Wir verbinden Kompetenz
Verein Deutscher Ingenieure
 
Verein Deutscher Ingenieure > Über uns > VDI vor Ort > Landesverbände > Veranstaltungen
Folgen:  FacebookTwitterInstagramXingLinkedInYoutube

Landesverband Hessen

Veranstaltungen

Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung bei Industrie- und Infrastrukturprojekten

Hessen fördert den Dialog bei Infrastrukturprojekten

Industrie- und Infrastrukturprojekte werden immer häufiger im direkten Dialog mit der Öffentlichkeit geplant. Um dies erfolgreich in der Praxis umzusetzen, hat der VDI dazu die Richtlinie VDI 7000 erarbeitet und in Frankfurt mit einem hochkarätigen Forum diskutiert.

v.l.n.r.: Dr. Volker Brennecke, Prof. Udo Ungeheuer, Ralph Appel, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Volkmar Roth (Bild: Ruth Krayer, Wiesbaden)
v.l.n.r.: Thomas Norgall, Jürgen Schmidt, Ralph Appel, Dr. Antje Grobe, Matthias W. Send und Gerd-Dietrich Bolte (Bild: Ruth Krayer, Wiesbaden)
Prof. Udo Ungeheuer und Dr. Antje Grobe (Bild: Ruth Krayer, Wiesbaden)
(Bild: Ruth Krayer, Wiesbaden)

Die gesellschaftliche Beteiligung bei Großprojekten ist auch für den Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ein wichtiges Thema: „Bei Infrastrukturprojekten wie Windkraftanlagen oder Verkehrswegen müssen wir frühzeitig die Öffentlichkeit suchen, um mit guten Argumenten die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen“. Dafür sieht er verschiedene Möglichkeiten: „Eine davon ist ein Vorgehen nach der VDI-Richtlinie 7000. In Hessen machen wir gute Erfahrungen mit dem vom Land getragenen Programm ´Bürgerforum Energieland Hessen`, das auf neutrale Sachaufklärung und die Bewältigung von Konflikten setzt. Beide Wege können sich ausgezeichnet ergänzen.“

Dass ein früher Dialog bei Industrie- und Infrastrukturprojekten viele Vorteile bringt und auch früher hätte bringen können, wurde auf der Veranstaltung in Frankfurt sehr deutlich. Der VDI-Landesvorsitzende Volkmar Roth: “Gerade in Hessen gab es in der Vergangenheit eine Vielzahl von Projekten, bei der die VDI 7000 zu einem besseren Dialog zwischen allen Beteiligten hätte beitragen können“.

Die folgende von Antje Grobe moderierte Podiumsdiskussion war auf konkrete Praxisbeispiele gerichtet, in denen frühe Öffentlichkeitsbeteiligung in Hessen erfolgreich umgesetzt wurde. Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte der Deutschen Bahn erläuterte am Beispiel der Trasse Hanau–Würzburg/Fulda, wie eine geeignete Streckenführung durch den Spessart mit Hilfe früher Bürgerbeteiligung gefunden werden kann. Ein unabhängig moderiertes Dialogforum mit 80 Teilnehmern und verschiedenen Arbeitsgruppen sucht nach der für alle Beteiligten tragfähigsten Variante. Diese Dialoge, die integrierter Bestandteil des Planungsprozesses der Bahn sind, gehören inzwischen zum Standard bei der Trassenfindung.

Matthias W. Send vom Energieversorger ENTEGA zeigte am Beispiel der Planung von Windparks im Kaufunger Wald und in Reinheim, dass frühe Beteiligung auch für das Unternehmen großen Sinn macht. Die ENTEGA setzt hier auf den Einsatz von kritischen Gutachtern, die ein hohes Vertrauen auf Seiten der Kritiker genießen und auf eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Politik. „Frühe Kritik ist wirtschaftlich besser zu verkraften als die Klagen nach erfolgter Planung“, so der Prokurist Send zu seinen Erfahrungen.

Ein besonders interessantes Projekt der Erneuerbaren Energien stellte dann Jürgen Schmidt, technischer Geschäftsführer der Überlandwerk Groß-Gerau (ÜWG), vor. Bei der Planung des Geothermiekraftwerks Trebur im Kreis Groß-Gerau wurden im Bürgerdialog technische Maßnahmen entwickelt und Varianten verfeinert, um einen störungsfreien Bohr- und Kraftwerksbetrieb zu gewährleisten. Eine breit angelegte Bürgerbeteiligung und ein Projektbeirat begleiten das Projekt seit 3 Jahren. Eine der Empfehlungen aus dem Beirat war ein neutraler Ombudsmann, der unabhängiger Ansprechpartner für die Bevölkerung ist, falls Schäden auftreten. Diese und viele andere Maßnahmen des Vertrauensaufbaus zahlen sich aus, so Schmidt. Das Unternehmen bohrt seit Ende März mit großem Rückhalt in der Bevölkerung. Die ersten 1200 Meter der 4000 Meter Bohrung sind bereits geschafft.

Die Beispiele aus der Praxis Hessens wurden abschließend von Thomas Norgall, stellvertretender Landesgeschäftsführer des BUND in Hessen, kritisch kommentiert. Die Erfahrungen mit Dialogverfahren der Geothermie und der Bahn wurden bislang positiv hervorgehoben. Am Beispiel des Nachtflugverbots des Frankfurter Flughafen und der Abwasserproblematik aus dem Kalibergbau im hessisch-thüringischen Kalirevier wurden aber auch negative Beispiele genannt, bei denen die Politik die im Dialog beschlossenen Ergebnisse erst unterstützte, dann aber wortbrüchig geworden wäre und sich für stärker umweltbelastende Varianten entschieden hätte. „Dies zerstört das Vertrauen in den Sinn von Dialogen nachhaltig“, so Norgall und forderte mehr Verbindlichkeit von Politik und Verwaltung.

Am Ende der Plenumsdebatte zeigte sich VDI-Präsident Udo Ungeheuer beeindruckt, wie konstruktiv und zielgerichtet frühe Öffentlichkeitsbeteiligung im Sinne der VDI 7000 durchgeführt würde. Den Dialog über Technik effektiver voranzutreiben, sei eine der zentralen Aufgaben des VDI.

Fachlicher Ansprechpartner im VDI:
Dr. Volker M. Brennecke
Tel.: +49 211 6214-474
E-Mail: brennecke@vdi.de

Das Programm des Abends

Hessisches Forum mit Minister Al-Wazir:

Erfolgreich im Dialog planen und umsetzen – Die Richtlinie VDI 7000

Frankfurt, 13. April 2016, Hilton Frankfurt Airport , 18:00 – 21:30 Uhr

Programm als PDF zum Herunterladen

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Hessisches Forum mit Minister Al-Wazir für:

  • Verantwortliche von Industrie- und Infrastrukturprojekten
  • Unternehmensleitungen
  • Öffentliche Verwaltung
  • technische Projektleiter und Ingenieurbüros
  • Kommunikatoren / Pressesprecher

Erfolgreiche Industrie- und Infrastrukturprojekte werden immer häufiger im direkten Dialog mit der
Öffentlichkeit geplant. Projekte können zukünftig besser und schneller realisiert werden, wenn gesellschaftliche Stakeholder früh in die Planung einbezogen werden. Denn zu einem Zeitpunkt, bei dem
Konflikte noch nicht eskaliert sind, lassen sich meist noch gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.
Ein solches Vorgehen ist auch wirtschaftlich geboten, denn es vermeidet in aller Regel spätere rechtliche
Konflikte. Bei der Umsetzung dieses Ansatzes in die Routinen des Projektmanagements stellt sich
dann die Herausforderung, das Ineinandergreifen von technischer Planung und Dialog erfolgreich zu
gestalten. Die neue Richtlinie VDI 7000 verbindet diesen Ansatz mit den neuen rechtlichen Vorgaben
für die Genehmigungsbehörden.


Die Veranstaltung ist an einen ausgewählten Kreis von Entscheidungsträgern gerichtet. Diesen wird die
VDI 7000 vorgestellt, ihr Nutzen an Best-Practice-Beispielen aufgezeigt und ein Forum für den Erfahrungsaustausch
angeboten.

Programm

Moderation: Dr. Antje Grobe, Dialog Basis

18:00 Eintreffen
18:30 Begrüßung
Dipl.-Ing. Volkmar Roth, Vorsitzender des VDI Landesverbandes Hessen
18:35 Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung in Hessen
Tarek Al-Wazir
Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
18:50 Technik im Dialog – Investition in die Zukunft unseres Standortes
Ralph Appel
Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDI
19:00 Einblicke und Ausblicke
Nachfragen an Minister Tarek Al-Wazir und Ralph Appel
19:10 Die VDI 7000: Leitfaden für eine zielgerichtete Umsetzung in die Praxis
Dr. Volker M. Brennecke
Koordinator Gesellschaft und Innovation des VDI
19:25 Podiumsdiskussion
Best Practice-Beispiele:
Welche Strategien des Dialogs haben sich bewährt? Welche Erfahrungen aus den Beispielen sind übertragbar? Welche Unterstützung bietet der VDI?
Erfahrungen der Deutschen Bahn am Beispiel der Trasse Hanau–Würzburg/Fulda
Gerd-Dietrich Bolte, DB Netz AG, Leiter Großprojekte Mitte
Erfahrungen im Geschäftsfeld Windenergie
Matthias W. Send, ENTEGA, Prokurist;
stellv. Vorstandsvorsitzender der ENTEGA Stiftung
Tiefengeothermieprojekt im Kreis Groß-Gerau
Jürgen Schmidt, ÜWG Überlandwerk Groß-Gerau GmbH, Geschäftsführer
Perspektive der Umweltschutzverbände
Thomas Norgall, BUND, stv. Landesgeschäftsführer von Hessen
Angebote des VDI
Ralph Appel, Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDI
20:40 Schlusswort
Dipl.-Ing. Volkmar Roth
20:45 Networking mit Catering
21:30 Ende der Veranstaltung