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VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung (VDI-GPP)

15.07.2014
Trauer um Klaus Federn
 

Der "Auswuchtpapst" ist tot

Klaus Federn der "Auswuchtpapst" ist tot (Bild: TU Berlin/PR/Jacek Ruta)

Klaus Federn der "Auswuchtpapst" ist tot (Bild: TU Berlin/PR/Jacek Ruta)

Ein großer Charakter ist von uns gegangen. Klaus Federn – der "Experte der Schwingungstechnik" und Inhaber der Grashof-Denkmünze des VDI – verstarb am 26. Juni.

 

1910 in Berlin geboren, siedelte er bereits mit sieben Jahren nach Darmstadt, wo er ab 1929 an der TH Maschinenbau studierte und 1939 auch promovierte. Im Anschluss daran trat er in den Dienst der Firma Carl Schenk Maschinenfabrik ein und erwarb sich während seiner 24jährigen Industrietätigkeit als führender Kopf der Auswuchttechnik internationale Anerkennung. Dies wird auch durch seine 50 deutschen und 30 ausländischen Patente belegt. Parallel zu seiner Industrietätigkeit hielt er von 1947 bis 1963 Vorlesungen an der TH Darmstadt. 1963 folgte er dem Ruf der TU Berlin als ordentlicher Professor auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Maschinenelemente.

 

Diesen baute er in den folgenden Jahren zu einem leistungsfähigen, anwendungsorientierten Forschungsinstitut auf, aus dem 1970 das Institut für Konstruktionslehre und Thermische Maschinen entstand. Von 1972 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1979 war Professor Federn geschäftsführender Direktor dieses Instituts, für das er auch danach noch intensiv tätig war. Neben 24jähriger Industrie- und 30jähriger Lehr- und Forschungsarbeit war er mehr als 50 Jahre in der Richtlinienarbeit des VDI, der nationalen und internationalen Normungsarbeit in vorbildlicher Weise ehrenamtlich tätig. Die Grundlagen der deutschen VDI-Richtlinien und DIN-Normen zur Schwingungstechnik sind auch Grundlagen der internationalen ISO-Normung und in den letzten Jahren auch der europäischen CEN-Normung. Dies ist ein Verdienst, der wesentlich Klaus Federn zu verdanken ist. Im Bezirksverein Berlin-Brandenburg war er in der Zeit von 1984 bis 2007 auch als Vertrauensmann der VDI-Ingenieurhilfe e. V. tätig.

 

Immer, wenn man etwas über die Persönlichkeit Klaus Federns schreiben möchte, kommt man ein wenig ins Trudeln. Denn man kann gar nicht anders als genau die Attribute zu verwenden, die ihm schon viele Menschen vor einem angehaftet haben. Liest man Zeugnisse über Klaus Federn, so ist da nach dem Lob seiner fachlichen und wissenschaftlichen Kompetenz unweigerlich immer die Rede von einem „redlichen Charakter“ und einer „umgänglichen Standfestigkeit“, seinem „in jeder Hinsicht überparteilichen und selbstlosen Wirken“, seiner „Bescheidenheit und ehrlichen Anerkennung der Leistungen Anderer“. Auch von seiner „außergewöhnlichen Begabung, seinem großen Fleiß und seinem gesitteten Betragen“ kann man lesen. Es wird seine „Gründlichkeit und sein Eifer“ erwähnt und immer wieder erscheint das Wort der „gewissenhaften Pflichterfüllung“. Diese Begriffe klingen veraltet und passen so gar nicht mehr in heutige moderne Wortfindungen, aber wer ihn einmal kennenlernen durfte, weiß, dass nichts ihn besser umschreibt.

 

Wenn man im VDI den Namen Klaus Federn erwähnt, erntet man sofort ein warmes Lächeln und dann dauert es auch nicht lange, bis nette Anekdoten erzählt werden. „Ich war so beeindruckt von dem dynamischen weißhaarigen Professor, dass ich meine Frau zu den Vorlesungen mitnahm, damit sie ihn auch erleben konnte“, erinnert sich Siegfried Brandt vom BV Berlin-Brandenburg. „Wenn Professor Federn bei den Sitzungen der Richtlinienausschüsse dabei war, konnte man sich darauf verlassen, dass alles gut lief, denn er besaß eine so ruhige ausgleichende Autorität, die sich auf alle Teilnehmer auswirkte und so die Arbeit immens erleichterte“, so Gerald Hilpert von der VDI-GPP. Und sein alter, leider bereits vor drei Jahren verstorbener Freund Wolfgang Lorenz, Ehrenvorsitzender des BV in Berlin, erzählte einmal, dass Federn seinen Aufgaben als Vertrauensmann der Ingenieurhilfe e. V. stets sein ganzes Herzblut gewidmet hatte: „Er ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn ein plötzlich obdachlos gewordener Ingenieur nachts bei ihm klingelte.“

 

Diese Geschichten unterstreichen in beispielhafter Weise das bereits oben Geschriebene, zeigen sie doch, dass Klaus Federn nicht nur der „ideenreiche Konstrukteur und Gestalter elektrodynamischer Auswuchtmaschinen von Weltruf, der geniale Erfinder, unermüdlicher Forscher und leidenschaftlicher Lehrer“ (so die Laudatio zum Internationalen Preis „Leonardo da Vinci“) ist, sondern auch ein besonders wertvoller Freund und Begleiter. Der Verein Deutscher Ingenieure spricht Klaus Federn seinen aufrichtigsten Dank aus. Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.


Ihre Ansprechpartner im VDI e.V.

 

Gisela Laalej
Telefon: +49 211 6214-422
Telefax: +49 211 6214-97422
E-Mail: laalej@vdi.de

 

Dipl.-Ing. Gerald Hilpert

Fachbereich Schwingungstechnik in der VDI-GPP

Telefon: +49 211 6214-501

Telefax: +49 211 6214-97501 
E-Mail: hilpert@vdi.de

 

 

 

 

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