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Bezirksverein Leipzig

Dr. M. Grunert, Prof. M. Kaltschmitt, Dr. A. Zehnsdorf, Dr. C. Herbes und Nadine May (v.l.)
Dr. M. Grunert, Prof. M. Kaltschmitt, Dr. A. Zehnsdorf, Dr. C. Herbes und Nadine May (v.l.) Foto: ©Kühne
Interessiertes Publikum
Interessiertes Publikum, Foto: ©Kühne
Interessiertes Publikum
Interessiertes Publikum, Foto: ©Kühne
Dr. Michael Grunert (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) und Prof. Martin Kaltschmitt (Deutsches BiomasseForschungsZentrum Leipzig)
Dr. Michael Grunert (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) und Prof. Martin Kaltschmitt (Deutsches BiomasseForschungsZentrum Leipzig) Foto: © Kühne

Fortsetzung 2. VDI/UFZ Innovationsforum Umwelttechnik

Energetische Biomassenutzung – regionale Chance, globales Risiko?

 

Die Diskussionsrunde wurde von Andrea Nickol, VDI, eröffnet und von Dr. Andreas Zehnsdorf, UFZ, moderiert. Im Podium hatten sich Dr. Michael Grunert (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie), Dr. Carsten Herbes (NAWARO BioEnergie AG, Leipzig), Prof. Dr. Martin Kaltschmitt (Deutsches Biomasseforschungszentrum, Leipzig) und Nadine May von der Verbundinitiative Erneuerbare Energien Sachsen den Fragen gestellt.

 

Mit einer kurzen Einführung erläuterte Dr. Grunert den Stand der energetischen Biomassenutzung in Sachsen. Sie ist fester Bestandteil der erneuerbaren Energien geworden, das zeigen auch die Wachstumsraten im Anlagenbau von z.B. Biogasanlagen. In der Öffentlichkeit laut gewordene Befürchtungen der Verdrängung von Anbauflächen für die Lebensmittelversorgung durch Anbauflächen für technisch genutzte Pflanzen (vor allem Raps und Mais) wies er zurück und mahnte ausdrücklich eine sachliche Analyse und Diskussion an. Ca. 40% der verfügbaren Ackerflächen sind ohne weiteres für die Biomasseerzeugung für technische Anwendungen in Sachsen verfügbar. Allerdings sollte der Wirkungsgrad der stofflichen Nutzung der Pflanzen weiter verbessert werden, dort liegt noch ein großes Forschungspotenzial. Für die Regionen ergibt sich daraus vor allem der Vorteil der Erschließung noch nicht genutzter Potenziale. Voraussetzungen dafür sind die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bioenergie als Voraussetzung für den Marktzugang und die gesetzliche Gleichbehandlung im Anbau von Pflanzen für die Erzeugung von Lebensmitteln und für technisch genutzte Pflanzen.

 

Zum Stand der Technik in der Biogaserzeugung fasste Dr. Carsten Herbes zusammen, dass die derzeitig überwiegend kleinteilig betriebenen Einzel-Hof-Anlagen vor allem hinsichtlich Sicherheitstechnik, Bedienfreundlichkeit und Verbesserung des Automatisierungsgrades weiter entwickelt werden. Dies setzt jedoch ein besseres Verständnis der biochemischen Prozesse voraus. Das wurde auch von Prof. Dr. Martin Kaltschmitt unterstrichen.

 

Forschungsschwerpunkte sah Prof. Kaltschmitt entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Bioenergie: angefangen von höheren Hektarerträgen über ein besseres Verständnis der Aufschlussmöglichkeiten (Prozess-und Verfahrensoptimierung bei schwankenden Input) bis hin zur Effektivitätssteigerung in der Biogasnutzung. Die Anlagen zur Bioenergieerzeugung müssen ökologisch vertretbar und ökonomisch tragbar sein und dies vor allem bei einer weiteren Kostensenkung. Eine enge Zusammenarbeit des Biomasseforschungszentrums mit den sächsischen Unternehmen der Branche werden Fortschritte in der Entwicklung von Anlagenkomponenten bringen.

 

Nadine May wies darauf hin, dass auch das Wärmepotenzial der Anlagen bislang zu wenig genutzt wird. Eine Kopplung mit z.B. Heizungs-, Lagerungs-oder Trocknungsprozessen im landwirtschaftlichen Betrieb wäre sehr sinnvoll. Sie verwies auf das Vorhaben der SAENA, einen „Wärmeatlas“ zu erstellen, der regionale „Wärmequellen“ ausweisen wird.

 

Befragt nach der mittelfristigen Prognose der Biomassenutzung in Sachsen waren sich die Experten der Runde einig, dass eine solche Prognose schwierig ist. Der höchste Effekt in der energetischen Biomassenutzung wird derzeit in der Biogaserzeugung und Einleitung in das Erdgasnetz erreicht. Hier könnte eine weitere Stabilisierung erreicht werden, wenn Hektarerträge gesteigert, die Ausbeute biochemischer Reaktionen erhöht und Reststoffpotenziale besser genutzt werden könnten. Aber auch die Ausrichtung des Gesetzgebers auf eine nachhaltige Erzeugung und Nutzung der Bioenergie spielen eine erhebliche Rolle.

 

Die Veränderung der klimatischen Verhältnisse in Sachsen – hier vor allem die prognostizierten Trockengebiete im Nordosten Sachsens -werden zu einer Umstellung der angebauten Sorten führen, was auch wiederum Konsequenzen auf die Biomassebereitstellung haben wird. Insgesamt wird die Biomassenutzung aufgrund ihrer Vorteile weiter wachsen, vor allem wenn es gelingt, die energetische mit einer stofflichen Nutzung zu kombinieren und der Markteinführung solcher Produkte (z.B. Schmierstoffe, Dämmstoffe u.v.m.) zum Durchbruch zu verhelfen. An dieser Stelle ist unser aller Nachfrage-und Kaufverhalten entscheidend.

 

Das 2. Innovationsforum bot einen übersichtlichen Einblick in die zahlreichen Facetten der energetischen Biomassenutzung und wurde mit einer guten fachlichen Balance zwischen Wissenschaft und Allgemeinverständlichkeit durchgeführt, dafür danken die Veranstalter UFZ und VDI den Teilnehmern im Podium.

 

Im März kommenden Jahres wird sich das 3. VDI/UFZ Innovationsforum Umwelttechnik den Anwendungspotenzialen der Nanotechnologie widmen.

 
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