VDI-Fachbereich Energiewandlung und -anwendung
Fachausschuss Energieanwendung: Stellungnahme Energieforschung für eine nachhaltige Energieversorgung aus Sicht der Energieanwendung
Energieforschung legt die wissenschaftlichen Grundlagen für die Technik der Gewinnung, der Wandlung, der Speicherung, des Transportes und der Anwendung von Energie sowie des Energiemanagements. Der Energieforschung kommt eine herausragende Bedeutung zu. Ihre Ergebnisse sichern zukünftigen Generationen die Energieversorgung und die Grundlage für den Lebensstandard. Sie schaffen die Voraussetzungen für eine nachhaltige und international wettbewerbsfähige Energieversorgung und damit die Basis für alle anderen Wirtschaftssektoren. Energieforschung ist somit ein strategisches Instrument für eine zukunftsweisende Energie-, Wirtschafts- und Umweltpolitik.
Es bedarf einer scharfen Abgrenzung der Mittel für Forschung von Mitteln für die Wirtschaftsförderung. Energieforschung darf nicht zu einer ersatzweisen Investitionslenkung werden. Investitionen müssen nach wirtschaftlichen Kriterien getätigt werden. Der Staat darf nur in einem sehr engen Rahmen durch Markteinführungshilfen zu einem Anschub von neuen Technologien verhelfen, die sich dem Wettbewerb im Markt stellen müssen.
Auf dem Gebiet der Forschung hat der Staat einerseits für günstige Rahmenbedingungen zu sorgen, wie eine moderne Forschungsinfrastruktur, einen gut ausgebildeten Nachwuchs und für die verschiedenen Forschungseinrichtungen einen fairen Wettbewerb zu sichern. Andererseits sind die langen Entwicklungszeiträume bis zu einer kommerziellen Nutzung, die hohen Entwicklungsrisiken und die nicht im Marktpreis abgebildeten Umweltauswirkungen Gründe dafür, dass eine staatliche Förderung unabdingbar ist.
Staatliche Aufgabe ist es, angesichts der Unterfinanzierung der Energieforschung in Deutschland im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen und im Vergleich zu anderen Ländern, Anreize zu schaffen für ein stärkeres Engagement der Unternehmen im Bereich der Energieforschung.
Dabei muss die institutionelle Förderung zu Gunsten einer zielorientierten Projektförderung schrittweise auf ein gerade noch notwendiges Maß zurückgefahren werden. Die in der Verantwortung der Forschungsgruppen stehenden Projekte sind einer laufenden Erfolgskontrolle zu unterziehen. Für die Vorhaben sind grundsätzlich Zeitziele für evaluierbare Ergebnisse in den einzelnen Gebieten anzugeben.
Ein neues „Energieforschungsprogramm“ soll vor allem einen Rahmen abgeben für Programme, die nach Wettbewerbsgesichtspunkten vergeben werden. Es muss auf die energiepolitischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte eingehen und zu innovativen Forschungsansätzen für eine Energieversorgung des 21. Jahrhunderts aufrufen. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung des Forschungsstandortes und damit des Wirtschaftsstandortes Deutschland geleistet werden.
Aus der Sicht der Energieanwendung sollte das Energieforschungsprogramm enthalten:
- Der Industrie, den Hochschulen sowie den außeruniversitären Forschungsinstituten ist ein breiter Raum für die Energieforschung einzuräumen, um so einerseits einen Beitrag für den weiteren Ausbau der energietechnischen Grundlagenforschung, als auch andererseits für eine gezielte Ausbildung des wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Nachwuchses zu leisten. Dabei sollten die Forschungskooperationen intensiviert werden. Die forschenden Unternehmen sollen in die öffentlich finanzierten Forschungsprojekte unter Beteiligung leistungsstarker Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen eingebunden werden, damit mit den marktorientierten Verbindungen der Industrie frühzeitig anwendungsbezogene Projekte abgeleitet werden. Dies vor allen Dingen deshalb, um neue Ergebnisse der Energieforschung rascher aufzunehmen und umzusetzen. Grundsätzlich sollen die Forschungseinrichtungen stärker in zeitlich befristeten projektorientierten Programmen arbeiten, die nach Abschluss einzelner Projektstufen evaluiert werden müssen.
- Zu einer breiten Basis in der Energieforschung gehört die Erforschung der Einsatzmöglichkeiten aller bekannten und verfügbaren Energieressourcen und der entsprechenden Technologien ebenso, wie die rationelle und regenerative Energienutzung, die einen wesentlichen Beitrag zur Einsparung konventioneller Energiereserven bringen muss.
- Die Erforschung und Entwicklung von Konzepten einer effizienteren Energieanwendung muss in allen Energieverbrauchssektoren weiter vorangetrieben werden. Den zentralen Technologien sind die anwendungsnahen dezentralen Energiesysteme gegenüberzustellen, deren Vorteile dann besonders deutlich werden, wenn sie zu integrierten Energiesystemen verknüpft werden. Dies gilt sowohl im Gebäudebereich, als auch für die Energienutzung in der Industrie und im Kleinverbrauch. Dezentrale, wärmeorientierte Energiesysteme werden bei der Förderpolitik der gegenwärtigen Bundesregierung, die vorrangig die dezentrale Stromerzeugung zum Ziel hat, nicht ihrer Bedeutung gemäß berücksichtigt. In diesen Forschungsprogrammen soll die Zielgruppe KMU besonders berücksichtigt werden. Dies betrifft insbesondere die Teilbereiche rationelle und regenerative Energienutzung im Bereich der dezentralen Energiesysteme, für die eine rasche Umsetzung der Forschungsergebnisse möglich ist.
- Die Erforschung und Entwicklung effizienter Energiespeicher- und Energietransport-techniken ist besonders zu fördern. Energiespeicherung, Energietransport und Energie-management müssen wesentlich leistungsfähiger werden, um einen verstärkten Einsatz regenerativer Energiesysteme in Form integrierter Energiesysteme zu ermöglichen. Versorgungssicherheit hängt in der Zukunft vom Vorhandensein leistungsfähiger Energiespeicher- und Energietransporttechniken und dem erreichten Niveau der Integration ab.
- Die Entwicklung von Energiemanagementsystemen mit moderner IT-Technik soll auf der Seite der Energieanwendung als eine bedeutende Möglichkeit zur Effizienzsteigerung bei der Energieanwendung in die Förderprogramme aufgenommen werden.
- Die Verknüpfung von nationaler und europäischer Energieforschung muss verstärkt werden. Dies gilt insbesondere für den Bereich der KMU-spezifischen Forschung. Das derzeit extrem bürokratische, zeit- und kostenaufwendige Antragsverfahren bei der EU, das viele potenzielle Antragsteller abschreckt, sollte durch ein einfacheres und transparenteres Verfahren ersetzt werden.
- Die Erforschung betriebswirtschaftlicher Modelle zur Umsetzung neuer Techniken soll ergänzend gefördert werden, um den Transfer der Entwicklungen in die Anwendung zu forcieren. Dazu gehören die Behandlung der Fragen zur Risikoabsicherung und die Evaluierung bisheriger Markteinführungsprogramme.
- Die Ausbildung in den Schulen, aber auch die Weiterbildung für Architekten, Ingenieure und Handwerker muss Kenntnisse über die effiziente Verwendung von Energie nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vermitteln. Das Wissen über den quantitativen Umgang mit Energie ist zu fördern. Dazu sind durchgängige nachvollziehbare Kenngrößen für den effizienten Energieeinsatz mit einheitlichen Maßstäben zu entwickeln. Das ist eine besondere, der Energieforschung zuzurechnende Aufgabe.



