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Das Segelschiff „PEKING“ und seine Geschichte

In einer öffentlichen Veranstaltung des VDI Arbeitskreis „Meer, Küste, Hafen“ am 5.11.19  im Bürgerhaus Bornheide in Hamburg-Osdorf wurde mit einem Film und Vortrag über die Geschichte und den Stand der Restaurierung der Viermastbark „PEKING“ berichtet. Unter den ca. 80 Zuhörern befanden sich auch die
VDI-Mitglieder, die an der Schiffsbesichtigung in der Peters Werft am 8.11.19 in Wewelsfleth teilnehmen durften.

Auf Einladung des VDI zeigte Mathias Kahl, der Vorsitzende der Freunde der Viermastbark PEKING e.V., den Film „Rund Kap Hoorn“ über eine Seereise der PEKING nach Chile und berichtete über die Geschichte des Schiffes, das Leben und die Tätigkeiten an Bord und den derzeitigen Zustand der Restaurierung.

Die „PEKING“ gehört zu den berühmten Flying P-Liner, die alle ab Mitte des 19. Jhdt. bis Anfang des 20. Jhdt. zur Hamburger Reederei F. Laeisz gehörten. Die PRIWALL, PAMIR, PASSAT und PADUA u. a. sind alle Schwesterschiffe und wurden häufig für den Salpetertransport von Chile rund um Kap Hoorn nach Europa eingesetzt. Aber nur die PEKING und PASSAT sind baugleich.

1911 lief die PEKING, gebaut von Blohm & Voss in Hamburg, vom Stapel. Die Viermastbark war bis 1932 als Frachtsegler zugelassen mit folgenden technischen Daten: Vermessung: 3.100 BRT, Länge: 115 Meter, Breite: 14,40 Meter, Tiefgang: max. 7,24 Meter, Masthöhe: 51 Meter (über Deck), Segelfläche: 4.100 qm, keine Maschinenanlage, Höchstgeschwindigkeit: 17 Knoten (ca. 32,5 km/h), Besatzung: 31 Mann.
Die Zuladung betrug ca. 5.517 tons.

Zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde das Segelschiff in Chile auf Reede gelegt und konnte erst 6 Jahre spä-ter wieder nach Europa zurück segeln. Da Italien als Reparationsempfänger keine Verwendung für das Schiff hatte, konnte die Reederei F. Laeisz es 1923  für 8500 Pfund Sterling zurück kaufen und wieder nach Chile einsetzen.

1927 wurde bei Blohm & Voss im Dock das Poopdeck um 10 Meter verlängert, bot damit jetzt Platz für 31 Mann und 43 Seeoffiziersanwärter und konnte als Segelschulschiff eingesetzt werden. Nach einer beweg-ten Geschichte zwischen 1932, u.a. mit einer Namensänderung in ARETHUSA, wurde sie 1939 eingezogen und tat bis 1974 als Schulschiff ihren Dienst.

1974 kaufte das South Seaport Museum in New York die ARETHUSA, strich sie in Orginalfarben der Ree-derei F. Laeisz, stellte die Takelage wieder her und gab ihr den ursprünglichen Namen PEKING zurück. Der Zustand des Schiffes wurde über die Jahrzehnte immer schlechter, da notwendige Wartungsarbeiten unter-blieben.

2002 begannen die Verhandlungen des Vereins der Freunde der Viermastbark PEKING mit dem South Seaport Museum über die Rückführung der PEKING in ihren Heimathafen Hamburg. Im Frühjahr 2015 je-doch wurde die Räumung des Liegeplatzes in New York für Ende Juni angekündigt, was das endgültige Aus für die PEKING auf einer Abwrackwerft bedeutet hätte.

Dankenswerterweise beschloss der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, Mittel für ein neues großes deutsches Hafenmuseum bereitzustellen. Hauptattraktion soll die restaurierte PEKING sein. Nach ihrer Überführung 2017 nach Deutschland wurde sie auf der Peters-Werft in Wewelsfleth instandgesetzt. *

2020 sollen die Arbeiten beendet sein und die PEKING frisch restauriert als Museumsschiff einen Ehren-platz im Hamburger Hafen erhalten.

Im Anschluss seines Vortrages stand Herr Kahl noch für viele Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.


Klaus Meuser
VDI Arbeitskreis „Meer, Küste, Hafen“