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COPRO TECHNOLOGY GMBH

 

Die Antworten stammen von COPRO Technology-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Henrik Borgwardt und Arne Stahl

 

Was ist Ihre Geschäftsidee?
Die COPRO Technology GmbH bietet einzigartige Lösungen für den effizienten und innovativen Leichtbau. Wir bieten Maschinen, Beratung und Service zur automatisierten Fertigung von Faserverbundprofilen, welche durch ihre besonders guten spezifischen Eigenschaften interessant sind, um bewegte Massen und das Strukturgewicht zu reduzieren. Dies ist unter anderem im Automobilbau, der Luftfahrtindustrie und im Maschinenbau sehr relevant.

 

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Wir haben dieses Verfahren während unserer Tätigkeit beim DLR entwickelt, um Luftfahrtbauteile wesentlich schneller und günstiger herstellen zu können.

 

Was machen Sie anders als alle anderen?
Wir nutzen angetriebene Rollenpaare, um das empfindliche Fasermaterial zu verarbeiten. Diese Technologie ähnelt dem metallischen Rollformen, ist aber an die speziellen Eigenschaften der zu verarbeitenden Halbzeuge aus beispielsweise Kohlenstofffasern angepasst. Mit einer Anlage von COPRO können wir im Vergleich zu etablierten Prozessen Investkosten und Materialverschnitt reduzieren und die Bauteileigenschaften verbessern.


Welche Ziele möchten Sie in den nächsten Jahren erreichen?
Wir möchten innerhalb der nächsten zwei Jahre eine erste Anlage in der Luftfahrtindustrie installieren. Zudem haben wir unsere Technologie gemeinsam mit dem DLR für einen Automobil-Prozess validiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen, wollen wir diesen Prozess für einen Einsatz in der Serie weiterentwickeln und anbieten.

 

Wie wollen Sie den Markt von Ihrem Unternehmen und Ihrer Idee überzeugen?
Durch unsere Technologie lassen sich im Preforming bis zu 30 Prozent der Kosten einsparen. Das führt zu einer Reduktion der Bauteilgesamtkosten von bis zu 10 Prozent. Zudem sind unsere Maschinen durch die intelligente Anordnung der Formgebungsrollen wesentlich flexibler im Vergleich zur herkömmlichen Pressentechnologie und können zudem noch innerhalb kurzer Zeit auf andere Produktgeometrien umgerüstet werden. Diese Vorteile vermitteln wir unseren potentiellen Kunden über Messen, direkte Gespräche mit unseren bestehenden Kontakten sowie Publikationen in Fachzeitschriften.

 

Welche Partner haben Sie bei derGründung besonders unterstützt?
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, insbesondere die Professoren Christian Hühne und Martin Wiedemann vom Institut für Faserverbundleichtbau und Adaptronik und das DLR-Technologiemarketing, haben uns in unserem Gründungsvorhaben gefördert. Aber auch die Stadt Braunschweig mit dem Technologiepark und die Helmholtz-Gemeinschaft haben mit Rat, Tat und Förderprojekten auf dem Weg zur Gründung unterstützt.

 

Was können Sie jedem Gründer nur wärmstens empfehlen?
Erstens: An die eigene Idee glauben. Zweitens: Hartnäckig an der Umsetzung arbeiten und sich dabei gut verkaufen. Und drittens: Nicht zurückhaltend sein und Menschen fragen, die diesen Weg bereits gegangen sind.

 

Mal angenommen, Sie könnten den Bundeswirtschaftsminister treffen: Was hätten Sie beide miteinander zu besprechen?
Vielfach verläuft der Weg einer neuen Technologie in die Serienfertigung über geförderte Forschungsprojekte. Aber gerade als junges Hightech-Start-up ist es sehr schwierig, direkt an diesen Projekten teilzunehmen. Das sollte sich ändern, um den Weg für innovative Lösungen in die Wirtschaft zu verkürzen.

 

Mit wem würden Sie gerne einmal zu Abend essen – und warum?
Arne Stahl: Mit Andreas und Josef Fill, erfolgreiche Maschinenbauer für Automotive- und Luftfahrtindustrie. Mit ihnen könnten wir über gemeinsame Projekte diskutieren und viel über den Aufbau und die Etablierung eines Maschinenbauunternehmens lernen. Henrik Borgwardt: Mit Warren Buffett, um ihn für unsere Idee zu begeistern und als Investor zu gewinnen. Und um mit ihm darüber zu sprechen, wie man es schafft, so lange so erfolgreich zu sein.

 

Hand aufs Herz: Über welchen Erfolg Ihres jungen Unternehmens sind Sie so richtig glücklich?
Wir haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, aus einer Idee, die im DLR geboren wurde, ein Verfahren zu entwickeln. Und diese Idee so weit voranzutreiben, dass wir unsere Technologie mit unserem eigenen Unternehmen vermarkten können.

 

Interview: Stefan Boysen


 

INENSUS aus Goslar

 

Die Antworten stammen von INENSUS-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Nico Peterschmidt.

 

Was ist Ihre Geschäftsidee?

Wir entwickeln und implementieren Konzepte zur privatwirtschaftlichen Elektrifizierung ländlicher Gebiete in Afrika und Asien mit Inselnetzen. Dabei kommen Solar-Batterie-Kraftwerke mit Diesel-Backup zum Einsatz. Die Elektrizitätsverteilung erfolgt über Nieder- und Mittelspannungs-Verteilnetze. Wir bieten auch Dienstleistungen zum Thema Inselnetze an. Diese reichen von technischen Systemauslegungen, Businessplänen und Finanzmodellierung über Due Diligences für Banken, die in Inselnetze investieren wollen, bis hin zur Politikberatung. 

 

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Im Jahr 2003 haben die drei Gründer von INENSUS eine studentische Arbeit an der TU Clausthal geschrieben. Darauf aufbauend haben wir zwei Jahre später die INENSUS GmbH gegründet. 

 

Was machen Sie anders als alle anderen?

Unser Alleistellungsmerkmal liegt wohl in der interdisziplinären Sichtweise auf das komplexe sozio-ökonomisch-technische System eines Inselnetzes, das es mit all seinen regionalen Besonderheiten zu managen gilt. Wir haben wegweisende Modelle entwickelt: Dazu zählt eine spezielle Lösung für das Last- und Demand-Management, um Überschussleistung aus der Photovoltaik sinnvoll zu verwenden und so die Systemauslastung zu optimieren. 

 

Welche Ziele möchten Sie in den nächsten Jahren erreichen?

Mein Ziel ist, mit INENSUS Inselnetzen in der ländlichen Elektrifizierung zum Durchbruch zu verhelfen. Inselnetze bieten in der Regel genug Leistung und Energie für lokale wertschöpfende, produktive Aktivitäten und sind oft zuverlässiger als das Verbundnetz. 

 

Wie wollen Sie den Markt von Ihrem Unternehmen und Ihrer Idee überzeugen?

Als Vorbild. Für eine flächendeckende ländliche Elektrifizierung Afrikas und Asiens müssen viele Milliarden Euro investiert werden. Erst wenn wir zeigen können, dass diese Investitionen wirtschaftlich sind, werden auch große Unternehmen aus der Energiebranche oder sogar Rentenfonds aufspringen. 

 

Welche Partner haben Sie bei der Gründung besonders unterstützt?

Wir hatten einen hervorragenden Start mit einer EXIST-Förderung an der TU Clausthal, danach sind wir nach Goslar gezogen, wo uns die Stadt mit ihrem Technologie- und Gründerzentrum bezahlbare Räumlichkeiten bot. Unsere Projekte sind immer Public-private-Partnerships: Als mutige Partner haben die Europäische Kommission und die niederländische Regierung erste Schritte gewagt. Das deutsche Ministerium für Wirtschaft hat uns bei der Entwicklung unserer Zählertechnik finanziell unterstützt.  

 

Was können Sie jedem Gründer wärmstens empfehlen?

Ein Geistesblitz ist noch keine Idee. Eine Idee braucht kontinuierliche Pflege und Weiterentwicklung. Meine Empfehlung: Bleibe dran an deiner Idee und betrachte sie aus vielen Perspektiven. Irgendwann passen alle Puzzlestücke zusammen und die Idee ist reif, durchzustarten.

 

Mal angenommen, Sie könnten den Bundeswirtschaftsminister treffen. Was hätten Sie beide miteinander zu besprechen?

Ich würde ihn bitten, bei der KfW ein gutes Wort für Inselnetze einzulegen. Der Bundeswirtschaftsminister könnte hier sicherlich Türen öffnen, vor allem, weil deutsche Technologieanbieter im Bereich Smart Grid und Inselnetze weltweit führend sind und sich durch die Aktivierung dieses neuen Marktes ein gewaltiges Exportpotenzial für die deutsche Wirtschaft entwickeln könnte.

 

Mit wem würden Sie gerne einmal zu Abend essen – und warum?

Mit Narendra Modi, dem Premierminister Indiens. Viele Entscheidungen, die vor ihm liegen, haben gewaltige Auswirkungen weit über Indien hinaus, nicht zuletzt auch im Bereich der ländlichen Elektrifizierung.

 

Hand aufs Herz: Über welchen Erfolg Ihres jungen Unternehmens sind Sie so richtig glücklich?

Ich bin glücklich über die internationale Anerkennung, die uns entgegengebracht wird. Und darüber, dass INENSUS die Richtung weisen darf im Hinblick auf politische Rahmenbedingungen, betriebswirtschaftliche Konzepte und technische Umsetzungen von ländlicher Elektrifizierung mit Inselnetzen.

 

 Interview: Stefan Boysen