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100-jähriges Jubiläum des VDI Unterweser Bezirksvereins - Wasserstandsanzeiger

Der 1903, im Gründungsjahr des VDI Unterweser Bezirksvereins, am Zusammenfluss von Weser und Geeste errichtete, unter Denkmalschutz stehende Wasserstandsanzeiger Bremerhaven ist eines der letzten noch vorhandenen Zeugnisse alter optischer Signaleinrichtungen für die Schifffahrt. Durch jahrelange gemeinsame Anstrengungen interessierter Bürger konnte erreicht werden, dass das lange vom Abriss bedrohte Bauwerk bewahrt und im Wesentlichen in alter Form wiederhergestellt werden konnte. Die dafür erforderlichen Mittel stammen von privaten Spendern, der Gemeinschaft „Unser schönes Bremerhaven“, der Stiftung „Wohnliche Stadt“ und der BIS Bremerhaven Touristik.
Mit Hilfe der wieder aufgehängten Signaleinrichtungen in Form von Bällen und Kegeln, einer Schautafel und der jetzt installierten automatisierten Technik für die Anzeige des aktuellen Wasserstandes und der Gezeitenströmung wurde der stumme Zeuge der maritimen Technikgeschichte wieder mit Leben erfüllt, so dass dem Betrachter die einstige Funktion in anschaulicher Weise verdeutlicht wird.

Die Wiederinbetriebnahme des historischen Wasserstandsanzeigers für museale und touristische Zwecke am 25. Juli 2003 ist zudem ein nachahmenswertes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Gemeinschaft „Unser schönes Bremerhaven“, der Hochschule Bremerhaven, der BIS Bremerhaven Touristik und dem Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM). Diese könne auch bei der Erhaltung von anderen wichtigen Zeugnissen unserer gemeinsamen Schifffahrtsgeschichte zum Tragen kommen, so Dr. Dirk J. Peters, Technikhistoriker und Industriearchäologe vom DSM, der den Wasserstandsanzeiger als eines der wichtigsten Objekte im Freilichtbereich des Nationalmuseums betreut.

Von 1903 bis 1973 zeigte der ehemalige Wasserstandsanzeiger am Weserdeich tagsüber die aktuellen Wasserstände der Weser über Seekarten-Null, also über dem in der Seekarte für die Weser ausgewiesenen mitteleren Tideniedrigwasser an. Als „Optik“ fungierten an der nördlichen Seite der Rah aufgehängte rote Bälle (1 Ball = 1 m) sowie Kegel aus Korbgeflecht (1 Kegel = 20 cm). Ein roter, pfeilförmiger Signalarm oben am Mast zeigte, wenn er nach unten gerichtet war, ablaufendes Wasser an, nach oben gerichtet auflaufendes Wasser und in waagerechter Stellung Stau- bzw. Hochwasser. Die Bälle und Kegel wurden von Hand und später mit einem Elektromotor hochgezogen. Heute wird der aktuelle Wasserstand durch automatische Pegel festgestellt und durch Funksignale übertragen.

Bis 1996 wurde der Wasserstandsanzeiger vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven unterhalten. Seit 1998 gehört das herausragende technische Denkmal, ein maritimes Wahrzeichen Bremerhavens, dem Deutschen Schiffahrtsmuseum. Das DSM ließ den 32 m hohen stählernen Mast sowie das ehemalige Signalwärterhaus mit Mitteln aus der Stiftung „Wohnliche Stadt“ restaurieren. Auch erhielt der Signalmast seine vier charakteristischen roten Bälle und Kegel zurück. 2001 konnte mit Hilfe der Hochschule Bremerhaven – durch zwei Diplomarbeiten – und der Gemeinschaft „Unser schönes Bremerhaven“ als Zwischenlösung für die Wiederinbetriebnahme eine Schautafel installiert werden, die die einstige Funktion des Gittermastes erklärt und den aktuellen Wasserstand sowie die jeweilige Gezeitenströmung auf der Weser mit Hilfe von Leuchtdioden anzeigt.

Auf der Basis dieser Vorarbeiten entwickelten Dipl.-Ing. Andreas Menslage und die Hochschule Bremerhaven ein maßgeschneidertes technisches Konzept mit einer speziellen Software für eine automatisierte Anzeige von Wasserstand und Gezeitenströmung. Mit Hilfe von neun Elektromotoren, die die Seilwinden antreiben, werden der Gezeitenströmungsanzeiger sowie die einzelnen Bälle und Kegel über Rollen bewegt. Die Information über den aktuellen Wasserstand wird aus Funksignalen gewonnen, die vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven ausgesendet werden. Eine speicherprogrammierte Steuerung (SPS) empfängt die Funkdaten, entschlüsselt sie und bewirkt die automatisierte Bewegung der Bälle und Kegel an die richtige Position. Bei Umständen, die den sicheren Betrieb gefährden könnten, schaltet sich die Anlage automatisch ab.