19.04.2016
Workshop der VDI-Verkehrssicherheitsexperten
 

Trendwende bei Unfallopfern braucht Vielzahl an Maßnahmen

Professor Strick, Präsident der BASt (Bild: VDI / Kerkhoff)

Professor Strick, Präsident der BASt (Bild: VDI / Kerkhoff)

In einem gemeinsamen Workshop haben Verkehrssicherheitsexperten des VDI und der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) am 29. März 2016 nach Ansätzen gesucht, den beunruhigenden Trend zu mehr Unfallopfern auf den Straßen, welcher sich in den letzten Jahren zeigt, wieder umzukehren. Nachdem die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr jahrzehntelang beinahe ununterbrochen sank, stieg sie im letzten Jahr zum dritten Mal seit 2010 gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Im Januar 2016 lag die Zahl der Todesopfer erneut über dem Vorjahreszeitraum, wie Prof. Strick, Präsident der BASt, in seiner Begrüßung zu dem Workshop bekannt gab.

 

Dabei ist es kein Trost, dass Deutschland mit dieser Tendenz nicht allein dasteht, sondern weltweit ähnliche Entwicklungen zu beobachten sind. Sowohl das Weißbuch Verkehr der EU, als auch die daraus abgeleiteten Ziele der Bundesregierung haben für das Jahrzehnt von 2010 bis 2020 das Ziel einer drastischen weiteren Reduzierung der Verkehrsopferzahlen vorgegeben. EU-weit sollen sie sich in dieser Zeit halbieren, in Deutschland werden immerhin 40 % Reduktion anvisiert – aber zur Halbzeit ist die Entwicklung deutlich hinter diesem Ziel zurück.


Die Experten des VDI, die in ihrer Berliner Erklärung zur Fahrzeugsicherheit im November 2011 ihre Unterstützung für die Umsetzung der politischen Pläne erklärten, schlagen bereits seit zwei Jahren immer lauter Alarm. Auf der letztjährigen VDI-Tagung „Fahrzeugsicherheit“ vereinbarten Professor Schöneburg, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug und Verkehrstechnik (FVT), und BASt-Präsident Strick, einen Workshop, der am 29. März 2016 bei der BASt in Bergisch-Gladbach mit reger Expertenbeteiligung stattfand. Mögliche Maßnahmen im Infrastrukturbereich stehen sollten dabei im Mittelpunkt stehen.
Vier Schwerpunktthemen wurden anhand der Unfallstatistik identifiziert: Pkw-Unfälle auf Landstraßen, Motorradunfälle ebenfalls auf Landstraßen, Unfälle von Fußgängern und Radfahrern innerorts und Unfälle mit Nutzfahrzeug-Beteiligung. Die Ergebnisse des Workshops werden derzeit ausgewertet und sollen dann auf den Internetseiten der VDI-FVT präsentiert werden.


Drei Erkenntnisse sind bereits jetzt allen Beteiligten klar:

  • Es gibt keine ‚großen‘ Effekte mehr zu realisieren wie zum Beispiel bei der Einführung der Gurtpflicht, sondern viele Einzelmaßnahmen müssen getroffen werden, um größere Wirkung zu erzielen.
  • Manche dieser Maßnahmen werden mehr Zeit brauchen, bevor sie sich in der Praxis auswirken können.
  • Vielen Experten ist die Reduzierung des Leids, das Verkehrsunfälle immer noch anrichten, ein persönlich sehr wichtiges Anliegen – das belegte das Engagement und die hohe Motivation, die bei allen Teilnehmern an den Diskussionen spürbar war.

Ihr Ansprechpartner im VDI:
Dipl.-Ing. Thomas Albrecht
Telefon: +49 211 6214 619
Telefax: +49 211 - 6214 97634
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