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Deutschland 2030

VDI-Initiative "Stadt:Denken": Darauf baut die Stadt der Zukunft

Bild: Rido / Shutterstock.com

Städte und Gebäude sind untrennbar miteinander verbunden – keine Stadt ohne Häuser. Sie bieten Lebensraum, Schutz und Komfort. Doch Bau und Betrieb verbrauchen große Mengen an Rohstoffen und Energie. Ressourcen einzusparen, sowohl beim Bau, als auch beim Heizen und Kühlen ist das Gebot der Stunde für den städtischen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz.

Mit der zunehmenden Urbanisierung wächst auch der Ressourcenverbrauch: Städte verbrauchen immer mehr Energie und Rohstoffe, aber auch mehr Fläche. Dem steigenden Verbrauch stehen zunehmend knappere Ressourcen gegenüber. Ressourceneffizienz wird deswegen immer wichtiger, darf sich aber nicht auf die Nutzungsphase von Gebäuden beschränken.

Rohstoffe durch Recycling
Der Bausektor gehört zu den rohstoffintensivsten Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Über 80 Prozent der in Deutschland verwendeten Rohstoffe – Sand, Kies, Ton und Gips – werden auf dem Bau verarbeitet. Zusammen mit den verbauten Metallen stecken diese Rohstoffe in den städtischen Gebäuden und sind zugleich ein riesiges Rohstofflager, das im Neu- oder Umbau stärker als bisher genutzt werden sollte. 

Baustoffe vor Ort wiederzuverwerten bedeutet, Transportaufwand und Energieverbrauch zu senken. Beim Bau von Straßen, Tunneln oder auch der Kanalisation ist das heute schon gängige Praxis: ausgebaute Materialien, beispielsweise Beton, werden vor Ort aufbereitet und sofort wieder eingebaut. Vergleichbare Verfahren müssen beim Bau von Gebäuden noch entwickelt werden. Zwar wird bereits ein Großteil der anfallenden Bau- und Abrissabfälle wiederverwertet, doch der Bauschutt wird lediglich unsortiert und als Ganzes im Straßenbau oder zur Verfüllung eingesetzt. 

Hier ist für die Zukunft noch "viel Luft nach oben": So können die einzelnen Bestandteile gezielt zu getrennt und danach spezifisch aufbereitet werden. Aus feinkörnigem Bauschutt Sand zu gewinnen, ist nur ein Beispiel. Das Problem des Sandmangels, das sich vor den Hintergrund des ungebrochenen Baubooms abzeichnet, wäre damit auch gelöst.

Den vorhandenen Gebäudebestand möglichst effizient und langfristig zu nutzen, spart weitere Ressourcen. „Umnutzung statt Abriss“ lautet hier das Motto. Neubauten, die aktuell rund 25 Prozent aller Baumaßnahmen ausmachen, sind ressourcenintensiver und belasten die Umwelt stärker als vergleichbare Bautätigkeiten an bestehenden Gebäuden.

Neue Wohngefühle durch "Lebenslaufwohnungen"
Das Gebäude der Zukunft soll ressourceneffizient gebaut und betrieben werden, in seiner Nutzung den Bedürfnissen seiner Bewohner anpasst sein und sich harmonisch in das Stadtbild einfügen. Im Vordergrund stehen recyclingfähige, langlebige Baumaterialien sowie flexible, bedarfsgerechte Nutzungskonzepte. 

"Lebenslaufwohnungen" berücksichtigen die Bedürfnisse ihrer Bewohner in ihren verschiedenen Lebensabschnitten: Von der jungen Familie mit Kindern zum älteren Ehepaar mit Pflegedarf – Grundrisse, die sich ohne große Umbauten anpassen lassen, steigern nicht nur die Lebensdauer des Wohnraums, sondern auch die Zufriedenheit der Bewohner. Feste Wände und Türen weichen Raumteilern, strukturgebende Elemente, wie Teppiche oder Podeste gliedern Räume neu. Die strikte Trennung in Wohn- und Schlafbereiche entfällt und schafft Platz für eine ganztägige und vielseitige Raumnutzung. Ideen aus dem Boots- und Wohnmobilbau tragen dazu bei, den Raumbedarf insgesamt zu reduzieren. 

Energie fürs (städtische) Leben
Durch gute Dämmung, effiziente Heizungen und erneuerbaren Energien ist der Ressourcenverbrauch von Gebäuden in den letzten Jahrzehnten bereits deutlich zurückgegangen. 

40 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland wird aber immer noch verheizt oder verkühlt. Das ist nach wie vor zu viel. Der Anteil der erneuerbaren Energien deckt dabei nur knapp die Hälfte der insgesamt verbrauchten Energie. "Ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050" lautet deswegen das erklärte Ziel der Bundesregierung. Das bedeutet, dass Gebäude nur noch einen sehr niedrigen Energiebedarf haben dürfen. Der verbleibende Restenergiebedarf muss zudem überwiegend aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, so die Definition.

Wärmepumpen, Solaranlagen oder deren Kombination tragen bei Neubauten schon heute dazu bei, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Und Holz als nachwachsender Rohstoff, Lehm als natürliches Dämmmaterial oder recycelter Beton sind nur einige Beispiele für Baustoffe, die ressourcenschonend hergestellt und verarbeitet werden.

Viel Potenzial für mehr Energieeffizienz steckt in der Sanierung vorhandener Gebäude. Heizanlagen mit moderner Niedertemperaturtechnik ersetzen alte, verbrauchsintensive Gas- oder Ölheizungen. Die Dämmung von Dächern, Fassaden und Fenstern bewahrt die Gebäudehülle vor unnötigem Energieverlust. Allein das spart jährlich mehrere hunderttausend Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid ein.

Städtische Energiewende: Alle müssen mitmachen
Letztendlich wird die städtische Energiewende aber nur dann gelingen, wenn alle einbezogen werden und mitmachen: Stadtplaner, Stadtklimaforscher, Versorger, Wirtschaft, Verwaltung und vor allem die Bürgerinnen und Bürger selbst. In vielen deutschen Städten hat die Energiewende bereits begonnen: Flexible Batterie- und Gasspeicher werden weiterentwickelt, um Stromüberschüsse aus Windparks zu sammeln und später zu nutzen. Solarflächen auf den Gebäuden oder innovative Solarfassaden erzeugen erneuerbare Energie vor Ort und schaffen klimaneutrale Stadtquartiere. Vergleichbare und weitere Projekte lassen sich in Zukunft auch auf ganz Deutschland übertragen.

Die VDI-Gesellschaften Energie und Umwelt, Bauen und Gebäudetechnik sowie das VDI-Zentrum Ressourceneffizienz haben eine Vielzahl von Richtlinien und sonstigen Publikationen zu den verschiedenen Herausforderungen der städtischen Energieversorgung und zum ressourceneffizienten Bauen erarbeitet.

Hier erhalten Sie die VDI-Initiative Stadt:Denken 2019 als Download.

An der VDI-Initiative Stadt:Denken haben neben haupt- und ehrenamtlichen Experten des VDI auch Vertreter aus Hochschulen und Unternehmen sowie Stadtentwickler und Kirchenrepräsentanten mitgewirkt.

Autorin: Alice Quack

Redaktionelle Bearbeitung: Thomas Kresser