Wir verbinden Kompetenz
Verein Deutscher Ingenieure
 
Verein Deutscher Ingenieure > Technik > Fachthemen > Technologies of Life Sciences > Fachbereiche > Medizintechnik
Folgen:  FacebookTwitterGoogleXingLinkedInYoutube

VDI-Fachgebiet Medizintechnik

06.09.2012
VDI ist Partner im Projekt DyWaMed
 

Industrietag zur Wandlungsfähigkeit

DyWaMed: Broschüre und Online-Benchmarking-Tool

DyWaMed: Broschüre und Online-Benchmarking-Tool

Offener Erfahrungsaustausch zeigt großen Bedarf für Standardisierung: Rund zwanzig Vertreter der vom BMBF geförderten Forschungsprojekte DyWaMed, POWer.net und Vertumnus sowie des VDI folgten am 4. Juli der Einladung zum Industrietag an das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI nach Karlsruhe. Gegenstand des Industrietags war ein offener, praxisorientierter Erfahrungsaustausch zwischen den Industrieunternehmen der drei Projekte zum Thema „Planung und strategische Steuerung der Wandlungsfähigkeit industrieller Unternehmens- und Wertschöpfungsnetzwerke.

 

Neben kurzen Impulsvorträgen, die einen Einblick in den Umsetzungsstand, aktuelle Projekt-Lösungen sowie Herausforderungen gaben, wurden insbesondere folgende Fokusthemen in moderierten Diskussionsrunden erörtert:


1. Wandlungstreiber: Zunächst ist die bloße Kenntnis der Wandlungstreiber, also der Faktoren im Unternehmensumfeld, die den Wandel auslösen, bzw. das Verständnis über die dahinter liegenden Ursache-Wirkungszusammenhänge von ganz elementarer Bedeutung für das strategische Management der Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens. Im Vordergrund der Diskussionen standen vor allem die Vorgehensweisen zur Identifikation und Bewertung konkreter Wandlungstreiber als Planungs- und Gestaltungsgestände des strategischen Managements, aber auch praktische, eher operative Fragestellung wie die Dokumentation und Kommunikation eben dieser. Bei diesen komplexen Prozess scheint die konsequente Integration der Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Unternehmensbereichen und –hierarchieebenen nicht nur einen gangbaren sondern auch Erfolg versprechenden Weg darzustellen, wie es Herr Listander von dem Medizintechnik-Unternehmen Aesulap AG zu berichten weiß: „Um ein möglichst vollständiges Bild der für Aesculap relevanten Wandlungsbefähiger zu erhalten, haben wir unsere Produktionsmitarbeiter in einer internen online Umfrage befragt – und zwar über die verschiedenen Hierarchieebenen hinweg. Dabei waren wir nicht nur von den Ergebnissen als solche beeindruckt, sondern insbesondere auch von dem großen Interesse und der hohen Beteiligung seitens unserer Mitarbeiter. So entstand ein sehr umfassendes und erkenntnisreiches Bild der Faktoren, die für unsere heutige und zukünftige Wandlungsfähigkeit von besonderer Bedeutung sind.“ Neben diesem Aspekt wurden auch die Dokumentation und das Datenmanagement als Erfolgsfaktor identifiziert. „Die ausführliche Dokumentation dieser eher als ‚weich‘ empfundenen Faktoren ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wir haben hierfür eigens eine Systematik entwickelt, die es uns ermöglicht, jederzeit die Bewertung und Begründung für die Auswahl dieser Faktoren nachzuvollziehen. Auf diese Weise kann die zugrunde liegende Argumentationskette auch Monate später schnell und unkompliziert nachvollzogen werden“, wie Dr. Paral von era-contact GmbH betont.


2. Frühindikatoren: In diesem Zusammenhang ist die systematische Identifikation und Nutzung geeigneter Indikatoren, die möglichst frühzeitig eine Veränderung der Wandlungstreiber anzeigen, sowohl ein wichtiger Baustein als auch und eine besondere, praktische Herausforderung für das strategische Management der Wandlungsfähigkeit. Zur Bewältigung dieser Aufgabe wurden verschiedene Konzepte diskutiert. Grundsätzlich zielen diese Methoden auf die Reduzierung der in der Regel großen Anzahl an Frühindikatoren auf die für jedes Unternehmen entscheidungsrelevante Menge ab. Hierbei wurde der Versuch einen möglichst vollständigen Indikatorensatz zu entwickeln als wenig praxistauglich bewertet, da ein solcher zu umfangreich für die Einbindung in entsprechende Reportings und Entscheidungsprozesse zum Management der Wandlungsfähigkeit ist. Vielmehr wurde die Meinung vertreten, dass eine reduzierte Auswahl klarer, gut beobachtbarer und damit im Rahmen der praktischen Managementprozesse auch tatsächlich handhabbarer Indikatoren zu bevorzugen ist. Allerdings wurde von verschiedenen Anwendern in diesem Zusammenhang auch von anfänglichen Akzeptanzproblemen bei den Entscheidungsträgern berichtet.


3. Strategische Steuerung: Einen großen Diskussionspunkt stellte die strategische Steuerung der Wandlungsfähigkeit dar. Dabei zeigte die Praxis der Industrievertreter große Unterschiede: Von zentral organisierten Lösungen bis hin zu Insellösungen auf Bereichsebene wurden verschiedene Konzepte zur Steuerung vorgestellt und diskutiert. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung herrschte jedoch Einigkeit darüber, dass eine strategische Steuerung zunächst einer Klärung der strategischen Ziele der Wandlungsfähigkeit bedarf. Für die Formulierung von Zielen ist es jedoch zunächst notwendig, Wandlungsfähigkeit messbar zu machen. Ein einheitliches Vorgehen oder eine Best Practice existiert hierzu jedoch momentan nicht. Vor diesem Hintergrund wurden die durch Frau Dr. Woppowa als Geschäftsführerin der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences vorgestellten Aktivitäten des VDIs zur Lösung dieser Problematik ausdrücklich durch die anwesenden Industrievertreter begrüßt. Es ist in diesem Zusammenhang konkret geplant, eine VDI-Richtlinie zur „Beschreibung und Messung der Wandlungsfähigkeit“ auf den Weg zu bringen – ein Richtlinien-Ausschuss wird sich noch im Laufe des Oktobers zu einer konstituierenden Sitzung zusammenfinden. „Wir halten die Initiative zur Erarbeitung einer derartigen Richtlinie für absolut notwendig – nicht nur, weil erst durch eine Vereinheitlichung darüber, was Wandlungsfähigkeit eigentlich ist, eine Voraussetzung für jegliche strategische Planungs- und Steuerungsaktivität in diesem Zusammenhang geschaffen wird, sondern weil dies auch die unternehmensübergreifende Koordination wandlungsfähiger Wertschöpfungsketten erleichtern würde“, wie Oliver Kleine vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung dazu abschließend feststellte.


Zusammenfassend wurde der Industrietag von den Teilnehmern durchweg als erfolgreich bewertet. Neben dem intensiven Austausch von Erkenntnissen und Knüpfen von Kontakten wurde der Bedarf der Industrie für Richtlinien zum Umgang mit Wandlungsfähigkeit deutlich.

 

Quelle: Fraunhofer ISI / Oliver Kleine, Raphael Moser, Ben Meyer-Schwickerath

 

------------------------------------

 

 

Der VDI ist Partner im Projekt DyWaMed. Über sein Netzwerk wird er zum Transfer der Ergebnisse in die Praxis beitragen. Zur Beschreibung der Wandlungsfähigkeit von Unternehmen der Medizintechnik ist ein interdisziplinäres Richtlinienprojekt  geplant.

 

Die Broschüre "Wandlungsfähigkeit messen und benchmarken" kann kostenfrei heruntergeladen werden (s.u. "relevante Links) und das kostenpflichtige Online-Benchmarking-Tool kann unter DyWaMed bestellt werden (s.u. "relevante Links").

 

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Fraunhofer ISI

Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
 

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Perspektiven für Entscheidungen
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
www.isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Es erforscht die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. 

 

 

 

 

 

 

Zugehörige Dateien
Broschuere_Wandlungsfaehigkeit.pdf1,07 Mi
 

Archivsuche

Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein.