VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik
FISITA World Automotive Congress 2008 in München
Student Congress & Travelling Fellowship Programme
Ein Erfahrungsbericht von Daniel Wegert, Matthias Körner und Christian Mauer (Fachhochschule Bingen, Rheinland-Pfalz) sowie Dipl.-Ing. Friedrich Wolf-Monheim (Ford Forschungszentrum Aachen GmbH)
Seit mehr als 50 Jahren ist der FISITA World Automotive Congress eine Möglichkeit für in der Automobilindustrie Beschäftigte, wie z.B. Ingenieure oder Naturwissenschaftler, Kontakte zu knüpfen, ihr Wissen auszutauschen und Forschungsergebnisse zu präsentieren. Die internationalen Teilnehmer kommen dabei von allen namhaften OEMs, Zulieferbetrieben, Forschungsinstituten, Universitäten, Hochschulen und staatlichen Institutionen. Insgesamt waren es über 1800 Delegierte aus 42 Ländern. Einige der erklärten Ziele von FISITA und damit auch des diesjährigen Kongresses waren:
- Förderung von Entwicklungen in den Bereichen Sicherheit, Umweltfreundlichkeit und Ressourceneinsparung
- Förderung der Aus- und Fortbildungsqualität von Ingenieuren
- Unterstützung von Studenten und jungen Ingenieuren
Das Motto des diesjährigen Kongresses, welcher von der FISITA zusammen mit dem VDI organisiert wurde, lautete „Die Zukunft von Automobilen und Mobilität“. Der Hauptkongress bestand aus zahlreichen Fachvorträgen, Plenarsitzungen mit wichtigen Industrievertretern (Abb. 1), Postervorstellungen in den Pausen und einer Ausstellung im Foyer und anderen Räumlichkeiten des Kongresszentrums. In den Plenarsitzungen wurden aktuelle Themen diskutiert und Zukunftsaussichten analysiert.
Student Congress
Neben dem Hauptkongress fand wieder zeitgleich der "Student Congress" statt, bei dem sich junge, angehende Ingenieure austauschen und ihre technischen Aufsätze vorstellen konnten. Die Ausarbeitungen wurden dabei entweder in einem Vortrag präsentiert oder während einer der zahlreichen Posterpräsentationen jeweils in den Pausen der Vortragsblöcke vorgestellt. Die deutschen Teilnehmer der Fachhochschule Bingen, Daniel Wegert, Matthias Körner und Christian Mauer (Abb. 2), hatten hierbei die Möglichkeit, sowohl ein Poster vorzustellen, als auch einen Vortrag über den Bau eines kartähnlichen Forschungsfahrzeugs mit Brennstoffzellen-Antrieb zu halten.
Als besonderes Highlight kam noch hinzu, dass die deutschen Teilnehmer einen eigenen Stand (Abb. 3) hatten, wo auch das Kart während des ganzen Kongresses präsentiert wurde. So konnte am Objekt selbst mit Fachleuten aus der Industrie sowie mit anderen Teilnehmern des Student Congress diskutiert werden. Um die Fahreigenschaften des Elektroantriebes zu erfühlen, konnten zudem Testfahrten mit dem Kart in der Ausstellungshalle unternommen werden. Zu einem der bekannten Testfahrer zählte unter anderem Herr Vollrath vom VDI und zahlreiche andere Technikbegeisterte.
Travelling Fellowship Programme
Das "Travelling Fellowship Programme" bot im Rahmen des diesjährigen FISITA World Automotive Congress in München jungen Ingenieuren bis zu einem Alter von 35 Jahren die Möglichkeit, bereits in der Woche vor dem eigentlichen Kongress unterschiedliche Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Produktionsstätten sowie Museen der Automobilindustrie in Deutschland zu besuchen. Für die Auswahl der Kandidaten des Programms waren jeweils die nationalen Mitgliedsorganisationen und Ingenieurvereinigungen von FISITA verantwortlich. Der VDI wurde 2008 durch Friedrich Wolf-Monheim vertreten. Insgesamt nahmen 13 Jungingenieure am Programm teil.
Im Rahmen des Besuchs des Mercedes-Benz Technology Centers in Sindelfingen hatten die Teilnehmer nicht nur die Möglichkeit, die Endmontage der Mercedes-Benz S-Klasse zu besichtigen, sondern bekamen darüber hinaus ebenfalls tiefe Einblicke in die Entwicklungsprozesse und Designstrategien von Mercedes-Benz. Während einer geführten Tour durch das BMW Forschungs- und Innovationszentrum in München wurden zukünftige Technologien zur CO2-Reduktion, die Forschungs- und Entwicklungsabläufe sowie die Entwicklung neuer Fahrzeugdesigns beim Münchner Autobauer vorgestellt. Beim Besuch der MAN Nutzfahrzeuge AG hatten die Teilnehmer des "Travelling Fellowship Programme" sogar die Möglichkeit, selbst Nutzfahrzeuge auf der firmeneigenen Teststrecke zu erproben.
Die Besichtigung des Werkzeug- und Formenbaus der Audi AG in Ingolstadt bot den Travelling Fellows einen Einblick in die Bereiche Qualität, Effizienz und Technologie in der Großserienfertigung. Dabei wurden alle Schritte des Produktentstehungsprozesses wie etwa Designbeurteilungen, Machbarkeitsuntersuchungen sowie die Anfertigung von Werkzeugen und Karosseriebauanlagen bis hin zur Qualitätszielerreichung der Blech-Einzelteile und Schweißgruppen erläutert.
Ein weiterer Höhepunkt des Programms war die Führung durch das vor dem Haupttor des Daimler-Werks in Stuttgart-Untertürkheim neu erbaute Mercedes-Benz Museum. Am 17. September 2003 wurde der Grundstein für das neue Museum gelegt. Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fand die Eröffnung des Mercedes-Benz Museums statt. Damit löste es das seit 1923 bestehende alte Museum im Stammwerk Untertürkheim ab und setzt dessen Geschichte fort. Über 120 Jahre Automobilgeschichte sind ausgestellt. Neben den ersten Automobilen der Welt von Karl Benz und Gottlieb Daimler sind weitere 160 ausgestellte Fahrzeuge zu bewundern. Zu sehen sind unter anderem bedeutende Rennwagen wie der "Blitzen-Benz", mit dem Burman 1911 in Daytona Beach mit 228 km/h einen sensationellen Weltrekord aufgestellt hat, sowie Limousinen und Sportwagen aus den 20er und 30er Jahren. Darüber hinaus sind die Kaiserwagen und die Kompressor-Sportwagen mit dem 500 K Spezialroadster, der 260 D (erster Serien-Diesel-Pkw der Welt), der 170 V (meistverkaufter Mercedes-Benz der Vorkriegszeit), die "Silberpfeile" und der Mercedes-Benz 300 SL Coupé (auf der Basis des Rennsportwagens von 1952 ging er 1954 in Serie) mit seinen Flügeltüren ausgestellt.
Abschließend ist zu sagen, dass der Kongress eine hervorragende Möglichkeit geboten hat, aktuellste Forschungs- und Entwicklungsthemen kennenzulernen, die derzeitige Situation der Automobilbranche zu erfahren, sich mit Experten auszutauschen und vor allem durch das "Travelling Fellowship Programme" und den "Student Congress" andere Ingenieure und Studenten zu treffen.
Unser herzlichster Dank geht an FISITA und den VDI für die Möglichkeit der Teilnahme und die finanzielle Unterstützung.






