Direkt zum Inhalt

Künstliche Intelligenz als Zukunftswerkzeug des Ingenieures - online Vortrag am 22.10.2021 mit Prof. Wolfgang Wahlster

Der BV Vorstand hatte eingeladen zum Highlight des diesjährigen Vortrags- und Veranstaltungsprogramms: Vortrag mit Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster, DFKI

Künstliche Intelligenz (KI) wird immer mehr zu einer tragenden Säule technischer Systeme. Selbstlernende, teil-autonome und benutzeradaptive Anwendungssysteme werden bereits erfolgreich eingesetzt. In der industriellen KI für Industrie 4.0 ist Deutschland weltweit führend.

Die zweite Welle der Digitalisierung, die technischen Systemen ermöglicht, digitale Daten inhaltlich zu verstehen, basiert auf maschinellem Wissenserwerb. Prof. Wolfgang Wahlster vom DFKI gab eine leicht verständliche Einführung in die wichtigsten Grundlagen der KI, illustrierte diese anhand von Praxisbeispielen und zeigte Chancen und Risiken der KI auf.

Die KI hat neben ingenieurswissenschaftlichen auch kognitionswissenschaftliche Ziele. In der ersten Welle ging es zunächst noch um die digitale Datenverarbeitung, in der zweiten Welle um das Verständnis der Daten. Es folgten sprachverstehende und bildverstehende Systeme, schließlich autonome Systeme mit kollaborativen Robotern. KI und Big Data erwiesen sich als Turboantrieb für intelligente Fabriken, Produkte und Dienstleistungen.

Steigende Bedeutung erhielt KI in Wertschöpfungsnetzwerken, die kürzere Produktlebenszyklen bei steigender Produktvarianz mit sich brachten. Auch volatile Märkte und der steigender Kostendruck bei gleichzeitigem Fachkräftemangel machten neu Wege erforderlich.

Dabei schlug Prof. Wahlster den Bogen von programmierten Systemen hin zu selbstlernenden Systemen und beschrieb, wie sich aktive semantische Produktgedächtnisse zu einem zentralen Wegbereiter von Industrie 4.0 als „digitale Zwillinge“ entwickelt haben.

Auch offene Probleme beim maschinellen Lernen kamen zur Sprache, wie die Fehlanpassung durch zu viel Training, mangelhaftes Löschlernen und schwache Selbsterklärungsmöglichkeiten.

Als Paradoxon der Künstlichen Intelligenz in der KI-Forschung gilt: Für den Menschen schwere Probleme sind für die KI leicht, für uns leichte Probleme dagegen sind für die KI schwer zu lösen. Expertenintelligenz tritt an gegen kognitive und wissensintensive Fähigkeiten. Für KI ist es heute möglich, Fehler im Computer-Chip zu finden, Schachmeister zu besiegen oder die Stahlproduktion zu optimieren – aber es fehlt der KI noch die Alltagsintelligenz einmal nur ein Loch im Gartenschlauch zu schließen oder den Küchenmüll zu entsorgen, ganz zu schweigen von der Herausforderung ein Kind zu trösten.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Künstliche Intelligenz immer mehr zur Schlüsseltechnologie für Kernbereiche der deutschen Wirtschaft wurde, weil sie die zweite Welle der Digitalisierung ausgelöst hatte. Erfolgreiche KI-Lösungen erfordern besonders im Mittelstand Ingenieure, die aus der Vielzahl der KI-Komponenten eine passende Anwendungslösung erstellen können. Inzwischen wurden die Grenzen selbstlernender Systeme ersichtlich und der neue Megatrend liegt eher in der Kombination numerischer mit symbolischen KI-Methoden. Noch hat Deutschland besonders bei KI-basierten Lösungen im Bereich Industrie 4.0 einen Vorsprung von einigen Jahren im internationalen Vergleich und sollte nicht zögern, diesen Vorsprung weiter auzubauen.

Bericht: Anja Riemer

Artikel teilen