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Vortrag zum Hochwasserschutz an der Stadtstrecke in Bremen, AK Bau 02.06.2021

Hauke Krebs

Frau Dr. Timm begrüßte die Teilnehmenden zum ersten Vortrag des Netzwerks Bautechnik des VDI Bezirksvereins Bremen in 2021. Sie stellte Herrn Dipl.-Ing. Eduard Ruf als neuen Mit-Verantwortlichen vor. Den Vortrag über den Hochwasserschutz an der Stadtstrecke in der Bremer Innenstadt hielt Herr Dipl.-Ing. Hauke Krebs, Leiter der Stabsstelle Deichbau Stadtstrecke bei der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Für den Hochwasserschutz hat diese Stabsstelle vielfältige Aufgaben, wie zum Beispiel die Umsetzung der Ausbaupflichten, Planung, Projektsteuerung, Kommunikation und Beteiligung der Öffentlichkeit.


Der Klimawandel kommt direkt über den steigenden Meeresspiegel in der Bremer Innenstadt an.
Die Arbeit an den Küstenschutzanlagen basiert auf den Prognosen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen. Laut dem IPCC Sonderbericht von 2019 beschleunigt sich die Anstiegsrate des Meeresspiegels u.a. durch abschmelzende Gletscher. Die Steigerungsrate liegt derzeit bei 3,16 mm pro Jahr. Bremen ist sehr gefährdet und wäre ohne Deiche in weiten Teilen zweimal am Tag überflutet, bei Überschwemmung oder Sturmflut auch vollständig. Die Hochwassergefahrenkarte zeigt eindrucksvoll, wie gefährdet der eigene Wohnstandort wäre ohne unsere Deiche. An der Schlachte und am Osterdeich liegt schon heute der Wasserstand mehrfach im Jahr bei ca. 4,50m über Normalnull. Zum Glück schützen uns die Deiche gegen derartige Wasserstände, auf 80 km sogar gegen Sturmfluten. Für Bremen und Niedersachsen gilt der Generalplan Küstenschutz, in dem geregelt ist, wie die Deiche bei den derzeitigen Prognosen ausgebaut und instandgesetzt werden müssen. Ein Deich kann nämlich auf viele Arten versagen, nicht nur durch Überlauf, sondern auch durch Erosion, Durchsickern und Böschungsbruch.
Als einen Teilbereich der zukünftigen Schutzmaßnahmen in der Bremer City stellte Herr Krebs das grüne Sofa in Form einer begrünten Treppenanlage am Ufer im Bereich der Becks-Brücke vor. Er berichtete auch von der kontroversen Diskussion über einen möglichen Erhalt der Platanen entlang der Stadtstrecke. Insbesondere dieses Thema wurde im Ressort intensiv diskutiert und hinterfragt. Aus verschiedenen Gründen, zu denen unter anderem baubedingte Belastungen der Bäume und der fortgeschrittene Pilzbefall gehört, werden aber langfristig Neupflanzungen bevorzugt. Diese Bäume können dann mit geeigneter ökologischer Wertigkeit (u. a. Insekten- und Vogelfreundlichkeit) ausgewählt werden. Es gibt viele Aspekte, die zu berücksichtigen sind, wenn man die Weserufer zukunftsfest umbauen möchte. Dazu gehört die derzeitige Aufschüttung durch Trümmerschutt aus der Nachkriegszeit, wie man es zum Beispiel die ganze Schlachte entlang findet. Die direkt angrenzenden Straßenzüge und Häuser müssen berücksichtigt werden. Es gibt Fahrradwege, unterirdische Versorgungsleitungen und die Interessen der Freizeitnutzung. Planung und Kostenabwägung werden durch all diese Faktoren außerordentlich komplex bis kompliziert.
Im Laufe der an den Vortrag anschließenden Diskussion meldete sich auch ein Vertreter der Bürgerinitiative für den Erhalt der Platanen zu Wort. Die Initiative verweist auf ihr Alternativkonzept, mit dem eine Baumerhaltung möglich sei. Herr Krebs ging ausführlich auf die Standortbedingungen für Bäume ein und stellte den Ausbauplan für beide Weserufer in den kommenden Jahren vor. Die Frage nach Erhalt oder Neupflanzung von Bäumen konnte an diesem Abend natürlich nicht geklärt werden.
Weitere Informationen sind auf der Projekt-Webseite einsehbar.
Trotz bestem Sonnenschein hörten sich 39 Personen an diesem Abend den Vortrag von Herrn Krebs an, bei dem sich der VDI herzlich bedankt für die ausführlichen und informativen Darstellungen.

Bericht: Anja Riemer

 

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