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60 Jahre KRdL
 

Luftreinhaltung - Quo Vadis?

60 Jahre KRdL: „Luftreinhaltung - Quo Vadis?" Podiumsdiskussion mit u.a. Frank Schmitz, Dr. Ulf Janicke, Prof. Caroline Herr, Prof. Dr. med. Barbara Hoffmann, Dr.-Ing. Ragnar Warnecke (von links) (Bild: Ch. Sager)

60 Jahre KRdL: „Luftreinhaltung - Quo Vadis?" Podiumsdiskussion mit u.a. Frank Schmitz, Dr. Ulf Janicke, Prof. Caroline Herr, Prof. Dr. med. Barbara Hoffmann, Dr.-Ing. Ragnar Warnecke (von links) (Bild: Ch. Sager)

Vor 60 Jahren waren bei uns in Deutschland die Herausforderungen in der Luftreinhaltung so drängend, wie sie beispielweise heute in asiatischen Ländern wie China oder Indien sind. Smog sowie hohe Ruß- und Staubwerte verursachten große Gesundheitsschäden. Dank eines deutlich verbesserten gesetzlichen Instrumentariums und seiner konsequenten Umsetzung ist heute diese extreme Belastung in Deutschland und in Europa weitgehend Vergangenheit, und wir können uns über einen fast „blauen Himmel über der Ruhr“ freuen.

 

Ein zentraler Baustein bei der effizienten Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen in der Luftreinhaltung war und ist die Untersetzung der gesetzlichen Regelungen mit VDI-Richtlinien und DIN-Normen. Dass die technischen Detailregelungen am besten durch Verweis auf technische Regeln konkretisiert werden, davon war man bereits Mitte der 1950er Jahre überzeugt. 1957 wurde so der selbständigen Kommission „Reinhaltung der Luft" im VDI in Düsseldorf vom deutschen Gesetzgeber der Auftrag erteilt, in freiwilliger Selbstverwaltung der interessierten Kreise ein Regelwerk zur Beschreibung des Stands der Technik in der Luftreinhaltung zu erarbeiten.

 

Der ersten technischen Regel, der Richtlinie VDI 2091 „Staubauswurf von Dampferzeugern über 10 t/h Leistung“ aus dem Jahr 1958, sind bis heute über 650 weitere zechnische Regeln gefolgt. Zusammengefasst in den sechs Bänden des VDI/DIN-Handbuchs „Reinhaltung der Luft“ geben sie Antwort auf nahezu alle Fragen der Luftreinhaltung. Diese Themen reichen von der Messtechnik, zum Beispiel für Stickstoffoxide oder Ozon, über die Gewinnung und Bereitstellung von Anlagendaten für den sogenannten BREF-Prozess (Best Available Techniques Reference Document) sowie meteorologische Messungen und Ausbreitungs-Modellierung bis hin zur Geruchsprüfung von Innenraumluft und der umweltmedizinischen Bewertung von Bioaerosolen.

 

Passend zum 60. Geburtstag der heutigen „VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss“ hat der Beirat der KRdL die Erarbeitung einer Roadmap „Kommission Reinhaltung der Luft 2030“ gestartet. Im Rahmen des VDI-Expertenforums „60 Jahre KRdL: Luftreinhaltung - Quo Vadis?“ , das am 29. November 2017 im BMUB in Bonn stattfand und an dem ca. 100 Luftreinhaltungsexperten aus Wissenschaft, Behörde und Industrie teilnahmen, wurde die Roadmap vorgestellt, in der die zukünftigen Standardisierungsaktivitäten in der Luftreinhaltung perspektivisch aufgezeigt werden.

 

Zu welchem Ergebnis kommt die Roadmap „KRdL 2030“? In der Luftreinhaltung in Deutschland und Europa wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten zwar sehr viel erreicht – durch die fortgesetzte Modernisierung von Industrieanlagen oder auch den Einsatz emissionsärmerer Heizungsanlagen und Kraftfahrzeuge – es wurden jedoch die „tieferhängenden Früchte“ in der Luftreinhaltung geerntet. Zukünftig wird es daher darum gehen, Lösungen für die komplexeren Luftreinhaltefragen zu erarbeiten. Dazu gehören z. B. das große Thema „Mobilität“ oder die komplexe Verlinkung von Klimaschutz und Luftreinhaltung.

 

Die zukünftige Standardisierungsarbeit der KRdL muss dieser Entwicklung folgen. Dr.-Ing. Ragnar Warnecke, der Vorsitzende der KRdL, betonte bei der Vorstellung der Roadmap, dass die fachbereichsübergreifende Ausschussarbeit in der KRdL bei der Bearbeitung von zukünftigen Querschnittsfragen, z. B. zum Thema Stadtplanung und Klimawandel oder der Vernetzung von neuer Messtechnik und Modellierung, an Bedeutung gewinnen wird. Ein intensiverer fachlicher Austausch mit anderen Abteilungen und Fachgesellschaften in VDI und DIN sowie ein weiterhin starkes internationales Engagement wird hier begleitend notwendig sein. Nicht vergessen werden darf der sich insbesondere aus der technischen Weiterentwicklung ergebende Aktualisierungsbedarf der über 650 VDI-Richtlinien und DIN-Normen, die die KRdL bis heute veröffentlicht hat.

 

Die Podiumsdiskussion, mit der das Expertenforum abschloss, brachte noch einen ganz anderen Aspekt für die zukünftige Arbeit der KRdL auf: Wie gelingt es, die wissenschaftlich-technischen Fakten zur Luftreinhaltung in die Öffentlichkeit zu kommunizieren? Immer wieder geistern Halb- oder gar Unwahrheiten durch die Medien und machen eine an der Sache ausgerichtete Diskussion und Problemlösung extrem schwer. Hier den Sachstand zum Thema Luftreinhaltung einzubringen, wird auch eine spannende Zukunftsaufgabe für die KRdL sein.

 

Dass die KRdL für die kommenden Herausforderungen sehr gut gerüstet ist, darüber waren sich Dr. Lilian Busse, UBA, Ralph Appel, VDI und Christoph Winterhalter, DIN, in ihren Grußworten einig. Die KRdL wird auch zukünftig die seit 60 Jahren praktizierte Arbeitsteilung mit dem Gesetzgeber zum Wohle der Luftreinhaltung in Deutschland, in Europa und in der Welt erfolgreich fortsetzen. Der enorme Einsatz der 1.400 ehrenamtlichen KRdL-Experten aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft und das große Engagement der hauptamtlichen Mitarbeiter in der Geschäftsstelle stehen seit 60 Jahren dafür, und das gilt auch für die Zukunft.


Ihr Ansprechpartner im VDI:
Dr. rer. nat. Rudolf Neuroth
VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) - Normenausschuss
Telefon: +49 211 6214-544
Telefax: +49 211 6214-97544
E-Mail: neuroth@vdi.de