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Samenkörner in den Köpfen säen

(Bild: Kirill Wulfert)
Samenkörner in den Köpfen säen

Bielefeld. Wie können auch kleine und mittelständische Unternehmen von zirkulärer Wertschöpfung profitieren und ihre Produkte und Dienstleistungen ressourcenschonend und wirtschaftlich gestalten? Welche Grundlagen sind für neue Geschäftsmodelle wichtig? Anregungen und Fakten, Know-how und Methoden vermittelt die neue Veranstaltungsreihe „Circular Economy“ (Kreislaufwirtschaft), die der Verein Deutscher Ingenieure, Bezirksverein Ostwestfalen-Lippe (VDI OWL) und die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld gemeinsam mit der Effizienz-Agentur (EFA) NRW anbietet. Jetzt präsentierten Fachhochschulstudierende und Lehrende Ideen und Projekte aus Lehre und Forschung.

 

Aufarbeitung, Wiederverwertung und neue Entwicklungsansätze standen in den ersten beiden Seminaren in Herford und Gütersloh mit über 80 Teilnehmern aus Wirtschaft, Hochschule und Gesellschaft im Fokus. Zur dritten Veranstaltung „Circular Economy in Lehre und Forschung“ kamen rund drei Dutzend Interessierte aus ganz OWL – von Kommunen, Hochschulen, Unternehmen und Verbänden – an den Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Den effizienten Einsatz von Ressourcen, nachhaltiges Wirtschaften, Beratungs- und Fördermöglichkeiten thematisierte eingangs Lisa Venhues, Beraterin der EFA, Kompetenzzentrum für Ressourceneffizienz in NRW. Sie stellte den PIUS-Check für Produktintegrierten Umweltschutz und Beispiele aus der Praxis für klimafreundliche Produkte von der Materialauswahl über das Design bis zur Herstellung vor.

 

„Wir bieten seit dem Wintersemester 2017/2018 Vorlesungen und Seminare zum Thema zirkuläre Wertschöpfung an, betreuen Projektarbeiten und führen seit Jahren Forschungsprojekte durch“, erklärte Professorin Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, die an der FH am Forschungsschwerpunkt Intelligente Technische Energie-Systeme (FSP ITES) tätig ist. Mit Wahl- und Pflichtmodulen zum Produkt-Risikomanagement, Produkt-Entstehungsprozess, Produkt-Lebenszyklus oder zu Regenerativen Energien würden „Samenkörner in den Köpfen gesät und Studierende als Multiplikatoren ausgebildet“.

 

Joghurt-Becher hält tausende Jahre

 

Erste Ergebnisse der Lehre stellte eine Gruppe Studierender vor. Karim Ahmedi erklärte die Vision, einen Kreislauf der Wertstoffe „als Leitgedanken für die Gesellschaft“ zu etablieren: „Was entnehmen wir der Natur und was führen wir nicht wieder zurück, das ist die Fragestellung. Wir wollen anders als heute nützlich sein für die Erde.“ Recyclingfreundliche Produktentwicklungen, die saubere Trennung von Produktbestandteilen, die Nutzung erneuerbarer Energien oder Biodiversität im Baubereich würden dazu beitragen. Auch Kommilitone Niclas Grote regte an, durch eine optimale Kreislaufwirtschaft einen „positiven, grünen Fußabdruck“ zu hinterlassen: „Ein Joghurt-Becher beispielsweise enthält ein Produkt, das nur wenige Tage haltbar ist, die Verpackung dagegen hält mehrere tausend Jahre“. Dagegen würden Lieferketten mit Rücknahme oder neue Servicekonzepte mit Produktleasing beispielsweise für Waschmaschinen wirtschaftliche Mehrwerte schaffen und gleichzeitig Umwelt und natürliche Ressourcen schützen.

 

Eine Trennung und Rücknahme von Produkten und Wertstoffen sei bei großen Teilen einfach, aber bei kleinen Teilen schwierig, gab Teilnehmerin Melanie Lehmann, Geschäftsführerin und Gesellschafterin der Oskar Lehmann GmbH & Co. KG aus Blomberg zu bedenken. Solle der Hersteller jedes Teil mit seinem Logo kennzeichnen? Wo könne zum Beispiel eine in Bielefeld gekaufte Waschmaschine abgegeben werden, die durch einen Umzug in München gelandet sei? „Das Etablieren von Kreisläufen und Rücknahmesystemen ist momentan ein großer Forschungsgegenstand“, betonte Professorin Schwenzfeier-Hellkamp. Mit der Besichtigung des Lichtlabors und der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der FH, mit der Vorstellung neuer LED-Techniken für die Landwirtschaft oder zur Energiegewinnung endete die Veranstaltung.

 

Weitere Seminartermine in OWL

Die 2016 innerhalb des VDI OWL gegründete Projektgruppe „Zirkuläre Wertschöpfung OWL“ will mit der neuen Veranstaltungsreihe „Circular Economy“ die Kreislaufwirtschaft zusammen mit Kooperationspartnern in der Region vorantreiben. In 2018 sind weitere Termine in verschiedenen Städten OWLs geplant, die Teilnahme ist kostenlos. Das nächste Seminar zu „Ressourceneffizienz in der Nutzungsphase mit Design Thinking“ wird im September 2018 in der JENZ GmbH in Petershagen angeboten.

 

Weitere Informationen unter www.vdi.de/owl/circular-economy und www.ressourceneffizienz.de

 

Zum Artikel aus den VDInachrichten: Mehrwert schaffen und die Umwelt schützen