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Hohes Potential – fehlende Chancen

Bringen viele Kompetenzen mit: Die zwölf Ingenieure und eine Ingenieurin wünschten sich auf der Veranstaltung des VDI OWL und des Netzwerks Lippe Angebote für Fachdeutsch. (Bild: Martina Bauer)
Hohes Potential – fehlende Chancen

VDI OWL und Netzwerk Lippe informieren Ingenieurkräfte mit Migrationshintergrund

 

Im Ingenieurbereich herrscht Fachkräftemangel. Gerade erst hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, ein Fachkräftezuwanderungsgesetz gefordert. Etliche Architekten, Agrar-Ingenieure, Bau-Ingenieure, Maschinenbau-Ingenieure oder Petrochemie-Ingenieure mit hoher Qualifikation, darunter auch Frauen, aus Krisen- und Kriegsgebieten geflüchtet oder aus Osteuropa nach Deutschland gekommen, leben heute in der Region. Rund ein Dutzend von ihnen nahmen jetzt an einer Informationsveranstaltung des Vereins Deutscher Ingenieure, Bezirksverein Ostwestfalen-Lippe (VDI OWL), und der Netzwerk Lippe gGmbH in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld teil. Fazit: Sie haben hohes Potential und gute Sprachkenntnisse, aber (noch) keine Chancen auf einen Arbeitsplatz. Ein Hindernis: mangelnde Fachsprachenkenntnisse.

 

Der VDI OWL engagiert sich schon länger für Ingenieurinnen und Ingenieure aus europäischen und außereuropäischen Ländern, die hier leben. Diplom-Ingenieur Michael Bleimund betreut in seiner ehrenamtlichen Funktion als Leiter der 2016 gegründeten „Projektgruppe MINT-Integration Flüchtlinge“ ausländische Fachkräfte aus Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Gemeinsam mit Friederike David, Leiterin der Geschäftsstelle des VDI OWL in Bielefeld, stellte er den VDI mit seinen Leistungen, Chancen und Möglichkeiten für Neu-Ostwestfalen vor. Julia Lahl und Antonia Strüßmann vom Netzwerk Lippe, kommunale Beschäftigungsförderungsgesellschaft und Fachberatungsstelle für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, fungierten als weitere Ansprechpartnerinnen.

 

Mit 3.600 Mitgliedern stellt der VDI OWL ein breites, in Wirtschaft und Gesellschaft verwurzeltes Netzwerk dar. Er organisiert Veranstaltungen mit ingenieurwissenschaftlichen und -technischen Themen in Unternehmen, Exkursionen, Vorträge und fachlichen Austausch oder Sonderprojekte wie ing.meet.safety zu Arbeitsschutz, Gesundheitsprävention und Maschinensicherheit für Nachwuchskräfte. Auch Ingenieurinnen und Ingenieuren anderer Herkunft bietet er eine Plattform, Kontakte und Informationen. Überwiegend aus Syrien, aber auch aus dem Iran, aus Polen und Russland kamen die zwölf Männer und eine Frau unterschiedlichen Alters. Die meisten von ihnen verfügen über gute Deutschkenntnisse, viele über langjährige Berufserfahrung. Das wurde in einer kurzen Vorstellungsrunde deutlich.

 

Der 32-jährige Ahmad Alhamdo, Maschinenbau-Ingenieur, würde hier gerne sein Master-Studium wieder aufnehmen, das er in Syrien abbrechen musste. Alternativ sucht er eine Arbeitsstelle. Er ist wie Bauingenieur Ahmad Baradi VDI-Mitglied. Der 52-jährige, ebenfalls Syrer, lebt seit zweieinhalb Jahren in Bielefeld. Vom VDI OWL wünscht er eine stärkere Thematisierung des Bauingenieurwesens. „Nutzen Sie unseren Verein als Plattform, schlagen Sie selbst interessante Themen vor oder werden Sie aktiv“, ermunterte Michael Bleimund die Gäste in der IHK.

 

Alhamdo und Baradi hatten bereits Vorstellungsgespräche bei Bielefelder Unternehmen – aufgrund ihrer fehlenden Deutschsprachkenntnisse erhielten sie eine Absage. Inzwischen sprechen sie sehr gut deutsch. Allein, es fehlen die Fachbegriffe. „Wir lernen hier in den Sprachkursen allgemeines Deutsch, Fachdeutsch wird nicht angeboten“, hat auch Farzin Ahmadi festgestellt. Der 36-jährige Maschinenbau-Ingenieur aus dem Iran, der „sechs, sieben Software-Programme“ beherrscht, wünscht sich spezielle „Deutschkurse von Fachleuten“. Das würde Fach- und Nachwuchskräften im (Master-)Studium wie bei der Arbeitsplatzsuche unterstützen. Eine Anregung: Fachdeutsch-Angebote in den unterschiedlichen Fachdisziplinen in mittelständischen und großen Unternehmen. Davon könnten alle Seiten profitieren. Der VDI OWL nahm abschließend vier Neumitglieder auf, die eine kostenlose einjährige Einstiegsmitgliedschaft nutzten.

 

Weitere Informationen zur VDI OWL Projektgruppe MINT-Integration Flüchtlinge finden Sie hier.

Zum Artikel "Hohes Potential - fehlende Chancen" aus dem OWL Journal

 

Text von Martina Bauer, freie Journalistin