Erfahrungsbericht - Marco Binninger
Teilnehmer der 9. Runde VDI ELEVATE

- Erfahrungsbericht VDI ELEVATE (Bild: VDI)
Kürzlich bin ich in den Beruf eingestiegen und fast täglich stoße ich auf Situationen, die mir bekannt vorkommen. Nicht immer finde ich an diesen Stellen die richtige Lösung oder einen guten Kompromiss. Dennoch habe ich keine Angst, da ich die meisten dieser Situationen aus einem Seminar des VDI ELEVATE-Programms kenne. Dessen Trainings haben mich gezielt auf das Arbeitsleben vorbereitet. Oft hilft allein der Gedanke daran, eine Hürde schon einmal überwunden zu haben. In den beiden VDI ELEVATE-Jahren lernte ich unterschiedliche Orte, Unternehmen und Menschen kennen. Mit dem Gefühl, einen riesen Schritt in Sachen eigener Persönlichkeitsentwicklung gemacht zu haben, blicke ich auf diese Zeit zurück. Gerne gebe ich einen Einblick:
Soft Skills – wo seid ihr geblieben?
Die so genannten Soft Skills, für das Arbeitsleben Voraussetzung, stehen größtenteils nicht an erster Stelle in den Vorlesungsplänen der Universitäten und Fachhochschulen. Junge Ingenieurabsolventinnen und -absolventen haben deshalb häufig große Defizite. Entwickelte Ideen und oft sehr gute Lösungen können nicht reifen und angewendet werden, sofern sie nicht Vorgesetzte und Arbeitskollegen überzeugen. Eine souveräne Präsentation und Verteidigung der eigenen Überzeugung in Gruppendiskussionen sind ebenfalls Wege zum Ziel. Das Ingenieurstudium an einer Universität ist hoch wissenschaftlich und darauf ausgelegt, beste Lösungen zu finden. Wie man diese so logisch und überzeugend präsentiert, wird allerdings nicht gelehrt. Doch wie eignet man sich als Student Fähigkeiten wie Selbstpräsentation, das Arbeiten in Teams oder Konfliktmanagement an? Neben Gruppenaufgaben an der Universität, Hochschulgruppen oder Engagement im außeruniversitären Bereich, gibt es auch spezielle Förderprogramme, wie z.B. VDI ELEVATE.
Unternehmenskontakte schon beim Auswahlverfahren
Vor zwei Jahren wurde ich zufällig auf das VDI ELEVATE-Programm aufmerksam. Auf meine schriftliche Bewerbung folgte im April 2011 eine Einladung zum ersten Bewerbertag ins VDI-Haus nach Düsseldorf. Dort lernte ich mein favorisiertes Partnerunternehmen, die Hochtief AG, kennen. Die Atmosphäre während der Bewerbertags war entspannt, die Gespräche in den Pausenzeiten intensiv und informativ. Selbst die Übungen machten Spaß, obwohl sie stressig und neu waren. Unternehmen und VDI-Vertreter jedoch achteten auf einen fairen Umgang in den simulierten Prüfungssituationen. Es klappte: Nach der Zusage konnte ich Ende 2011 mein dreimonatiges Praktikum bei einer Tochterfirma der Hochtief AG absolvieren. Die Immobiliensparte Formart in Freiburg bot mir eine hervorragende Möglichkeit, mein theoretisches Wissen aktiv in der Praxis anzuwenden. Alles in allem war das eine gute Ergänzung zum Studium. Noch immer besteht ein reger Kontakt zum Unternehmen. Wer weiß, vielleicht wird er sich in Zukunft noch als hilfreich erweisen.
Training(s), Training(s), Training(s)…
Ergänzend zum Praktikum habe ich im Rahmen des Programms sieben Trainings absolviert – davon fünf Basisseminare zu den Themen Zeit- und Selbstmanagement, Teammanagement, Projektmanagement, Moderation & Präsentation und unternehmerisches Denken. Darüber hinaus wählte ich noch zwei weitere Zusatzseminare aus dem Angebotsportfolio: Wissenschaftliche Arbeiten korrekt verfassen und Knowledge College - Stärken stärken. An den VDI ELEVATE-Trainings faszinieren mich zwei Tatsachen besonders: Zum einen die Bereitschaft der Unternehmen junge „High Potentials“ kennenzulernen. Zum anderen, dass man bereits innerhalb von nur zwei Tagen einen sehr tiefen Einblick in das gastgebende Unternehmen erhält. Die einzelnen Kurse sind grundverschieden, da jedes gastgebende Unternehmen die Möglichkeit hat, das Training individuell zu gestalten. Das hat mir gut gefallen.
Um einen besseren Einblick zu geben, möchte ich eins der Trainings genauer beschreiben und zwar das Training „Knowledge College - Stärken Stärken“. Bei diesem Seminar lag der Fokus nicht darauf, etwas Neues zu lernen, sondern schon längst Dagewesenes und eigentlich Bekanntes genauer zu betrachten: mich selbst. An einem Freitagmorgen trafen wir uns am Stuttgarter Hauptbahnhof – von dort ging es per Bus weiter zu einem Schulungscenter der Daimler AG. In der Regel stellen sich alle Unternehmen erst einmal vor und so hörten wir in einer 30-minütigen Unternehmenspräsentationalles über die Einstiegsmöglichkeiten bei Daimler. Erst danach startete das eigentliche Seminar und wir Teilnehmer standen dann selbst zwei Tage lang im Mittelpunkt. Speziell bei einem Vorstellungsgespräch ist es essenziell, sich seiner Stärken bewusst zu sein und diese auch als Argumente für die eigene Person nennen zu können. Durch Gruppen-, Partner- und Einzelübungen erfuhren wir mehr über unsere Stärken. So mussten wir in einer Übung, den anderen Teilnehmern ihre positiven Eigenschaften auf den Rücken schreiben. Das Ergebnis der im wahrsten Sinne des Wortes „gestärkten“ Teilnehmer, ist auf dem Gruppenfoto ersichtlich. Damit wir diese auch verinnerlichen mussten wir abschließend unsere eigenen Stärken vor allen anderen präsentieren.
Networking
Eines hatten übrigens alle Programmtage gemeinsam: Neben den Trainings bot man uns immer ein außergewöhnliches Rahmenprogramm. Städte, Unternehmen und andere Teilnehmer wurden immer vertrauter. Beispielsweise fieberten wir beim oben genannten Knowledge College gemeinsam bei einem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft mit, das auf einer Großleinwand übertragen wurde und ließen später den Abend gemütlich vor dem Kamin ausklingen. Bei anderen Seminaren nutzten wir die Infrastruktur der Großstädte. Restaurants, Clubs und Bars in den Innenstädten von Bremen, München, Wolfsburg, Hannover und Düsseldorf wurden ausführlich zum Netzwerken genutzt. Dies ist ein weiterer, positiver Nebeneffekt des Programms: Man lernt Unternehmensvertreter und jede Menge Studierende aus anderen Fachrichtungen und Hochschulstandorten kennen und bekommt einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Ich konnte mir ein eigenes Netzwerk aus Unternehmensvertretern, ehemaligen und aktiven ELEVATERN aufbauen und freue mich darauf, diese im Rahmen des einen oder anderen Alumnitreffens weiter ausbauen zu können.
Faktencheck
Insgesamt ziehe ich ein positives Fazit über die beiden Jahre im Förderprogramm VDI ELEVATE und möchte dies auch anderen Studierenden empfehlen. Ins Leben gerufen wurde das Förderprogramm übrigens durch das Netzwerk der Studenten und Jungingenieure im VDI. Die erste Programmrunde startete im April 2007. Rund 20 Partner der Initiative SACHEN MACHEN beteiligen sich inzwischen am Förderprogramm, stellen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Mentoren zur Seite und bieten Praktika und Abschlussarbeiten an.
Weitere Infos zum Programm und zur Bewerbung:
www.vdi.de/elevate oder auch www.facebook.com/VDIelevate
Marco Binninger
Teilnehmer der 9. Runde VDI ELEVATE
Marco Binninger studierte bis Herbst 2012 Bauingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im April 2011 startete er in die 9. Runde VDI ELEVATE und sammelte im Rahmen der Praxisphase erste Erfahrungen in der Bauleitung. In diesem Tätigkeitsfeld stieg er nach Studienabschluss auch in den Beruf ein.




