Wir verbinden Kompetenz
Verein Deutscher Ingenieure
 
Verein Deutscher Ingenieure > Technik > Fachthemen > Fahrzeug- und Verkehrstechnik > Studenten und Jungingenieure
Folgen:  FacebookTwitterGoogleXingLinkedInYoutube

FISITA World Automotive Congress 2012

27. - 30. November Bejing, China

Travelling Fellowship Progamme

Reisebericht Dipl.-Ing. Sebastian Spirk

Erster chinesischer PKW Dongfeng
Erster chinesischer PKW Dongfeng

Alle zwei Jahre findet der FISITA World Automotive Congress statt. Er ist eine der wichtigsten internationalen Konferenzen zu automobiler Entwicklung und Forschung. Im Rahmen des FISITA Travelling Fellowship Programms wird jungen Ingenieuren aus der ganzen Welt über eine finanzielle Förderung der Reisekosten durch den jeweiligen nationalen Verband die Teilnahme am Kongress ermöglicht und darüberhinaus in einem einwöchigen Programm vor der Konferenz die Möglichkeit gegeben das jeweilige Land und die dortige Automobilindustrie und universitäre Forschung kennenzulernen. Der diesjährige Kongress fand in Peking statt und damit bot das Travelling Fellowship Programm eine großartige Möglichkeit eine im Vergleich zu Europa doch etwas andere Kultur, Land und Leute kennenzulernen und mehr über den zweitgrößten Absatzmarkt der Welt zu erfahren in dem 2012 erstmals mehr Neuwagen als in Gesamteuropa verkauft wurden.

Besuch First Automotive Works (FAW)
Besuch First Automotive Works (FAW)

Die Gruppe des Travelling Fellowship Programm bestand aus je einem Teilnehmer aus Belgien, Deutschland, Finnland, Russland und China sowie zwei Teilnehmern aus der Tschechischen Republik und wurde überall herzlichst empfangen. Im Rahmen des Besuchs der Jilin University in Changchun wurde sogar zu einem der typisch chinesischen  Abendessen im abgetrennten Raum mit Unmengen an Essen und einer Vielzahl an Trinksprüchen eingeladen. Der Besuch des chinesischen Traditionsunternehmens FAW (First Automotive Works) in Changchun im Norden Chinas, das als Kooperationspartner von VW bekannt ist, gab interessante Einblicke in die Entstehung des ersten chinesischen Automobil und die Geschichte der Automobilentwicklung in China. Nachdem Mao Tse-Tung fragte, wann er denn im ersten chinesischen Auto fahren könnte, wurde 1958 in sechs Wochen Handarbeit das erste chinesische Auto nach Vorlage der französischen Simca Vedette gefertigt. Die erste wirkliche Serienproduktion entstand als 1990 offiziell der VW Jetta und 1992 der Audi 100 kopiert werden durfte.

Führung durch die Jilin University
Führung durch die Jilin University

Der Besuch von Universitäten in Changchun und Peking war geprägt von einer große Zahl an Versuchsständen; kein Wunder sehen doch die Fünfjahrespläne der Regierung für die Universitäten oft bis zu 85% für harte Investitionen wie Prüfstände vor, die dann aber so scheint es kaum alle regelmäßig benutzt werden können. Man ist sehr stolz auf alles was im eigenen Land selbst entwickelt wurde, ist man sich doch andererseits bewusst, dass man zum Beispiel gerade im Automobilbereich in Forschung und Entwicklung vom Niveau europäischer Automobilfirmen noch ein wenig entfernt ist. Als Europäer, insbesondere aber als Deutscher ist man in China sehr angesehen und die meisten der Gesprächspartner können mindestens eine Handvoll deutsche Worte, was wohl deutlich mehr ist als der durchschnittliche chinesische Wortschatz hierzulande.


Am bedeutendsten für den Eintritt in den chinesischen Markt ist womöglich der chinesische Name eines Unternehmens, der auf allen Fahrzeugen zusätzlich zum Firmenlogo auf dem Heck der Fahrzeuge prangt. Während es Volkswagen einfach hatte ein gutes chinesisches Namensäquivalent zu finden, so ist es für andere Unternehmen die erste Bewährungsprobe einen chinesischen Namen zu finden der inhaltsschwer die Firma repräsentiert und dabei am besten dennoch so ähnlich klingt wie der originale Firmenname. BMW hat hier etwa 宝马 (sprich: bao ma) gewählt, was soviel wie kostbares Pferd heißt und dabei auch noch Ähnlichkeit in der Aussprache besitzt. 

Abendessen mit der Automotive Fakultät der Jilin University
Abendessen mit der Automotive Fakultät der Jilin University

Dieses Jahr fand die Konferenz in Peking statt und wurde vom nationalen Verband SAE-China als Gastgeber ausgerichtet und mit etwa 60% auch von zahlreichen inländischen Teilnehmern besucht. Die Konferenz selbst hatte in zwölf parallelen Sessions, darunter auch ein Student Congress für junge Studenten und Doktoranden, drei Tage lang Vorträge zu allen erdenklichen Themen der Automobilentwicklung zu bieten. In den Kaffepausen, deren Beginn und Ende selbst für Deutsche ein Vorbild an Pünktlichkeit und Disziplin hätte sein können. Versuche sich 2 Minuten vor Beginn am Kaffeetisch zu bedienen, weil womöglich die besuchte Session etwas früher zu Ende war, scheiterten in der Regel an strengen chinesischen Worten des Servicepersonals, deren Bedeutung man auch ohne Chinesisch-Kenntnisse verstand. Aber Anweisungen vom Vorgesetzten sind in China nun mal strengstens zu befolgen. Doch gerade hier und auch auf dem ein oder anderen Messestand entstanden die besten Gespräche über neueste Produkte,  Entwicklungen und Forschungsansätze.

Islands of Excellence Stand der Hochschule Oswestfalen-Lippe
Islands of Excellence Stand der Hochschule Oswestfalen-Lippe

Die Teilnahme an Konferenz und Travelling Fellowship Programm bot damit einzigartige Einblicke in den aktuellen Stand der Automobilentwicklung und die Kultur des bevölkerungsreichsten Lands der Erde. Mit der Verleihung des Best Student Paper Award an den Travelling Fellowship Teilnehmer des VDI-FVT für seinen Beitrag zur Regelung aktiver Fahrwerkssysteme endete der Besuch der Konferenz dann auch noch besonders erfolgreich. Vielen herzlichen Dank an VDI-FVT und FISITA für die Möglichkeit an diesem Programm teilzunehmen!