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Über Macht, Führung, Organisation und andere Dinge... Vortrag & Diskussion der Veranstaltungsreihe VDI Online-Nord am 30.03.2021

Die Veranstaltungsreihe VDI Online-Nord:

Die Veranstaltungsreihe Online-Nord bietet im 2-Wochen-Rhythmus am Dienstagabend um 17.30 Uhr jeweils eine online-Vortrag zu verschiedenen Themen aus dem ingenieurwissenschaftlich-technischen Spektrum. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen. Wer Lust hat auf viele spannende Themen, findet die jeweils aktuellen Veranstaltungen der Reihe Online-Nord HIER auf der VDI-Webseite, wenn man in der Suchmaske unter dem Text nach dem Stichwort online-nord selektiert.

Bericht von der Veranstaltung „Über Macht, Führung, Organisation und andere Dinge, die Ingenieure praktisch nicht verstehen.“ mit Benno Löffler

Wie versteht man das Handeln von Organisationen? Oder Kultur, Führung, Macht? Man kann Physik, Mathematik oder andere kluge Dinge nutzen, um das Funktionieren der Welt zu verstehen. Mit Psychologie kann man die Eigenheiten und Reaktionen von Menschen zu verstehen versuchen. Aber wie kann es gelingen, das Handeln von Organisationen zu durchschauen? Die Soziologie öffnet einen Blick auf Organisationshandeln, der hilft, Probleme zu verstehen und zu lösen.

Benno Löffler hielt am 30. März 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „VDI Online Nord“ einen Impulsvortrag „Über Macht, Führung, Organisation und andere Dinge, die Ingenieure praktisch nicht verstehen.“ Moderiert wurde der Abend von Alexander Boers und Mario Schlömann vom Online-Nord-Orga-Team. Vielen Dank auch an Karl Damke, der das Themenfeld vom gesprochenen Wort zum gezeichneten Bild hin erfasst hat.

Erstmals gab es über 500 Anmeldungen für den Abend. Anders als bisher wurde dafür auch im XXL-Format eine Kombination aus Vortrag, Sketch-Noting und anschließendem Get-Together auf wonder.me geboten. Das Format VDI online-Nord entwickelt sich weiter und wird auch in Zukunft Abwechselung, Unterhaltung und Information bieten.

Er nahm sein Publikum schrittweise mit auf den Weg zu neuen Herangehensweisen und Veränderungen. Viele Ansatzpunkte für Verbesserungen wurden dabei andiskutiert. Angesprochen wurde das Spannungsfeld von Routine und unvorhersehbaren Ereignissen. Auf diese Überraschungen kann man sich nicht vorbereiten. Aber für mögliche Optionen kann man versuchen, Reaktionsplanungen bereit zu halten. Eine solche Vorsorge für Optionen ist teurer als herkömmliche Pläne, man braucht sie aber, wenn man in Komplexität lebt, auch wenn sie am Ende nicht tatsächlich genutzt wird, weil es doch anders kam.

Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen Wissen und Können. Wissen kann man aufschreiben, Können erlangt man nur mit Üben. Und Können lässt sich nicht aufschreiben, es lebt nur integriert in die Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen. Komplizierte Systeme erscheinen komplex, wenn man nichts weiß, das nennt man Dummheit. Komplex ist eine Metapher für superkompliziert. Organisation, Märkte, Wetter sind aber nun einmal genau so.

Wie kommt eine Organisation aus einem drohenden Teufelskreis-Steuerung Kollaps heraus? Wofür nutzt eine Organisation Macht? Was sind asymmetrische Beziehungen? Organisation lassen sich nur ändern durch Ändern der Managementtechniken. Wenn die Managementmuster gleichbleiben, dann wird es nach einer gewissen Zeit immer eine Retardierung der Abläufe geben. Anfangen muss man bei der Problembehandlung immer mit der Frage nach dem zu lösenden Problem. Was ist die Herausforderung? Sind es zu lange Lieferfristen? Oder zu hohe Materialkosten? Eine Organisation wird außerdem auch noch nicht dadurch besser, dass sie einer bestimmten Methode folgt. Die Frage ist, warum sind wir in dem Ist-Zustand, der verändert werden muss und wie packen wir es am besten an?

Eine Empfehlung lautet, die Belegschaft zusammen zu holen und gemeinsam zu überlegen. Dann organisiert man die Ergebnisse in Abschnitten à 3 Monaten zum Ausprobieren. Dabei läuft ein Lernprozess, wenn Ideen angewandt werden. Bei diesem Denken in Lernzyklen entstehen auch neue und zufällige Ideen, die man am Anfang noch gar nicht hatte.

Im Regelbetrieb ist es gut, wenn durch Prozessbeschreibungen und routinemäßiges Abarbeiten effiziente Ergebnisse erzielt werden können, aber in Situationen mit Störungen und Problemen ist es notwendig, sich auf die Kompetenz des Personals verlassen zu können und Lösungen zu finden, die abseits der Regeln funktionieren. Das nennt man dann Innovationspotential. Die Aufgabe des Managements ist es, diese Fähigkeiten im Unternehmen zu erhalten und zu fördern. Wenn man innovative Vorgehensweisen haben will als Management, dann muss man Innovationen auch vorleben.

Anschließend an den Vortrag gab es zahlreiche Fragen und Diskussionen zur praktischen Anwendung der Ratschläge. Für viele Fachleute aus der Technik war die Ergänzung ihrer täglichen Arbeit um die soziologische Sichtweise tatsächlich die neu und sehr aufschlussreich. Weiter diskutiert wurde dann noch länger in kleineren Gruppen auf der Plattform wonder.me.

Der Referent:
Benno Löffler hat einst Maschinenbau studiert. In den Jahren am Fraunhofer IPA hat er sich immer wieder gewundert, warum Lean und Software in manchen Firmen funktioniert und in anderen nicht. Das hat ihn tiefer in andere Perspektiven und Wissensgebiete getrieben. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Vollmer & Scheffczyk GmbH. Dort hat er sich mit moderner Soziologie eine Perspektive erschlossen, die organisatorische Höchstleistung verstehbar und gestaltbar macht. Damit beschäftigt er sich als Unternehmensberater seit rund 20 Jahren. Weitere Infos: www.v-und-s.de

Bericht: Anja Riemer

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