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Impressionen von der Veranstaltung am 17. März in Berlin

 
Präsident des VDI: Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer und Direktor des VDI: Dipl. Wirtsch.-Ing. Ralph Appel: (Bild: VDI)
v.l.n.r Funk, Wiarda, Prof. Dr.-Ing. Kottkamp, Dr. Mihatsch, Schob, Greisler, Prof. Dr.-Ing. Ungeheuer, Appel, Rauen, Dr. Streiter: (Bild: VDI)
 
 
 

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., der VDMA Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau sowie die Stiftung Mercator haben am 17. März in Berlin die Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“ vorgestellt.

 

Grundlage für die Diskussion ist eine von VDI, VDMA und Stiftung Mercator durchgeführte Studie, in deren Mittelpunkt die für Deutschland erste Stakeholder Befragung unter Studierenden, Absolventen, Hochschullehrenden und Führungskräften aus der Wirtschaft zur Umsetzung der Bologna-Reformen im Bereich der Ingenieurwissenschaften stand. Die Ergebnisse der Studie, die von Herrn Lars Funk, Bereichsleiter Beruf und Gesellschaft im VDI e.V., vorgestellt wurden und die Konsequenzen für die politischen Rahmenbedingungen für die Ingenieurausbildung, wurden im vollbesetzten Saal mit Experten und Entscheidern aus Politik, Ministerien, Hochschulen und Wirtschaft diskutiert.

 

Zukunftsfähige Ingenieurausbildung
Es lässt sich feststellen: Deutschland besitzt nach wie vor eine zukunftsfähige Ingenieurausbildung. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Masterabschlüsse seitens der Arbeitgeber vollständig anerkannt sind. Fach- und Führungskräfte nehmen bei den Kompetenzen von Masterabsolventen im Verhältnis zu den ehemaligen Universitäts- oder Fachhochschuldiplomen keinerlei Unterschiede wahr. Deutschland war außerdem für ausländische Studierende noch nie so attraktiv wie heute. Den größten Anteil daran haben die Ingenieurwissenschaften. Das zeigt, dass die deutsche Ingenieurausbildung weltweit nach wie vor einen exzellenten Ruf genießt. Darin waren sich alle Redner und Diskutanten einig.

Um die hohe Qualität des Ingenieurstudiums auch für die Zukunft zu sichern, müssen jedoch Herausforderungen gemeistert werden, die in den einführenden Reden benannt und beim anschließenden Panel diskutiert wurden:

 

Spezialisierte vs. breit ausgerichtete Studiengänge
Die Hochschulen setzen auf immer spezialisiertere Ingenieurstudiengänge im Bachelorstudium, während die Industrie eine breite Grundausbildung ihrer Berufseinsteiger bevorzugt. Im Zeitraum vom Wintersemester 2007/2008 zum Wintersemester 2014/2015 ist die Anzahl ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge in Deutschland von 2223 auf insgesamt 3295 gestiegen. Das ist ein Anstieg von 48 % innerhalb von 7 Jahren. Hinter diesem Trend steckt das Bestreben  der Hochschulen, sich mit spezialisierten und „trendigen“ Studiengängen zu profilieren und damit mehr Studenten für sich zu gewinnen. Den Anforderungen der Industrie wird diese Entwicklung nicht gerecht: Die Führungskräfte in den Unternehmen bevorzugen breit angelegte Bachelor- und Masterstudiengänge. Ferner führen diese Entwicklung dazu, dass 25% der Ingenieurstudierenden nicht wissen, ob sie nach erfolgreichem Studium die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ führen dürfen.

 

Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Präsident des VDI e.V., forderte in seiner Rede: „Wir haben allen Grund, die deutsche Ingenieurskultur und „German Engineering“ zu pflegen und weiter zu stärken. Das fängt damit an, dass überhaupt einmal wieder klar und transparent wird, welcher Studiengang eigentlich überhaupt ein ingenieurwissenschaftlicher ist. Der VDI spricht sich dafür aus, für alle ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge den Grad Bachelor of Engineering sowie Master of Engineering, oder Master of Science in Engineering einzuführen.“

 

Unzureichende Berufsqualifizierung und Praxisorientierung von Bachelorabsolventen der Universitäten
Die Berufsqualifizierung und Praxisorientierung der Bachelorabsolventen, vor allem der Universitätsabsolventen, wird von den Absolventen und Studierenden selbst sowie von den Führungskräften häufig als nicht ausreichend empfunden. Die praktische Relevanz des gelernten Wissens und seine Umsetzung in konkrete berufsqualifizierende Kompetenzen sind für das Ingenieurstudium fundamental, auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft hängt davon ab. Die Integration von Praxissemestern und –modulen ist in der Regel in Fachhochschulstudiengängen stärker als bei der Universitätsausbildung. An den Universitäten werden insbesondere Bachelorabsolventen häufig nicht ausreichend auf eine Industrielaufbahn vorbereitet.

 

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, plädierte dafür „die Praxisorientierung weiter auszubauen“.

 

Auslandserfahrung
Sowohl die befragten Studierenden als auch die befragten Führungskräfte messen der Auslandserfahrung im Zusammenhang mit dem Ingenieurstudium eine geringe Bedeutung bei. Und das obwohl Ingenieure aller Voraussicht nach in Zukunft häufiger in internationalen Teams arbeiten oder Stationen im Ausland verbringen werden. Häufigster Hinderungsgrund für einen Auslandsaufenthalt sind die „erwartete Verlängerung des Studiums“ und die „erwartete finanzielle Mehrbelastung“ sowie ein „hoher Zeitaufwand“ und die „Trennung von Familie/Freunden“.

 

Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Präsident des VDI e.V., dazu: „Die Ergebnisse zeigen meines Erachtens, dass der Wert von Auslandserfahrung stark unterschätzt wird. Wachstum und Wohlstand in Deutschland hängen entscheidend davon ab, dass sich unsere Unternehmen weiter globalisieren. Und mit ihnen gemeinsam müssen dies auch die Ingenieurinnen und Ingenieure tun.

 

Internationale Anerkennung

Der Washington Accord ist ein internationales Abkommen. Es regelt seit 1989 die staatliche Anerkennung ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge. Seine 17 Mitgliedsländer - darunter die USA, China, Großbritannien und Japan - erkennen die Gleichwertigkeit der deutschen Bachelor Studiengänge mit ihren eigenen nicht an.

 

Prof. Dr.-Ing Udo Ungeheuer fordert: „Es kann nicht sein, dass wir uns einfach damit abfinden. Ein Ziel der Bologna-Reform war es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Studiengänge sicherzustellen. Das müssen wir auch außerhalb Kontinentaleuropas erreichen.“

 

In der abschließenden Diskussion wurden Lösungsansätze für die benannten Handlungsfelder diskutiert. Am hochkarätig und fachlich erstklassig besetzten Podium unter der Leitung von Herrn Jan-Martin Wiarda nahmen teil:

  • Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz
  • Prof. Dr.-Ing. Eckart Kottkamp, Sprecher der VDMA-Ingenieurinitiative
  • Ministerialdirigent Peter Greisler, Leiter Unterabteilung Hochschulen, BMBF
  • Ministerialdirigent Dr. Mihatsch, Vorsitzender des Hochschulausschusses der KMK
  • Daniela Schob, Vorsitzende der Studenten und Jungingenieure VDI e.V.
  • Dipl. Wirtsch.-Ing. Ralph Appel, Direktor des VDI e.V.

Laden Sie sich hier die Studie herunter.