss ein umfassendes und schlüssiges Energiekonzept entwickeln und umsetzen. Dieses Konzept muss auf den Säulen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit beruhen. Es sollte alle Verbrauchssektoren einbeziehen und sowohl haushaltende Energieanwendung als auch Energiebereitstellung umfassen. Deutschland verfügt über eine umfangreiche und fortschrittliche Technologiepalette mit einem breiten Mix an Energieträgern. Dieser Mix, der Kernkraft, fossile Energieträger und erneuerbare Energien umfasst, muss in seiner Breite erhalten und weiter optimiert werden. Energiepolitik muss technologieoffen und wettbewerbsorientiert gestaltet werden.
Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien unterstützen zunehmend die Energieversorgung. Sie sind ein wichtiger Bestandteil klimafreundlicher Energieerzeugung und ihre Nutzung unterstützt den verantwortungsvollen Umgang mit fossilen Energieträgern. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat wesentlich zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromversorgung auf mittlerweile knapp 15 Prozent beigetragen. Die Entwicklung und Markteinführung erneuerbarer Energien sollten weiter gefördert werden. Dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit ist hierbei angemessen Rechnung zu tragen. Leistungsverbesserungen müssen Voraussetzung für fortgesetzte Förderung sein. Bei etablierten Technologien ist eine degressive Gestaltung der Einspeisevergütung erforderlich, um Innovationen voranzutreiben, Verbraucher zu entlasten und die Voraussetzung für die internationale Kostenführerschaft deutscher Anbieter zu schaffen.
Der VDI hält einen Anteil der erneuerbaren Energien von etwa 30 Prozent an der Stromversorgung bis 2020 für realisierbar. Das Ziel, den Strombedarf in Deutschland ganz oder überwiegend durch erneuerbare Energien decken zu können, halten wir für unrealistisch. Es sollte daher nicht von der Politik angestrebt werden.
Fossile Energieträger
Der ressourcenschonende Einsatz fossiler Energieträger (Mineralöl, Erdgas und Kohle) wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Energiemix spielen. Ziel muss es sein, die Wirkungsgrade der Kohle- und Gaskraftwerke weiter zu erhöhen, um ihren Einsatz klimaverträglich verantworten zu können. Parallel dazu sollte die Entwicklung modernster Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS-Technologien) vorangetrieben
werden. Dies sollte durch vermehrte Forschungsförderung und weitere Pilotanlagen geschehen. Die Politik muss die Bevölkerung über diese neue Technologie verstärkt aufklären und für Akzeptanz werben. Gleichzeitig gilt es, bestehendes Recht so zu ändern, dass Anlagen, Leitungen und CO2-Lagerstätten schneller gebaut werden können. Ein entsprechendes CCS-Gesetz sollte daher in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.
Kernenergie
Die CO2-freie Kernenergie ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines umweltverträglichen und zukunftsfähigen Energiemix. Derzeit sichert Atomkraft rund ein Drittel der elektrischen Energieversorgung, vor allem im Grundlastbereich. Deutschland verfügt über die weltweit effizientesten und sichersten kerntechnischen Anlagen. In welchem Umfang die Kernenergie weiter genutzt werden sollte, richtet sich unter anderem danach, in welchem Umfang andere, kostengünstige, CO2-arme und grundlastfähige Energiequellen entwickelt und angewendet werden können. Zurzeit stehen diese noch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Die Umsetzung des von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Atomausstiegs im Jahre 2021 würde daher die Erreichung ambitionierter Klimaschutzziele erheblich erschweren und eine ausreichende Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen gefährden. Der VDI empfiehlt eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Ein Teil der daraus resultierenden Gewinne der Betreiber sollte für die Energieforschung, für den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Senkung der Strompreise genutzt werden.
Energieeffizienz
Die effizientere Nutzung von Energie ist nach Einschätzung des VDI der beste Weg, Treibhausgase und die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten zu verringern. Energiesparpotentiale liegen bei betriebstechnischen Anlagen der Industrie, bei Haushaltsgeräten und vor allem im Gebäudebereich, der rund 40 Prozent der Endenergie in Deutschland verbraucht.
Bei einem Neubauvolumen von jährlich zwei Prozent des gesamten Gebäudebestandes sind vor allem solche Maßnahmen entscheidend, die bereits bestehende Gebäude betreffen. Institutionelle Hemmnisse, wie die mangelnde Möglichkeit, Investitionskosten in energiesparende Gebäudesanierungsmaßnahmen auf die Mieter umzulegen, müssen abgebaut werden.
Objektive energetische Bewertungen von Gebäuden und Gebäudetechnik, die auf Bedarfswerten mit festgelegten Innenraumkriterien basieren, würden eine geeignete Grundlage für finanzielle Anreize für mehr Investitionen in energieeffiziente Gebäudesanierung schaffen (Verpflichtung zum bedarfsorientierten Energiepass).
Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sollten auch beim Konsumenten ansetzen. Durch eine Kennzeichnungspflicht zum Energieverbrauch von Produkten sowie zeitlich befristete Marktanreize für besonders effiziente Haushaltsgeräte ließen sich Einsparpotenziale realisieren.
Bündelung der Kompetenz für Energiepolitik
Für Fragen der Energieversorgung sollte künftig das Wirtschaftsministerium oder – wie in anderen Ländern – ein Energieministerium federführend sein, welches die energiepolitisch relevanten Aktivitäten der Bundesregierung koordiniert. Dieses Ministerium sollte den Rahmen schaffen für einen ausgewogenen Energiemix, der alle Energieträger inklusive erneuerbarer Energien, Kernenergie und fossiler Energien umfasst. Energiepolitik muss in Deutschland wieder aus einem Guss sein und damit verlässlich werden.
Mobilität
Einleitung
Mobilität wird in unserer Gesellschaft auch künftig einen hohen Stellenwert einnehmen. Sie ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung und schafft Lebensqualität. Die Kombination von herausragender wissenschaftlicher und industrieller Kompetenz ermöglicht es Deutschland, seine führende Rolle in den Bereichen Technologie, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltschutz zu festigen und auszubauen.
Zur Erreichung der Ziele des Klimaschutzes und der Reduktion verkehrsbedingter Emissionen müssen neue Fahrzeug- und Antriebskonzepte entwickelt und zum flächendeckenden Einsatz gebracht werden. Elektromobilität kann in Zukunft einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Allerdings darf sich die Politik nicht einseitig auf die Förderung des Elektroantriebs konzentrieren. Notwendig ist vielmehr ein umfassendes und schlüssiges Mobilitätskonzept von der Förderung verschiedener innovativer Antriebsarten bis hin zum Ausbau und der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur. Bei der Entwicklung der Verkehrskonzepte muss auch künftig das Ziel der Unfallsicherheit eine zentrale Rolle spielen.
VDI-Empfehlungen
Elektromobilität
Der von der Bundesregierung im August 2009 verabschiedete Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität (NEP) ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung Bündelung und Verstetigung von Forschung und Entwicklung sowie zur Marktvorbereitung und Markteinführung von batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen in Deutschland. Elektrofahrzeuge werden in den kommenden zwei Jahren in Deutschland im Rahmen von Pilotprojekten eingeführt. Ob sich ambitionierte Ziele (z.B. 1 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020) realisieren lassen, hängt entscheidend davon ab, ob und wie rasch sich die folgenden Faktoren, die derzeit noch einer weiten Verbreitung von Elektrofahrzeugen im Wege stehen, beseitigen lassen:
Eine große technische Herausforderung wird sein, die Reichweite der Batterien erheblich, d.h. von derzeit ca. 100 km auf 300 km bis 500 km zu erhöhen, um Elektrofahrzeuge alltagstauglich zu machen. Die hierzu notwendige Steigerung der Leistungsfähigkeit der Speichertechnologie sollte vom Staat durch gezielte Forschungsförderung unterstützt werden und ist kaum vor 2020 zu erwarten.
Die derzeit noch erheblichen Aufwendungen der Produktion von Elektrofahrzeugen müssen gesenkt werden. Trotz in Aussicht stehender Kostensenkungen werden Elektrofahrzeuge noch über Jahre hinweg aufwendiger und teurer in der Produktion sein als solche mit Verbrennungsmotor. Die Politik sollte daher Möglichkeiten schaffen, die Kundenakzeptanz von Elektrofahrzeugen, z.B. durch steuerliche Anreize, zu erhöhen. Solche Kaufanreize sind auch unter Wettbewerbsgesichtspunkten von großer Bedeutung. Wenn der Kauf von Elektrofahrzeugen im Ausland stark gefördert wird, in Deutschland aber nicht, bedeutet dies Wettbewerbsnachteile für deutsche Anbieter.
Ein Durchbruch bei der Elektromobilität erfordert auch den Aufbau eines engmaschigen Netzes an Ladestationen und intelligenten Abrechnungssystemen, was mit ganz erheblichen Investitionen und Kosten verbunden ist. Auch hier ist staatliche Förderung notwendig.
Entscheidungen über die Einführung und Nutzung alternativer Energieträger muss die ganzheitliche Betrachtung von der Primärenergie bis hin zur Verwendung, von der Fertigung bis zur Entsorgung, zugrunde liegen. Ein erheblicher Beitrag zur Umweltverträglichkeit des Auto- und LKW-Verkehrs wird von Effizienzverbesserung herrühren, die sich bei den auch weiterhin dominierenden konventionellen Antrieben, unter anderem durch den verstärkten Wettbewerb alternativer Antriebssysteme, ergeben.
Der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität fordert eine Kopplung der Elektromobilität an erneuerbare Energien. D.h. der Strombedarf für Elektrofahrzeuge soll durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dies ist unter klimapolitischen Gesichtspunkten verständlich. Eine zu starre Kopplung an erneuerbare Energien sollte allerdings vermieden werden, da sie Markteintrittbarrieren schafft, welche die Konkurrenzfähigkeit der deutscher Unternehmen in der äußerst wichtigen "Startphase" der Elektromobilität stark behindern könnten.
Ein von der Politik noch unzureichend beachteter Aspekt hinsichtlich der Zukunftsperspektiven der Elektromobilität ist, dass für Elektroantriebe (Hybrid, Vollantrieb) sowie für die neuen Batterien Rohstoffe benötigt werden, die in Deutschland nur sehr geringfügig vorhanden sind. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam nach Wegen suchen, um Zugang zu ausreichenden Mengen dieser Rohstoffe zu vertretbaren Kosten sicherzustellen. Gleichzeitig muss der ressourceneffiziente Umgang mit diesen Rohstoffen gefördert werden.
Intelligentes Verkehrsmanagement
Das intelligente Verkehrsmanagement ist ein wichtiger Baustein der Verkehrspolitik. Das durch Informationstechnologien gestützte Verkehrsmanagement (z.B.: Wechselkennzeichen, gesteuerte Lichtsignalanlagen, variable Lenkungsmaßnahmen) hat nachweisbar dazu beigetragen, verkehrsbedingt Emissionen trotz stetig steigendem Verkehrsaufkommen erheblich zu reduzieren. Dieser Trend muss durch technische Maßnahmen an Straßensystemen und Fahrzeugen fortgesetzt werden. Das intelligente Verkehrsmanagement sowie die Beseitigung von Infrastrukturengpässen sollten daher entschlossen vorangetrieben werden.
Verteilung der Verkehrsnachfrage
Die Koalitionsparteien haben sich zum Ziel gesetzt, den Personen- und Güterverkehr von der Straße auf andere Verkehrsträger, insbesondere auf die Schiene, zu verlagern. Für den VDI ist wichtig, dass bei der Verkehrsverlagerung neben Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsaspekten auch entscheidende technische Faktoren angemessen berücksichtigt werden. Klare Voraussetzung für eine Verlagerung des Verkehrsaufkommens ist eine deutlich effizientere Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger. Hierzu bedarf es des Aufbaus intermodaler Verkehrsmanagementsysteme, welche die Verbindung zwischen dem engmaschigen Individualverkehr (Fahrrad, Auto, LKW) und den eher grobmaschigen Netzen (Schienen, Wasserstraßen, Flugzeug) ermöglichen. Ohne bessere Vernetzung der Verkehrsträger durch den Aufbau intermodaler Verkehrsmanagementsysteme werden die Nutzer politisch gesteuerte Lenkungsmaßnahmen kaum akzeptieren. Der VDI hält daher eine politisch gesteuerte Verteuerung einzelner Verkehrsträger ohne den Aufbau intermodaler Verkehrsmanagementsysteme für kontraproduktiv.
Sicherheit und Unfallvermeidung im Straßenverkehr
Das Thema Sicherheit und Unfallvermeidung muss weiterhin einen herausragenden Stellenwert besitzen. Neben dem menschlichen Leid durch schwere oder sogar tödliche Verletzungen bei Verkehrsunfällen führen diese Unglücke zu hohem volkswirtschaftlichen Schaden, den es zu mindern gilt. Die Politik sollte durch verstärkte Förderung von Infrastruktur (Ausbau von Straßen/Autobahnen) und technischen Innovationen die Weiterentwicklung der Verkehrssicherheit gezielt unterstützen. Neben der konsequenten Einführung von Systemen der Fahrerassistenz und des Insassenschutzes müssen auch die Themenbereiche der Fahrzeug- und Infrastruktur-Kommunikation verstärkt gefördert werden. Hier gilt es, bereits bestehende Aktivitäten auf Ebene der Projektförderung fortzuführen und auszubauen.
Technische Bildung
Einleitung
In einer hochentwickelten und im globalen Wettbewerb stehenden Volkswirtschaft wie Deutschland kommt dem Faktor Bildung herausragende Bedeutung zu. Die Wettbewerbsfähigkeit von Produkten und Dienstleistungen hängt zunehmend vom Know-how ab, das in die Forschung, Entwicklung und Produktion einfließt.
Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland im Bildungsbereich allerdings nur mittelmäßig ab. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt beispielsweise fest, dass Deutschland seinen Bedarf an Hochqualifizierten nicht ausreichend deckt. Deutschland investiert gemessen an seiner Wirtschaftskraft auch deutlich weniger in Bildung als fast alle anderen Industrieländer.
Eine unmittelbare Folge der zu geringen Ausbildung von Hochqualifizierten ist ein Fachkräftemangel in der Wirtschaft. Diese Entwicklung zeichnet sich seit Jahren deutlich in den technischen Berufen ab. Trotz der derzeitigen Konjunkturflaute können knapp 30.000 Stellen für Ingenieure nicht besetzt werden, weil qualifizierter Nachwuchs fehlt. Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des VDI verursachte die Ingenieurlücke allein im vergangenen Jahr volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 6,6 Milliarden Euro. Der Ingenieurmangel wird sich mittel- bis langfristig noch verschärfen, da in den kommenden Jahren viele Ingenieure altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden und die entstehende Lücke durch qualifizierten Nachwuchs gefüllt werden muss. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Das Interesse junger Menschen an Naturwissenschaften und Technik muss gefördert und die Bildung in diesen Bereichen verbessert werden.
VDI-Empfehlungen
Technische Bildung in Kita und Schule
Das Nachwuchsbarometer von VDI und acatech belegt, dass das Interesse junger Menschen an Naturwissenschaften und Technik abnimmt. Um diesem Trend entgegenzuwirken und das Interesse des Nachwuchses für Technik zu wecken und zu fördern, ist eine durchgehende und altersgerechte Befassung junger Menschen mit Technik erforderlich.
Technische Bildung sollte bereits in der KITA und in der Grundschule ansetzen und in den weiterführenden Schulen fortgesetzt werden. Die Umsetzung der auf dem Dresdener Bildungsgipfel 2008 beschlossenen Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften, Technik) muss eine Priorität für die Bildungspolitik sein. Eine wichtige Voraussetzung zur Erreichung dieses Ziels ist eine deutliche Verbesserung der Koordination der Aktivitäten zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die naturwissenschaftlichen Fächer und das Fach Technik sollten bundesweit an allen allgemeinbildenden Schulen, insbesondere an Gymnasien, eingeführt werden. Der VDI hat hierzu der Kultusministerkonferenz Bildungsstandards vorgelegt.
Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge
Die Ingenieurausbildung an deutschen Hochschulen genießt international einen sehr guten Ruf. Allerdings holen andere Länder auf und Deutschland muss sich diesem Wettbewerb stellen. Der Bologna-Prozess ermöglicht formal eine größere Mobilität und internationale Anerkennung. Die noch relativ neuen Bachelor- und Masterstudiengänge stellen durch ihre stärkere Anwendungs- und Berufsorientierung besonders hohe Ansprüche an die Qualität der Lehre. Universitäten müssen der Lehre daher die gleiche hohe Bedeutung beimessen wie der Spitzenforschung. Verbesserungen in der Lehre würden dazu beitragen, die bei natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen besonders hohen Studienabbrecherquoten zu reduzieren und hierdurch die Absolventenzahlen zu steigern. Durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse müssen die Rahmenbedingungen für eine verbesserte Mobilität der Studierenden geschaffen werden, sowohl im nationalen Rahmen als auch grenzüberschreitend. Darüber hinaus sollte der Zugang zur Hochschulbildung für diejenigen durchlässiger werden, die bereits über einschlägige berufliche Qualifikationen verfügen.
Investition in Bildung
Deutschland hat sich im Rahmen des Lissabon-Prozesses der Europäischen Union klar zu dem Ziel bekannt, sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung zu investieren. Die Realität sieht bisher ganz anders aus. OECD-Angaben zufolge investierte Deutschland 2006 lediglich 4,8 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Bildung und lag damit hinter fast allen OECD-Ländern. Bund und Länder müssen die Investitionen in Bildung in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.

