Im Rahmen von "Arbeit in der Digitalen Transformation" werden digitale Geschäftsmodelle für Ingenieure immer wichtiger. Doch was ist eigentlich ein digitales Geschäftsmodell und wie gut sind deutsche Ingenieure auf dem Gebiet? Unser Bereichsleiter von Technik und Wissenschaft Dieter Westerkamp hat die Antwort.

Wir Ingenieure müssen stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken

Güter und Dienstleistungen „Made in Germany“ gelten weltweit als Garant für Qualität, Zuverlässigkeit und Präzision. Das deutsche Gütesiegel ist laut aktuellem „Made-in-Country-Index“ noch immer das beliebteste von insgesamt 52 Herkunftsbezeichnungen. Die hohe Reputation und die wirtschaftliche Stärke des Technologie- und Innovationsstandorts Deutschland basieren im Wesentlichen auf "German Engineering" und der Fähigkeit zur Entwicklung anspruchsvoller Produkte. Die Digitalisierung allerdings beeinflusst nicht nur Produkte und Wertschöpfungsprozesse, sondern auch Geschäftsmodelle. Physische Güter werden zu Trägern kundenindividueller Smart Services, die dem Produkt angeschlossene digitalbasierte Dienstleistung wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Neue digitale Geschäftsmodelle stellen damit das bislang erfolgreiche Produktgeschäft der deutschen Industrie grundsätzlich in Frage.


Um mit der Dynamik der Digitalen Transformation Schritt halten zu können und um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, müssen Unternehmen folglich ihr rein produktbezogenes Angebot um internetbasierte Geschäftsmodelle erweitern. Ingenieure müssen stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken. Damit stehen auch die Ausbildung und das Berufsbild des Ingenieurs vor einem wesentlichen Weiterentwicklungsprozess, um Ingenieure fit zu machen für die digitale Zukunft. Ingenieure müssen ihr Profil eines ausschließlich technischen Experten um interdisziplinäre Kenntnisse und fachfremde "skills" erweitern – Business-Know-How, Innovationsmethodik, Marketing, Kreativitätstechniken und Betriebswirtschaftslehre sind nur einige der Kenntnisse, deren Erwerb hilfreich ist zur digitalen Geschäftsmodellentwicklung. Die Hochschulen sind aufgefordert, derartige Methodenkenntnisse zum festen Bestandteil des ingenieurwissenschaftlichen Curriculums zu machen.


Der Schlüssel für die neuen Geschäftsmodelle heißt neben Anpassungen in der Aus- und Weiterbildung vor allem auch Geschwindigkeit. Das Tempo entscheidet über den Erfolg am Markt. Dies bedingt auch einen Kultur- und Mentalitätswandel: An die Stelle eines abwartenden Verhaltens muss eine Kultur des Ausprobierens – letztlich auch der Mut zum Scheitern – treten. Hier können deutsche Unternehmen einiges von der "trial and error"-Mentalität der experimentierfreudigen Start-up-Szene mit ihrer erhöhten Fehlertoleranz lernen.

 

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VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer sprach auf dem Deutschen Ingenieurtag 2017 über die Vorbereitung Deutschlands und seiner Ingenieure auf den digitalen Wandel. Wie gut ist das Ingenieurland Deutschland auf die Digitale Transformation vorbereitet? Die Digitale Transformation bringt völlig neue Produkte und innovative Geschäftsmodelle. Internetbasierte Dienstleistungen werden zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Das ist eine Herausforderung für die Unternehmen und für die Ingenieure.