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KÖLNER BEZIRKSVEREIN

Zirkuläre Wertschöpfung

Thema im Fokus "Zirkuläre Wertschöpfung"

Die Transformation von einer Linearwirtschaft hin zu einer zirkulären Wirtschaft mag die verschiedensten Unternehmensbereiche betreffen, wie z.B. F+E,  Beschaffung, Produktion, Vertrieb und Logistik. Ebenfalls dürfte die Regulatorik (Zunahme von gesetzlichen Regelungen und Verpflichtungen) in dem Kontext an Relevanz global zunehmen. Grundsätzlich gibt es eine Vielfalt an unterschiedlichen Konzepten und Herangehensweisen. Darunter fallen Ansätze wie Recycling, Reuse, Repair, Renew, Remanufacture und sogenannte D-Konzepte (z.B. Depolymerize, Deconstruct usw.).

Die zirkuläre Wertschöpfung ist die strukturierte Weiterführung dieser Ansätze. Anstatt zu versuchen, aus den nicht mehr benutzten Materialien die Wertstoffe zu extrahieren, wird ganzheitlich gedacht. Bereits bei der Konstruktion wird die Wiederbenutzung vorgesehen. Vermeidung von später nicht mehr trennbaren Rohstoffen ist damit ein wichtiger Ansatz.

Aus diesen Grundgedanken erhält die Fragestellung eine interessante Bedeutung, ob nach einem Neustart nach der Corona-Krise das zukünftige Geschäftsmodell beeinflusst und gefördert werden kann. Die Krise sehen wir als Chance an, insbesondere durch Nutzung der Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung Zukunftssicherung zu betreiben. Weiterhin bietet diese Fragestellung einen Ansatz, die unternehmens- und branchenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Echte Kreisläufe, die die bisherigen linearen Wertschöpfungsketten ablösen, können nur gemeinsam von allen Marktteilnehmern etabliert werden.

Im Folgenden stellen wir Ihnen unsere Aktivitäten sowie die Akteure unserer Projektgruppe vor.

Unsere Aktivitäten und die Akteure der Projektgruppe

Kooperation von IHK, VDE und VDI

Der UMWELTDIALOG ist ein Veranstaltungsformat der IHK zu Köln, in dem Anfang 2020 ein Kooperationsprojekt von IHK Köln, VDI Kölner BV, VDE Köln zum VDI Fokusthema ZIRKULÄRE WERTSCHÖPFUNG gestartet ist. Moderiert wird es aus VDI-Sicht von Susanne Weisheit, im Kölner BV des VDI verantwortlich für das Thema Zirkuläre Wertschöpfung. Sie beantwortet in diesem Interview, warum das Projekt gestartet ist, was es so besonders macht und welche Meilensteine inzwischen realisiert wurden. 
 

Frage: Frau Weisheit, wie kam es zu der Grundidee und dem Veranstaltungskonzept des Umweltdialogs zur Zirkulären Wertschöpfung?

Susanne Weisheit: Als wir das Programm 2020 Ende letzten Jahres mit der IHK zu Köln und VDE Köln konkretisierten, war der zentrale Gedanke, viele Akteure zu versammeln und nachhaltiges Handeln anzustoßen, also das Fokusthema des VDI nicht nur von allen Seiten zu diskutieren, sondern zu aktiven Umsetzungsschritten zu kommen. 
Der UMWELTDIALOG der IHK zu Köln ist dafür eine ideale Plattform, die dank der professioneller Organisation durch die Kammer seit vielen Jahren starken Anklang bei den Unternehmen im Kölner Raum findet. Auch auf Basis der bewährten Zusammenarbeit mit dem VDE Köln kommen wichtige Impulse und Kontakte zustande.
Schließlich ist mir das Engagement für das Thema schon lange ein zentrales persönliches Anliegen. Ich setze mich beruflich wie ehrenamtlich dafür ein, dass wir alle an Bord holen, um die dringend benötigte wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation für alle hilfreich zu gestalten. Aus meiner freiberuflichen Tätigkeit als Mediatorin und Organisationsberaterin baue ich auch zum Thema zirkuläre Wertschöpfung und Nachhaltigkeit gerne Brücken. Inzwischen hat die Beschäftigung mit Fragen der Nachhaltigkeit angesichts der derzeitigen globalen Krisensituation weiter an Dringlichkeit zugenommen. 

Frage: Was ist das Besondere dieses Umweltdialogs zur Zirkulären Wertschöpfung?

Susanne Weisheit: Hier steht sicher die sehr fruchtbare Zusammenarbeit in den verschiedenen Arbeitsgruppen an erster Stelle. Und das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, da wir nach der erfolgreichen Startveranstaltung im Januar erst einmal ein paar Monate durch Corona verloren haben. Doch im Juni konnten drei sehr motivierte Arbeitskreise ihre Arbeit aufnehmen, die ihre Treffen nun selbstverständlich digital organisieren.
Bei meinem Teil der Moderation der gemeinsamen Aktivitäten kommt es mir sehr darauf an, dass alle Ideen berücksichtigt werden und das Engagement aller Beteiligten gewürdigt wird.
Es begeistert mich, wie zahlreiche Akteure viel ehrenamtliche Zeit investieren, damit wir gemeinschaftlich dazu beitragen, die zirkuläre Wirtschaft nach vorne zu bewegen. Hier sind beispielsweise Naemi Denz, Arndt Schäfer, Lilo Thielen und Detlef Altmeyer vom VDI Kölner BV, Hubert Moritz vom VDE, Julia Heidkamp von der IHK zu Köln und meine Kollegen Matthias Scharnhölz und Hagen Droste zu nennen.

Frage: Was wurde inzwischen erreicht und wo soll die Reise hingehen?

Susanne Weisheit: Wir haben im Rahmen zahlreicher virtueller Treffen der Arbeitsgruppen interessante Ergebnisse erzielt. Unter anderem sind wir dabei, einen Wettbewerb für Best Practice Beispiele aufzustellen, der zukunftsweisende, nachhaltige Projekte der zirkulären Wertschöpfung auszeichnen soll. Dabei sollen Beispiele zum Zuge kommen, die umgesetzt, in Arbeit oder mindestens durchführungsreif sind.
Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Detlef Altmeyer und Arndt Schäfer hat eine Matrix entwickelt, die es Unternehmen ermöglicht, verwertbare Stoffe zu identifizieren, die als Sekundär-Rohstoffe wiederverwendet werden können. Hier geht es im weiteren Verlauf darum, möglichst viele Anwender zu begeistern.
Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Naemi Denz hat sich des Themas Öffentlichkeitsarbeit für verschiedene Stoffströme (z.B. Plastik, Metalle) angenommen und verschiedene Gesichtspunkte beleuchtet. Ein unvorhergesehener Mehrwert ist entstanden, als sich hier sehr gezielt verschiedene Akteure von Unternehmen vernetzen konnten, die nunmehr gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Insgesamt sind wir jetzt schon überzeugt, dass sich auch dieser Umweltdialog an sich für ein Best Practice Beispiel eignet und hoffen auf viele Nachahmer.

(MLS)

Aktivitäten mit Partnern des VDI Kölner BV

Der VDI-Bezirksverein Köln hat gemeinsam mit dem VDE und der IHK Köln zu diesem Thema eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen: den Umweltdialog. Aufgrund der aktuellen Situation finden die Veranstaltungen derzeit online statt.

Aus dieser Verstanstaltungsreihe sind drei Arbeitsgruppen entstanden, die sich regelmäßig zu Workhops treffen. Wenn Sie Interesse haben mitzuarbeiten, wenden Sie sich bitte per E-mail an christian.vossler@koeln.ihk.de. 

Arbeitsgruppe 1 "Abfallkonzept für Industrieunternehmen" 
Arbeitsgruppe 2 "Absatz geht den Weg des geringsten Geldes"
Arbeitsgruppe 3 "Recycling fehlt ein positives Image" 

Ihnen liegt die Zukunft unseres Planeten am Herzen? Sie haben eine Lösung entwickelt oder eine Idee auf dem Weg dahin, die Energie spart, Wiederverwendung sichert oder Rohstoffe sichert? Sie sind auf der Suche nach Umsetzungspartnern oder brauchen Fachkräfte auf dem Umsetzungsweg?

Das Thema zirkuläre Wertschöpfung ist in aller Munde – als ein Weg, den dringend benötigten gesellschaftlichen Wandel zu gestalten. Die Krux dabei: oft wird problemorientiert berichtet. In einer Arbeitsgruppe aus VDI, VDE und IHK im Kölner Raum sehen wir das anders.

Wir wissen von zahlreichen beeindruckenden Lösungen, die Unternehmen entwickelt haben und mit voller Kraft umsetzen. Oft gemeinsam mit Partnern. Wir sind überzeugt, dass es noch viele mehr gibt. Diesen Unternehmenr:innen und ihren Ideen möchten wir zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.

Bewerben Sie bis 28.02.2022 unter Going circular – Best Practice bei Rohstoffeinsatz, Energieeffizienz und Abfallverwendung (ihk-koeln.de)

Die Preisverleihung findet im Mai 2022 statt. Allen Teilnehmenden winkt unabhängig davon ein attraktives Zertifikat und natürlich die damit zusammenhängende Aufmerksamkeit über unsere lokale und überregionale Berichterstattung.

Autorinnen: Susanne Weisheit/Naemi Denz

Sie interessieren sich für nachhaltiges Wirtschaften? Vermeiden von Abfall, Energieeffizienz, Rohstoffe einsparen?

Wir treffen uns einmal im Quartal im Kreis gleichgesinnter Unternehmer und privat Interessierter. Wir tauschen uns aus zu aktuellen Trends und Ideen. Unsere Gespräche leben von Offenheit und Aktualität. Da wir zahlreiche Fachleute verschiedenster beruflicher Herkunft in unseren Reihen haben, ist in der Regel für jeden etwas Neues dabei. Auch knackige Impulsvorträge kommen nicht zu kurz.

Am 24. Februar beispielsweise ging es Stephan Schaller vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and production (cscp) in seinem Impulsvortrag um Geschäftsstrategien für mehr Werterhalt. Im Rahmen des R2piproject entstand ein Innovation Toolkit, das hilft zirkuläre Geschäftsmodelle umzusetzen.

Solche guten Ansätze möglichst in die Breite zu tragen, ist eine Motivation des Stammtisches. Denn jede und jeder bringt aus seiner Perspektive neue Ideen und Gedanken in die Diskussion ein. Dafür vernetzen wir uns.

Gerne erweitern wir unseren Kreis ständig. Sie sind herzlich eingeladen, dazu zu kommen. Die nächsten Termine werden auf der Webseite der VDI-Veranstaltungen im Kölner Bezirk veröffentlicht. Darüber können Sie sich einfach anmelden.

Autorinnen: Susanne Weisheit/Naemi Denz

Susanne Weisheit interviewt Naemi Denz, die sich in der Initiatorengruppe Kreislaufwirtschaft engagiert:

Naemi Denz ist Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung bei der Steinert GmbH, einem Hersteller von intelligenten Sortiertechnologien.
Susanne Weisheit ist Inhaberin von rethinking organisations, einer Beratungsagentur für die empathische Begleitung von Veränderungsprozessen in Unternehmen.
 

Interview

SW: Mehrweg versus Einweg, Kunststoff im Meer, die nur bedingte Verfügbarkeit von Technologiemetallen – der Trend zur zirkulären Wertschöpfung wird heute in der Öffentlichkeit diskutiert. Ist das Thema neu für dich/sie?

ND: Zirkuläre Wertschöpfung oder Circular Economy ist zwar ein neuer Begriff, ich beschäftige mich allerdings schon seit knapp 20 Jahren mit dem Thema. Studiert habe ich technischen Umweltschutz mit Schwerpunkt Abfallwirtschaft an der TU Berlin, später habe ich noch ein Umweltreferendariat gemacht. Da ging es hauptsächlich um den Rechtsrahmen im Bereich Circular Economy, Umwelt und Naturschutz. Lange war die Diskussion eine unter Fachleuten und kaum in der Öffentlichkeit präsent. Im Rahmen meiner Arbeit bspw. für den VDMA – den Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau – hatte ich die Möglichkeit über 10 Jahre intensiv an einem Bewusstseinswandel in Industrie, Politik und Öffentlichkeit zu arbeiten. Für meinen jetzigen Arbeitgeber – die Firma Steinert in Köln – beschäftige ich mich mit technischen Lösungsmöglichkeiten für die bessere Nutzung von Ressourcen. Das hat heute unter anderem mit Digitalisierung und einer engen Zusammenarbeit von unterschiedlichen Disziplinen zu tun. Viele Themen können Unternehmen aus sich heraus gar nicht mehr lösen. Es geht um Partnerschaften mit anderen.

SW: Das klingt nach Bohren dicker Bretter?! Und nach der Notwendigkeit, dass sich Unternehmen verändern, sowohl bezüglich der Arbeitsweise als auch des eigenen Geschäftsmodells.

ND: Ja, da ist schon was dran. Früher hat man der Politik, den NGOs, die sich für mehr Zirkularität eingesetzt haben, versucht den schwarzen Peter zuzuschieben. Ganz nach dem Motto: dein Geschäftsmodell ist ja nicht betroffen, du musst dein Produktportfolio nicht umstellen. Es ging also auch darum, erst einmal die Fronten aufzubrechen. Erst wenn sich Organisationen und Personen nicht mehr bedroht fühlen, setzt ein positiver Denkprozess ein. Das hat auch viel mit gegenseitiger Akzeptanz zu tun.

SW: Offensichtlich gibt es eine Reihe Unternehmen, die schon sehr früh auf zirkuläre Wertschöpfung gesetzt haben. Was macht solche Unternehmen aus deiner/aus Ihrer Sicht aus?

ND: Oftmals sind die ersten Geschäftsideen solcher Unternehmen ganz klar auf ein bestimmtes Problem einer einzelnen Anwenderbranche ausgerichtet. Die first mover im Bereich zirkuläre Wertschöpfung haben eine solche Geschäftsidee entwickelt bevor es den Begriff überhaupt gab. Aber nicht jeder first mover bleibt im Geschäft. Wichtig ist eine permanente Weiterentwicklung der Technologien und Dienstleistungen, aber auch die Bereitschaft völlig andere Ansätze zu denken. Die aktuelle Diskussion um ein Mehr Recycling im Verpackungsbereich zeigt tolle Beispiele: mit Künstlicher Intelligenz, der Kombination verschiedener Erkennungstechnologien und dem Einsatz von Sortierrobotern gab es wichtige Innovationssprünge.
Ich glaube an diesem Beispiel sieht man gut: eine hohe Innovationsbereitschaft, der Mut neue Wege zugehen und nah am Markt agieren, das sind die Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg. Und für fast jedes Problem gibt es eine technische Lösung. Erfindergeist und Spaß an neuen Produktentwicklungen sind eine gute Basis auch Zukunftsthemen lösen zu können.

SW: Herausforderungen und Trends gibt es viele auf der Welt. Warum treibt dich gerade die zirkuläre Wertschöpfung so um?

ND: Genähert habe ich mich dem Thema aus technologischer Hinsicht. Als Kind war ich begeistert von Müllfahrzeugen. Im Studium habe ich mich dann der Abfalltechnik gewidmet und später meine Begeisterung für die für die Abfallwirtschaft notwendigen Rahmenbedingungen entdeckt. Außerdem komme ich aus einem Haushalt mit einem starken kommunalpolitischen Engagement für Umweltthemen. Die Bewahrung der Natur war Bestandteil der Gespräche am Küchentisch.
Die Bilder von Plastikmüll und Löchern in der Natur durch den Abbau von Primärressourcen, die heute durch die Presse geistern, zeigen aus meiner Sicht deutlich, dass es nach wie vor einen hohen Handlungsbedarf gibt. Vielleicht ist dieser Bedarf auch durch die Medienpräsenz deutlicher geworden. Aus meinem Technikinteresse ist also im Laufe der Zeit ein positives Gestaltungsinteresse geworden. Dieses Interesse sehe ich bei vielen Personen, Unternehmen und anderen Organisationen. Der Veränderungswille ist an vielen Stellen da. Er braucht aber Unterstützung im Bereich Changemanagement.

(Autoren: Susanne Weisheit/Naemi Denz)