Energieeffizienz:

- Thorben Wengert / pixelio.de
1. Das Thema der Energieeffizienz ist der entscheidende Punkt für den Umbau zu einem zu 100% erneuerbaren Energiesystem. Ohne deutliche Energieeinsparungen in allen Bereichen (Haushalte, Verkehr, Industrie sowie Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungsbereich) ist dieses Ziel nicht erreichbar.
2. Das größte Potenzial für einen effizienteren Energieeinsatz liegt eindeutig im Bereich der Raumwärme. Allein durch eine konsequente Verbesserung in diesem Bereich könnten bis zu einem Drittel des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs eingespart werden.
3. Die Bereitstellung von Wärme aus erneuerbaren Energiequellen in Zusammenhang mit der Gebäudesanierung hat oberste Priorität. Die Überprüfung und Anpassung des maximalen Energieverbrauchs von Neubauten ist regelmäßig durchzuführen, und der maximale Energieverbrauch ist zu verringern.
4. Für eine Senkung des Raumwärmeverbrauchs müssen Neubaustandards bezogen auf den Energieverbrauch regelmäßig überprüft und angepasst werden. Es sollten Anreize gesetzt werden, die eine direkte Errichtung von höchsteffizienten Passivhäusern gegenüber Niedrigenergiehäusern bevorteilen. Für Altbausanierungen sollte, die Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit im Vordergrund stehen.
5. Aus dem hohen Einsparpotential bei der Wärmebereitstellung folgt, dass die Wärmeversorgung auf effiziente, strombasierte Wärmepumpen mit Pufferspeichern umgestellt werden muss, um den Brennstoffbedarf zu minimieren und mittelfristig den Gasverbrauch vom Wärmesektor in den Stromsektor zu verlagern. Dabei sollten erneuerbare Energien soweit wie möglich genutzt werden.
6. Entsprechend sollte die Nutzung von Solarthermie für Wärme stärker und verlässlich gefördert werden, da diese teilweise für das Gesamtsystem sinnvoller sein kann als die Nutzung von PV.
7. Weitere große Potenziale liegen im Bereich
a. der Elektrogeräte (Haushaltsgeräte und Information & Kommunikationstechnik) und im Bereich Beleuchtung,
b. der Verkehrsinfrastruktur und hier vor allem im Individualverkehr durch Nutzung energetisch günstigerer Transportmittel (Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad sowie neuer Mobilitätskonzepte)
c. der industriellen Prozesswärme (Stichwort Rückverstromung und thermische Speicher)
Diese müssen durch regelmäßiges Anpassen und Anheben der Mindeststandards stetig verbessert werden.
8. Um diese Potenziale abzurufen, muss erreicht werden, dass der Begriff Energieeffizienz attraktiv wird. Jeder einzelne Bürger kann und muss sein Handeln dahingehend optimieren. Hierfür wird die Einführung einer nationalen (auf kommunaler Ebene aufgehängten) Informationsoffensive gefordert. Diese sollte Folgendes beinhalten:
a. die günstige Bereitstellung von Technik (Stromverbrauchsmessgeräte / Smart Meter)
b. Einfache Berechnungstools zur wirtschaftlichen Optimierung
c. Günstige Beratungen für Gemeinden & Kommunen durch regionale Stadtwerke
d. Zusammenfassung aller relevanten Informationen und einfacher, ständiger Zugang zu Ihnen (z.B. über eine zentrale Homepage)
e. Schalten von Anzeigen und Werbung um auf das Thema aufmerksam zu machen
f. Einbindung in das Bildungssytem z.B. durch Projekttage oder Schulprogramme.
9. Um einen effizienten Verbrauch von Rohstoffen auch auf den Konsum- und Lebensmittelmarkt zu übertragen, wird die Angabe des Energieverbrauchs für Produktion und Transport an den jeweiligen Verkaufsort in Form von Ampelfarben o. ä. vorgeschlagen. So können Verbraucher einfach und klar für das Thema „Energieeffiziente Produktion“ und den Kauf energieeffizient hergestellter Produkte sensibilisiert werden. Dies könnte Chancen für die regionale Wirtschaft bedeuten, da diese ihre Ware ohne lange Transportwege zum Endverbraucher bringen kann.
10. Das Effizienz-Benchmarking muss Anwendung in allen Bereichen finden.
11. Die Einführung von Smart Metern wird befürwortet, um Lastnachfrage und Energieerzeugung effizient zusammenzuführen und benötigte Regelenergie zu verringern.
12. Ohne Weiterbildung in den betroffenen und umsetzenden Berufsgruppen sowie ohne Aufklärung der Bevölkerung ist eine Effizienzstrategie nicht möglich.
13. Die Energiebereitstellung für die Industrie sollte bei allen Neuanlagen und Umstellungen nur noch auf Strom und Gas beruhen, da dies aktuell effizienter ist und beide durch EE substituierbar sind (Andere Energieträger sollten nur bei stofflichem Bedarf, z. B. an Kohle bei der Stahlproduktion, eingesetzt werden).
14. Die verpflichtende Einführung eines integrierten Energie-, Stoff- und Prozessmanagements (ESPM) zur Erfassung sämtlicher Verbräuche und zur effizienteren Gestaltung von Prozessen in allen Industrieunternehmen erscheint als wirkungsvollste Maßnahme zur Effizienzsteigerung bei Industrieprozessen.


