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Bezirksverein Leipzig

2. Sächsischen Ingenieurtag in Dresden

Foto: ©VDI
Dipl.-Ing. Daniel Minnich (EVOSTEEL GmbH Leipzig) während seines Vortrages
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Prof. Dr.-Ing. habil. Karl-Friedrich Fischer, Vorsitzender des VDI Landesverbandes Sachsen
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VDI Mitglieder während des 2. Sächsischen Ingenieurtages in Dresden
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Leipziger VDI Mitglieder vor dem Congress Center Dresden; Fotos: ©VDI

Fortsetzung des Berichts vom 2. Sächsischen Ingenieurtag

 

Zum einem wurde von allen Redebeiträgen einschließlich der Teilnehmer der Podiumsdiskussion klargestellt, dass sächsische Ingenieure ihre Verantwortung für eine nachhaltige, die Ressourcen schonende Weiterentwicklung der Technik und damit des Lebensstandards wahrnehmen und bewusst gestalten. Der Ingenieur von heute arbeitet eben nicht mehr als einsamer Tüftler, sondern stellt sich den Anforderungen einer globalisierten und komplexen Arbeitswelt. Diese umfasst neben den wissenschaftlichen, praktischen und interkulturellen Aspekten auch das Bewusstsein für die Begrenztheit materieller und energetischer Ressourcen sowie die Erfordernisse einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Zwangsläufig ist damit ein enger Kontakt zu Teamkollegen und ein permanenter interdisziplinärer Austausch verbunden. 

 

In seinem Grußwort machte der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Michael Sagurna, diese hohen Ansprüche an den heutigen Ingenieurberuf deutlich und nannte vor allem Kreativität, Fremdsprachenkenntnisse, Teamgeist und soziale Kompetenz.  Die Ingenieure stellen nur 5 % der Bevölkerung in Sachsen, erwirtschaften jedoch 40% der Wertschöpfung im Freistaat. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung – bis 2010 werden in Sachsen 21 000 Ingenieure gebraucht – unterstützt die sächsische Staatsregierung alle Bemühungen „im Kampf um die besten Köpfe“. Um einer Stagnation in Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft entgegen zu treten, setzt die sächsische Staatsregierung 160 Mio. € bis zum Jahr 2013 ein. Damit sollen Wirtschaft und Bildung enger zu vernetzt und die guten beruflichen Perspektiven in der Region dargestellt werden. Dies allein sei aber nicht ausreichend. Der Minister mahnte zugleich, dass auch seitens der Wirtschaft gute Fachkräfte mit entsprechenden Gehaltsangeboten in Sachsen gehalten werden müssen und dass eine frühe Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik in der Schule vor allem auch Mädchen erreichen muss.

 

Einen Paradigmenwechsel von maximalem Gewinn aus minimalem Aufwand hin zu maximaler Wertschöpfung aus minimalen Ressourcen forderte der Direktor des Fraunhofer Institutes für Werkstoff- und  Umformtechnik Chemnitz/Dresden, Prof. Dr. Reimund Neugebauer in seinem Vortrag „Energieeffizienz in der Produktion“. Nicht nur die Entwicklung neuer Technologien, auch die Effizienzsteigerung in „alten“ Technologien erfordert verstärkten Forschungsbedarf. Dabei geht es nicht allein um den sparsamen Umgang mit Energie und Rohstoffen. Vielmehr ist es die „erkenntnisgetriebene Innovation“, die einen nachhaltigen Markterfolg sichert. Bislang haben Energiekosten bei Entscheidungsträgern für Investitionen kaum eine Rolle gespielt. Als Beispiel führte Professor Neugebauer die Tatsache an, dass nur ein Viertel des Energiebedarfes in Werkzeugmaschinen für die Wertschöpfung benötigt wird,  drei Viertel entfallen u.a. auf den Stand-by-Betrieb. Auch in thermischen und chemischen Fertigungsprozessen liegen erhebliche Einsparpotenziale. Neugebauer forderte die Schaffung geschlossener materieller und energetischer Kreisläufe sowie eine Bilanzierung über die gesamte Prozesskette der Produktion.

 

Mit dem Thema „Produkt und Prozessentwicklung im modernen Automobilbau - Ingenieurkunst ist die Basis der Innovation“ stellte Dr. Frank Löschmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH, das große Entwicklungs- und Forschungspotenzial im Wirtschaftsdreieck Chemnitz/Zwickau – Dresden – Leipzig dar. Durch die Schaffung eines leistungsfähigen Netzwerkes aus Wirtschaft, Politik und Wirtschaft in der Region sollten gemeinsame Zukunftschancen generiert werden.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Gründung des „Automobil-Regionalcluster Südwest Sachsen“.  Neben der Optimierung und Verbesserung der Durchlässigkeit  der Prozessketten sieht Dr. Löschmann die zukünftige Entwicklung im Automobilbau in einer verstärkten Anwendung der Elektronik und der Steuerungssysteme. 90 % aller Innovationen im Fahrzeug werden durch Elektronik und Software entstehen. Eine solide Ingenieurausbildung ist für die Bewältigung dieser Herausforderungen zwingend erforderlich, denn den Know-How-orientierten Arbeitsplätzen wird die Zukunft gehören, unterstrich Dr. Löschmann.

 

Helmut Warnecke, Geschäftsführer Infineon Technologies Dresden, stellte die „Zukunft Logik bei Infineon Technologies Dresden - Kompetenz- und Innovationszentrum für Automotive- und Chipkartenanwendungen“ vor. Seit 13 Jahren produziert Infineon am Standort Dresden, anfangs als ausschließlicher Produktionsstandort für Speicherchips. Vor 2 Jahren erfolgte die Auslagerung der Speicherchipproduktion auf die Tochter Qimonda. 

1998 wurde bei Infineon die erste Produktionslinie für Logikchips in Betrieb genommen und seit März diesen Jahres produziert Infineon ausschließlich Logikchips. Diese Umstellung, die unter den Anspruch „more than Moore´s Law“ stellt wurde, hat mit dem Einsatz neuer Materialen wie Aluminium und  Kupfer neue Produkte generiert. Heute bietet Infineon Halbleiterlösungen für Automobilanwendungen (Motorsteuerung, Sicherheitsmanagement, Komfortanwendungen, Infotainment), Sicherheitsanwendungen (Identifikation: elektronischer Reisepass, Personalausweis, Gesundheitskarte; Unterhaltung: PayTV, Videospiele, Video/Audio; Zahlungsmittel: Kredit-/Geldkarte, öffentlicher Transport sowie SIM-Karten und Prepaid-Karten) und Kommunikationsanwendungen (Basisband-Chips und RF-Chips  für Mobiltelefone, DSL & Voice over IP). Dabei hat die absolute Zuverlässigkeit und Qualität der Produkte höchste Priorität. Infineon entwickelte dazu das Infineon Automotive Excellence Programm, das Zero Defect Programm und arbeitet an einer kontinuierlichen Verbesserung in allen Bereichen. „Infineon Dresden ist und bleibt eine bedeutende Säule im Silicon Saxony!“, so das Credo des Geschäftsführers Helmut Warnecke.

 

Die Mikrotechnologien erfordern im besonderen Maße das Zusammenwirken unterschiedlicher naturwissenschaftlicher und ingenieurtechnischer Bereiche, unterstrich Prof. Dr. Thomas Geßner, TU Chemnitz, Leiter des Zentrums für Mikrotechnologien, in seinem Vortrag „Smart System Campus – eine Herausforderung für die Zukunft“. Insbesondere auf den Gebieten der Sensorik, der Medizintechnik, im Monitoring und in der Navigation können die Mikrotechnologien mit erheblichen Innovationspotentialen aufwarten. Um diese Potenziale zukünftig noch besser in die Praxis umsetzen zu können, wurde auf dem Campus der TU Chemnitz in unmittelbarer Nachbarschaft z.B. zu Fraunhofer Instituten ein neues Mikrotechnologiezentrum geschaffen, das Synergien besser nutzen und Netzwerkbildung unterstützen soll. Mit geplanten Firmenansiedlungen auch auf diesem Gebiet können dann innovative Ideen auf  kurzem Weg einer Realisierung zugeführt werden.

 

Mit einem völlig neuem Konzept für die Stahlgussherstellung überraschte Herr Daniel Minnich, EVOSTEEL GmbH, Leipzig, in seinem Vortrag „Leicht, sicher, intelligent – Dünnwandiger Stahlguss für Anwendungen im Fahrzeugbau“. Die Herstellungsgrenze von dünnwandigem Stahlguss lag bislang bei 6mm. Unter der Bezeichnung „3CAST Stahlguss“ gelingt es nunmehr, die Wandstärken auf 1,5 mm im Gussverfahren zu senken.  Dieses Stahlgussverfahren arbeitet nach der Niederdrucktechnologie im Gegenschwerkraftguss. Der  geschlossene Gießprozess findet unter Schutzgas statt, Gieß- und Füllparameter können exakt gesteuert werden. In diesem voll automatisierten Prozess kann eine maximierte Material- und Energieökonomie realisiert werden. Mit diesem innovativen Verfahren eröffnen sich neue Perspektiven für hochdynamisch beanspruchte Bauteile und Bauteile mit hohen Leistungsdichten. Aufwändige Schweißkonstruktionen können damit substituiert werden.

 

Die im Anschluss an die Fachbeiträge platzierte Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Wiedemann und Prof. Dr. Christian-Andreas Schumann ging der Frage nach, ob Innovationen in der Umwelttechnik profitabel und akzeptabel sein können. Prof. Dr. Rainer Hampel (Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz ; Kerntechnische Gesellschaft Sachsen), Erik Höhne (Geschäftsführer der enviaTHERM Leipzig), Prof. Dr. Michael Kinze (ehemaliger Präsident des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie), Dr. Klaus Müschen (Umweltbundesamt), Dr. Randolf Schließer (VDI/VDE-IT Technologiezentrum Berlin) und Dr. Axel Zweck (VDI Technologiezentrum Düsseldorf) waren sich im Grundsatz einig, dass ein Energiemix mit einem hohem Anteil regenerativ gewonnener Energieformen die Energieversorgung der Zukunft sichern muss. Dabei stellen die Innovationen in neue Wirkprinzipien nur eine Seite dar. Ein neues Bewusstsein für die Ressource Energie ist bei der Produktentwicklung und der Prozessoptimierung in der Industrie ebenso erforderlich wie im privaten Bereich, um Energie effizienter als bisher einzusetzen und der Einsparung von Material und Energie einen höheren Stellenwert beizumessen. In der Diskussion wurde eine Vielzahl von noch nicht gelösten Problemfeldern angerissen, so z.B. wie Bilanzgrenzen  richtig gezogen werden, wie Kostenanteile exakt bestimmt werden oder wie Innovationen großflächig zur Anwendung kommen können. Ingenieuren kommt auf dem Gebiet der rationellen material- und Energieanwendung eine Schlüsselrolle zu, der sie sich stellen werden.

 

Der 2. Sächsische Ingenieurtag bot neben einer Fülle an Fachinformationen, Sichtweisen und interessanten persönlichen Gesprächen auch die Gelegenheit, verdienstvolle ehrenamtlich tätige Mitglieder zu ehren. So erhielten Prof. Dr. Christian-Andreas Schumann und Dr. Manfred Bergmann die Ehrenmedaille des VDI für ihr Engagement in den Bezirksvereinen Chemnitz und Dresden, den Aufbau der Landesvertretung sowie für ihre intensive fachliche Arbeit.

 

Der 3. Sächsische Ingenieurtag wird im Jahr 2010 in Leipzig stattfinden und der VDI lädt bereits heute alle Interessenten dazu herzlich ein.

 
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