kjVI - kreative junge Verfahrens-Ingenieure
Was ist Verfahrenstechnik überhaupt?
Verfahrenstechnik ist eine spezielle Ingenieurwissenschaft – sie ist interdisziplinär und umfasst Anteile aus verschiedenen Fachgebieten wie Maschinenbau, Biologie, Chemie, Physik und Elektrotechnik.
Aufgabe der Verfahrenstechnik ist es, Verfahren zur Stoffänderung zu erforschen, zu entwickeln und zu verwirklichen.
Ein Beispiel für eine Sammlung verfahrenstechnischer Probleme ist die Zubereitung von Kaffee:
Zur Verfügung stehen bereits geröstete Kaffeebohnen und kaltes Wasser. Die richtige Menge Bohnen muss abgemessen und frisch gemahlen werden, wird dann in einen Filter überführt und dort mit frisch erhitztem Wasser übergossen. Nachdem das Wasser die Inhaltstoffe der Kaffeebohnen gelöst hat und als Kaffee in die bereitstehende Tasse getropft ist, muss das ausgelaugte Kaffeepulver entsorgt werden.
Will man diesen Prozess aus dem Labor / der Küche in einen (hier fiktiven) technischen Produktionsmaßstab überführen, so gilt es einige Probleme zu lösen:
Einige Säcke Bohnen müssen exakt gewogen und gemahlen werden. Nach dem Mahlen wird man zu grobe Stücke abtrennen, da diese nur ungenügend extrahiert werden können, und diese möglichst zur Mühle zurückführen. Gleichzeitig wird zu fein gemahlenes Gut vom Filter nicht mehr zurückgehalten und landet im Produkt, was zu einem schwarzen, bitter schmeckenden Bodensatz im Kaffee führen könnte. Daher ist auch diese „Fraktion“ abzutrennen. Der verfahrenstechnische Schritt der Trennung nach Korngröße heißt „Klassieren“.
Ein weiteres Problem ist die Erwärmung des zu nutzenden Wassers: Da es sich um ein Lebensmittel handelt, wird man Trinkwasser (nicht Flusswasser!) nutzen und dieses in einem Wärmetauscher mittels Dampf erwärmen, die Erwärmung durch Elektrizität wie in der Küche ist nämlich relativ teuer.
Ein Verfahrensingenieur würde hier also die Art und Größe der benötigten Wärmetauscher, Pumpen und Ventile auslegen.
Frisch erhitzt kann man das Wasser dann zum Überbrühen des Kaffeepulvers nutzen. Um eine zu gründliche Extraktion von Bitterstoffen auszuschließen, muss dann schnell filtriert werden – ein weiteres verfahrenstechnisches Problem. Um diese „Fest-Flüssig-Trennung“ schneller durchführen zu können, wird man zusätzlich Druck auf die auf dem Filter stehende Kaffeesuspension geben oder am Ablauf saugen (was ist bei der heißen Brühe besser?).
Am Ende steht die Abfüllung des frisch hergestellten Produkts Kaffee und die Entsorgung des verbrauchten Kaffeepulvers. Auch hier sind dann einige Probleme zu lösen.
Infos zum Studium
Das Chemieingenieurwesen bzw. die Verfahrenstechnik ist eine interdisziplinäre Ingenieurwissenschaft, die gewachsen ist im Spannungsfeld zwischen Maschinenbau, technischer Physik, Mathematik, physikalischer und technischer Chemie. Aufgabe der Chemieingenieure/ Verfahrenstechniker ist es, die natürlich vorkommenden Stoffe durch physikalische, chemische und biologische Prozesse in Produkte mit neuen, gewünschten Eigenschaften umzuwandeln.
Das Grundstudium bzw. der Bachelor vermitteln Euch grundlegende Kenntnisse in Mathematik, Naturwissenschaften und den Grundlagen der Ingenieurswissenschaften wie Mechanik, Stofftransport und Thermodynamik. Danach gibt es viele Möglichkeiten sich weiter zu vertiefen. Am besten schaut Ihr mal auf die unterschiedlichen Studienschwerpunkte.
Immernoch nicht überzeugt Verfahrenstechniker zu werden? Dann schaut euch nach dem Kaffeebeispiel noch weitere Beispiele, in denen überall Verfahrenstechnik steckt.
Wo arbeiten?
Ihr wollt wissen wo ihr als Verfahrenstechniker arbeiten könnt? Da wären natürlich die großen Firmen der chemischen Industie. Viele der Firmen unterstützen uns beim Studenten- und Doktorandenprogramm. Allgemeinere Informationen zu verfahrenstechnischen Arbeitsplätzen findet ihr bei Branchen und Unternehmen.



