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Frauen im Ingenieurberuf - FIB OWL

VDI OWL/Frank Nitschke
VDI OWL/Hanna Retz
VDI OWL
VDI OWL/Frank Nitschke
VDI OWL e.V.
FH Bielefeld/IuM
Bild: VDI OWL/Kristin Prondzinski

Streitgespräche zum 1,5-Grad-Ziel

Frauen im Ingenieurberuf berichten aus der Praxis

In dieser Reihe stellen wir Frauen vor, die das 1,5-Grad-Ziel in Forschung, Lehre, Berufspraxis, politischem Engagement und anderen Aktionsfeldern gestalten.

  • 2. Streitgespräch zum 1,5-Grad-Ziel - 26.05.2021 - mit Gabriele Paßgang, Ressourceneffizienzberaterin, Katharina Schnatmann, 2017 Studentin der Regenerativen Energien an der FH Bielefeld und Eva Schwenzfeier-Hellkamp, Professorin an der Fachhochschule Bielefeld, Studiengang Regenerative Energien und in der Forschung im Institut für Technische Energie-Systeme (ITES).
  • 1. Streitgespräch zum 1,5-Grad-Ziel - 24.03.2021 - mit Silke Behrens, Bauingenieurin und Wirtschaftsjuristin & Phöbe Schröder, Klimaaktivistin aus Herford, Studentin an der Universität Landau.

Initiiert von Heike Wulf - Leiterin des Netzwerkes Frauen im Ingenieurberuf VDI OWL

Frauen initiieren und setzen Geschäftsmodelle für eine Circular Economy um!

Wir nutzen Alternativen und sind damit erfolgreich - Veranstaltungsreihe 2020/2021

In unserer virtuellen Reihe stellen wir Ihnen Geschäftsfrauen, Designerinnen oder Entwicklerinnen vor, die alternative Materialien und Nebenprodukte für ihre Produktidee verwenden. Als Impulsgeberinnen berichten sie uns von ihren Ideen & dem „Warum“, von Mut & Wahnsinn, von Design & Prozessen, von Stolpersteinen und neuen Wegen, von Gewinnen & Verlusten, dem Stand der Dinge & ihren Aussichten.

Unter "Berichte-Infos-Downloads" auf unserer Seite zum VDI Fokusthema "Zirkuläre Wertschöpfung" finden Sie alle Videos und/oder Präsentationen.

Veranstalter sind Heike Wulf (Netzwerk "Frauen im Ingenieurberuf"/VDI OWL und Effizienz-Agentur NRW) und CirQuality OWL: Friederike David, CirQuality OWL/VDI OWL.

FIB OWL stellt sich vor

Wer wir sind

Die Gruppe Frauen im Ingenieurberuf vertritt die Ingenieurinnen in der Öffentlicheit und im Berufsleben. In 2001 haben wir ein „Bielefelder Netzwerk für weibliche Ingenieurinnen“ gegründet. Aktuell zählt unser Netzwerk 230 Ingenieurinnen, Naturwissenschaftlerinnen und Studentinnen aus OWL.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Belange der Ingenieurinnen in der Öffentlichkeit und im Berufsleben zu vertreten, den Ingenieurberuf für Frauen attraktiver zu machen und eine Vernetzung für uns „Exotinnen“ durch einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch zu fördern. Ein nationales und Internationales Ingenieurinnen-Netzwerk unterstützt uns bei der Durchführung und Organisation unserer Projekte und Aktivitäten.

Was wir wollen

  • Ingenieurinnen in Politik und Gesellschaft vertreten.
  • Mädchen Wege zur Technik ebnen und Schülerinnen ermutigen, den Ingenieurberuf zu ergreifen.
  • Verantwortungsbewusst die technische Entwicklung mit steuern.
  • Eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Frauen und Männer erreichen.
  • Erweiterung unserer Chancen durch Vergrößerung unseres Netzwerkes

Was wir tun

  • Regelmäßiger Erfahrungsaustausch innerhalb unseres Netzwerkes
  • Organisation von  Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsveranstaltungen
  • Weitergabe wichtiger und aktueller Informationen aus dem Bereich fib
  • Mitgestaltung der Zukunft im VDI OWL

Rückblick

  • VDI-Mitglied und FH-Professorin Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp für Bielefelder Frauenpreis nominiert: Presse - Preisverleihung 2020
  • Workshop "Persönliche Agilität stärken: Einladung zum „Mini-Bootcamp“ mit Weitblick", Anlass: 18 Jahre Frauennetzwerk im VDI OWL, zu Gast bei Kaiser Wilhelm an der Porta Westfalica. Siehe Fotogalerie - 2019.
  • Workshop zum Thema:  Frauen in Forschung und Entwicklung: Wir wollen mehr Verantwortung! Im Magazin der WEGE Bielefeld, Vera Wiehe, 2019 (ab Seite 72).
  • Vom Hidden Champion zum Role Model - Biografien im Magazin  "Mehr Frauen in Führung 2017"(ab Seite 64)
  • Preisverleihung "OWL-Ingenieurin des Jahres": Mit dem Preis „OWL-Ingenieurin des Jahres“ werden Ingenieurinnen mit starkem Bezug zu OWL ausgezeichnet, die sich für Gleichstellung von Frau und Mann sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen, sich für das Thema Nachhaltigkeit engagieren und junge Menschen für den Ingenieurberuf begeistern. Von 2010 bis 2012 wurde jeweils eine Ingenieurin ausgezeichnet: ...weiterlesen + Presse
  • 13. Nationaler Kongress Frauen im Ingenieurberuf - in Bielefeld, 21.–23. September 2007
    Die fabelhafte Welt der Ingenieurinnen - Visionen für Technologie und Arbeitswelt
     

Kooperationen

Role Models - Frauen als Vorbilder im Ingenieurberuf

"Es ist noch viel zu tun"

Elke Heitmeier, Jahrgang 1955, Diplom-Ingenieurin, verheiratet

Warum ein ingenieurwissenschaftliches Studium? Warum die Fächerwahl?

Ich war sehr früh sehr sicher. Als Kind galt mein Interesse dem Spielzeug meines zwei Jahre jüngeren Bruders, wie Autos und Eisenbahnen. Meine Puppen habe ich auseinandergebaut und geschaut, wie Gelenke und Klappaugen funktionieren. In der Schule interessierte mich alles Naturwissenschaftliche und Technische. Mein Physiklehrer hat mich unterstützt und zum Wettbewerb „Schüler experimentieren“ geschickt. Das motivierte mich, die Neigungen zum Beruf zu machen. Das Ziel, Ingenieurin für „Physikalische Technik“ zu werden, stand nach der professionellen Beratung des Arbeitsamts in meiner Schulklasse fest. Die Lehre als Physik-Laborantin bei einem Forschungsinstitut in Düsseldorf war dabei die geplante Vorbereitung.

Vorbilder? Familientradition?

Das Interesse für Technik, Reisen und die Welt habe ich von meinem Vater, der Beamter war. Studieren sollte allerdings mein Bruder, mir hat man das nicht zugetraut. Meine Eltern bestimmten, dass ich zunächst eine solide Ausbildung absolvierte – im Rückblick eine weise Entscheidung. Volljährig, habe ich mich Mitte der 1970er Jahre bei der Fachhochschule Hagen, Abteilung Iserlohn eingeschrieben. Das Studium fiel mir durch meine Lehre sehr leicht. Mit 23 Jahren war ich Diplom-Ingenieurin.

 

Erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht?

Als Werksstudentin habe ich den Kontakt zu meinem Ausbildungsinstitut gehalten. Nach Studienabschluss konnte ich dort sofort als Projektingenieurin anfangen. Mein Einstieg war also problemlos. Ende der 1970er Jahre wurden händeringend Ingenieure gesucht, die Vorbehalte gegenüber Frauen in einem technischen Beruf waren jedoch sehr hoch.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund?

Der Professor, der meine Diplom-Arbeit betreut hat, wollte mich an ein Unternehmen vermitteln – dieses lehnte ab, sie wollten keine Frau. Danach habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Mein erster Chef kam aus dem Ostblock, wo Ingenieurinnen üblich waren – er hat mich moralisch sehr unterstützt. Zudem kannte man mich und meine Leistungsfähigkeit aus der Lehrzeit. Meine zweite Stelle als Prozessentwicklungsingenieurin habe ich bei einem us-amerikanischen Unternehmen angetreten. Die Tore standen mir alle sperrangelweit offen. Dann habe ich geheiratet und 1986 wurde mein Sohn geboren. Mein direkter Vorgesetzter war nicht begeistert, aber das Unternehmen hat meine sechsmonatige Erziehungspause mitgetragen. Danach konnte ich meine vorherige Position wieder einnehmen. Auch in allen weiteren Unternehmen und Positionen kamen meine Qualifikation und meine Berufserfahrung zum Tragen – mein Geschlecht spielte keine Rolle. 

 

Tipps für den Einstieg:

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll?

Als Frau ein Ziel vor Augen zu haben und es zu verfolgen, die eigenen Stärken zu kennen und das herauszustellen, was zu einem potentiellen Arbeitgeber passen könnte. Strukturiertes Denken und Vorgehen ist sinnvoll. Ansonsten: Kontakte sind immens wichtig.

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden?

Das ist eine Typ-Frage und hängt von der jeweiligen Situation ab. Ich habe Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein gezeigt, aber auch Kooperationsbereitschaft und Solidarität. 

 

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Aufstiegschancen?

Mein erster Chef hat mir sehr geholfen. Auch in der us-amerikanischen Firma gab es Frauenförderung. Man braucht Unterstützung. Die kam, nicht weil ich eine Frau war, sondern weil meine Vorgesetzten von mir persönlich überzeugt waren. Ab 1995 war ich sechs Jahre lang Leiterin eines Anwendungs- und Softwareentwicklungszentrums in der Informationstechnologie und hatte 220 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich war sehr erfolgreich und habe gut verdient.

Besondere Herausforderungen im Job?

Nachdem ein IT-Großprojekt unter meiner Regie abgeschlossen war, erlitt ich einen Unfall mit langwierigen Folgen und dann einen Schlaganfall. Als ich länger wegen Krankheit ausfiel, hatte ich das Empfinden, man wollte mich loswerden – ich fühlte mich gemobbt. Ich hätte mir eine klare Aussprache gewünscht und eine einvernehmliche Trennung.

Wie habe ich persönliche Herausforderungen gemeistert?

Wegen schwerer Krankheit bin ich 2006 mit Anfang 50 in den Ruhestand verabschiedet worden. Ich habe lange für meine Genesung gebraucht und deshalb nur Minijobs und kleine Projekte angenommen. Die persönliche Herausforderung habe ich gemeistert durch den Mut, unbekanntes Terrain zu durchlaufen, neue Projekte anzugehen. 2010 habe ich eine Zusatzausbildung im medizinischen Dienstleistungsbereich absolviert und danach unter anderem in einer medizinischen Praxis bei laufendem Betrieb die Patienten-Verwaltung und -Abrechnung auf elektronischen Betrieb umgestellt. Jetzt bin ich wieder ganz gesund.

 

Berufliche Weiterentwicklung – Planung

Was für Stationen sind noch geplant?

Nun bin ich bereit für einen beruflichen Wiedereinstieg in Teilzeit. Ich suche derzeit eine qualifizierte Aufgabe als Diplom-Ingenieurin. Zudem bin ich fast 40 Jahre lang Mitglied im VDI, mir hat das als Frau im Ingenieurberuf sehr geholfen. Deshalb würde ich jetzt gerne etwas zurückgeben und Frauen im Berufsleben und Studentinnen unterstützen, beispielsweise als Mentorin oder Coach. 

 

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen? Was ist kritisch zu bewerten?

Heute würde ich meine beruflichen Ziele nicht mehr ganz so hart verfolgen. Auch wenn ich damit Erfolg hatte, würde ich mehr Rücksicht auf soziale Komponenten nehmen. Sozialkompetenz einzuüben wäre schon während der Studienzeit notwendig. Ingenieur-Berufe sind aber ein Sammelbecken für strukturiertes Denken. Wirtschafts-Know-how lernt man ansatzweise. Ansonsten lernt man noch, Bewerbungsgespräche zu führen. Soziale Kompetenzen, Teamwork lernt man nicht. Das ist aber sehr wichtig. 

 

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen?

Ein gutes Projektmanagement und die Übertragung privater Aufgaben und Pflichten. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich nur eine kurze Pause gemacht und danach eine Tagesmutter und eine Haushälterin eingespannt. Strukturiertes Denken und Handeln helfen in beiden Bereichen, aber es sind zwei verschiedene Welten mit unterschiedlichen Regeln. Ich tanke in der einen Welt Kraft für die jeweils andere, das ist mein Trick.

 

Zuguterletzt

Ich frage mich, was passieren muss, damit mehr Teilzeit-Beschäftigung auch für hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte möglich wird? Mit der Arbeitgeber-Strategie „Vollzeit mit Überstunden oder gar nicht“ lässt sich der Fachkräfte-Mangel nicht kompensieren.

"Zeigen, was man kann"

Carla Luttermann, Jahrgang 1986, Projektmanagerin, verheiratet

Warum ein ingenieurwissenschaftliches Studium? Warum die Fächerwahl?

Meine drei großen Brüder hatten alle ein frisiertes Mofa. Mit 15 Jahren habe ich das erste Mal zusammen mit meinem Stiefvater am eigenen Mofa herumgeschraubt. Das hat mir Spaß gemacht. Später kam der Roller dran, bereits mit Elektrik, danach das Auto. Ich fahre bis heute einen Peugeot, an dem ich alles selber machen kann. Nach Praktika bei einer Zeitung, einem Rechtsanwalt und einer Werbeagentur habe ich gemerkt: Das Technische macht mir mehr Spaß. So habe ich mich für ein Studium der Mechatronik im Dualen System entschieden.  

Vorbilder? Mein Stiefvater als Maschinenbau-Ingenieur.

Familientradition? Bei uns zuhause gab es keinen Unterschied in der Rollenverteilung – Reifenwechsel, Essen kochen, Wäsche waschen, alles wurde gleich bewertet. Meine Mutter, eine Lehrerin, hat mir das Bewusstsein vermittelt: In einem Männerberuf kann es schwierig werden, aber wenn Du das willst, dann mach’ es.

Erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht? Über das Duale Studium hatte ich sofort einen geregelten Praxisanteil und habe Geld verdient. Ich hatte mich verpflichtet, drei Jahre in dem beteiligten Unternehmen zu bleiben – und arbeite bis heute dort. Schon während des Studiums war ich in verschiedenen Abteilungen: Konstruktion, Produktion, Prüftechnik. 

Arbeitsmarktsituation schwierig/leicht? 2006 gab es nicht viele Unternehmen, die sich für ein Duales Studium zur Verfügung stellten. Ich habe mich bundesweit beworben.  Grundsätzlich sind die Einstellungsvoraussetzungen schwierig, auf eine Stelle im Dualen Studium kommen derzeit 70 Bewerbungen. Es wird ein gutes Abitur (mindestens 2,4) gefordert, mit Leistungskursen Mathematik und Physik.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund? An der Uni waren in einem Kurs 30 Studenten und vier Studentinnen. Es gab Professoren, die haben alle Frauen mit 4.0 benotet mit der Begründung: Ich weiß, dass sie es nicht besser können. Das kann man nur mit Humor nehmen. Meine Bachelor-Arbeit habe ich in der Prüftechnik geschrieben und bin danach als Prüfingenieurin eingestellt worden, in einem Team mit sieben Männern. Im Vorstellungsgespräch und bei den Kollegen, war das kein Thema, in anderen Abteilungen nur unterschwellig. Dort wurde anfangs meine Kompetenz in Frage gestellt  Meine Kollegen und der Chef haben mir von Anfang an den Rücken gestärkt.

Tipps für den Einstieg:

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll? Ich arbeite in der Produktion. Wenn eine Frau hier täglich mit hohen Schuhen kommen würde, hätte sie es vielleicht schwerer. Das wäre eher unpassend, hier sind Sicherheitsschuhe gefragt. Ansonsten kann ich dort sein, wie ich bin – authentisch.

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden? Wenn man den Männern einmal gezeigt hat, dass man etwas kann, ist es egal, wie man sich kleidet. Ich unterhalte mich auch mal mit Kollegen über Autos und Werkstätten und mit Kolleginnen über  Shoppen und Mode.

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Besondere Herausforderungen im Job? Seit 2009 bin ich im selben Unternehmen, nur meine Aufgaben haben sich geändert: Mein erster Bereich hatte mehr mit Maschinenbau, mit Motoren zu tun, jetzt dreht sich alles um Elektrik und Software. Mein Arbeitgeber hat meine einjährige Weiterbildung zur zertifizierten Projektmanagerin unterstützt und finanziert. Werde ich einem Projektteam zugeordnet, bin ich dort mit meinem Beitrag und meiner Leistung mitverantwortlich für das Ergebnis. Bei Projektlaufzeiten bis zu zwei Jahren läuft das Tagesgeschäft mit.

Wie habe ich persönliche Herausforderungen gemeistert? Ich habe gezeigt, das ich es kann. Bei den Projektteams hat man anfangs nicht unbedingt Ahnung vom Thema – da geht es beispielsweise um die Ergründung neuer Klebetechniken in der Produktion. Man arbeitet sich ein und ist hinterher Expertin. Man profitiert vom Wissen der anderen, jeder weiß etwas. So wird Wissen zusammengezogen.

Besondere Aufstiegschancen? Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich gut, meine Zukunftsaussichten sind positiv. Ich kann mich als Projektmanagerin über Projekte profilieren, über größere Projekte mit mehr Budget und mehr Projektteilnehmern.

Berufliche Weiterentwicklung - Planung

Was für Stationen sind noch geplant? Derzeit habe ich keine konkreten beruflichen Pläne. In punkto Karriere muss man immer entscheiden: Will man mehr Personal oder mehr fachliche Verantwortung? Will man 60 Stunden in der Woche arbeiten? Was bedeutet Karriere und will ich das? Ich habe jetzt eine 35-Stunden-Woche, mit Freizeitausgleich bei Überstunden und es ist toll, auch mal um 15 Uhr zuhause zu sein.

Derzeitiger Arbeitgeber

Was ist besonders positiv beim jetzigen Arbeitgeber? Ich habe gerade geheiratet. In meinem Unternehmen gibt es individuelle Familienregelungen. Ich kenne verschiedene Modelle: Man muss wissen, was man will und sich einsetzen, dann gibt es eine Lösung. Da hilft die Größe meines Arbeitgebers. Mein aktueller Chef weiß, was ich kann und setzt sich für mich ein.

Besonders positiv ist auch die Flexibilität. Ich habe meine Mutter unterstützt bei der Versorgung meiner pflegebedürftigen Oma – da habe ich im Notfall auch mal einen Tag frei bekommen, ohne Diskussion.

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen? Was ist kritisch zu bewerten? Ich weiß nicht, ob ich noch einmal ein Duales Studium absolvieren würde. Das waren drei extreme Jahre, nach dem Abi direkt Studium und Job in einem. Vier Jahre reines Studium wären auch in Ordnung gewesen, aber vielleicht hätte ich dann nicht diese beruflichen Chancen. Ich würde nicht tauschen.

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen? Es ist gut, wenn man Spaß am Job hat. Dann ist man auch zuhause ausgeglichener.

Zuguterletzt

Ich würde gerne mehr Frauen für technische Berufe begeistern. Mein Wunsch ist es zu zeigen: Man kann das auch als Frau – genauso gut wie als Mann. Ich hätte gerne mehr Kolleginnen!

"Die ersten Kinder – für meinen Chef kein Problem"

Vanessa Prott-Warner, Jahrgang 1969, Diplom-Ingenieurin, MBM, verheiratet, drei Kinder

Warum ein ingenieurwissenschaftliches Studium? Warum die Fächerwahl?

Ich habe mich immer stark für Naturwissenschaften interessiert, hatte in der Schule Mathematik und Physik als Leistungskurse. In Physik war ich richtig gut. Nach dem Abitur war ich unschlüssig, ob ich als junge Frau ein Physikstudium schaffen würde und habe zunächst Chemietechnik gewählt. Dann habe ich doch studiert, was ich für richtig hielt: Physiktechnik, mit viel Einblick in Elektrotechnik, Maschinenbau und Mechanik. Das war genau das Richtige.

Vorbilder? Familientradition?

Ich war die erste in der Familie mit akademischer Laufbahn.

Erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht?

Ich habe 1995 eine Initiativbewerbung an einen Mittelständler in Ostwestfalen-Lippe (OWL) geschickt, der Weltmarktführer in einer Nische war – es hat sofort geklappt. Ich wurde als Projektleiterin eingestellt.

Arbeitsmarktsituation leicht/schwierig?

Mitte der 1990er Jahre war es schwierig, eine Stelle zu finden. Ich habe mich auch auf normale Jobs beworben.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund?

Nein. Ich habe als frische Absolventin weltweit Anlagen in Betrieb genommen, ich war die einzige Ingenieurin unter den Herren. Es war super stressig, hat aber super Spaß gemacht. Nach vier Jahren hat mein Chef mir vorgeschlagen, in den Vertrieb zu wechseln und ich habe nebenberuflich ein Master-Studium Technischer Vertrieb absolviert. Danach habe ich drei Jahre lang weltweit als Vertriebsingenieurin gearbeitet.

Tipps für den Einstieg:

Welche Erfahrungen liegen vor?

Mein Jobeinstieg war sehr gut. Ich hatte das Gefühl, stark gefördert zu werden – unabhängig von meinem Geschlecht.

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll?

Ich war früher relativ schüchtern und habe deshalb den Umweg über die Chemie genommen. Das erfüllte mich nicht, ich war aber so erzogen, dass man zu Ende macht, was man anfängt. Chemie haben viele Frauen studiert, Physik weniger. Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und tun, was man möchte. Man sollte sich engagieren für Dinge, die einem Spaß machen. 

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden?

Für mich war immer wichtig: Es geht um die Sache und nicht um das Geschlecht. Männer schauen manchmal komisch, wenn man etwas weiß oder ihnen etwas beibringen will. Ist man dann überzeugend, ist es gut. Ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht. Man wird akzeptiert, wenn man so auftritt, dass man Respekt einfordert, man muss Kompetenz ausstrahlen. Bei Kundengesprächen habe ich oft erst ein Innehalten bemerkt und später große Akzeptanz und Respekt. Mir hat man mal den Spruch zugeschrieben: „Durchsetzungsfähig wie fast kein Mann, nimmt sie sich der Probleme an!“ Das muss man sein, sonst wird man überrollt. Männer haben oft Sprüche, die muss man wechseln können.

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Besondere Herausforderungen familiärer Art?

Bei einem beruflichen Aufenthalt in den USA habe ich meinen Mann als damaligen Kollegen kennen gelernt. Wir haben dort geheiratet. In der Firmenkultur war das durchaus gerne gesehen. Für unser erstes Kind habe ich nach dem Mutterschutz und Elternzeit sehr schnell wieder stundenweise arbeiten können, das war überhaupt kein Problem. 15 Monate später kam unser zweites Kind – auch das war für unseren Arbeitgeber kein Problem. 

Besondere Herausforderungen im Job?

Das war die Firmenübernahme, als ich in Elternzeit war. Ich habe versucht, den Kontakt zu halten und für ein Jahr ein Aupair-Mädchen engagiert. Da ich die Assistentin des Hauptgeschäftsführers war, musste ich oft zum neuen Firmenhauptsitz nach Darmstadt. Ich bin schließlich vom aktiven in den internen Vertrieb gewechselt und habe mich um die Vertreter, um Abrechnungen und Vertragsgestaltung gekümmert. Dann wurde der ursprüngliche Standort in OWL aufgegeben. 2005 wurde unser drittes Kind geboren, da habe ich mir drei Jahre Auszeit genommen.

Nach Ausstieg -> Wiedereinstieg gelungen?

Als der dritte Sohn in den Kindergarten kam, bin ich mit einem neuen Vertrag zurück in dieselbe Firma mit anderem Namen. Ich habe zeitreduziert im Vertrieb angefangen und nach drei Jahren gekündigt. Der neue Standort war zu weit weg, nach der Verlagerung war Teilzeitarbeit schwierig und meine Familie hat mich stärker gebraucht. Ich habe mich selbstständig gemacht und Kurse und Workshops im EDV-Bereich gegeben, hauptsächlich für Frauen. Das lief gut, aber ich suchte eine neue Teilzeitstelle. 2013 habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einer Hochschule angefangen – in der Wirtschaft sind Stellen im Maschinenbau von Männern besetzt, Teilzeit ist da eher unüblich.   

Berufliche Weiterentwicklung – Planung

Seit 2013 arbeite ich 30 Stunden in der Woche auf einer jetzt unbefristeten Stelle im Öffentlichen Dienst. Ich bin heute wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Lehrverpflichtung und habe viel Kontakt mit Studierenden und der Industrie. Ich möchte an der Hochschule bleiben und mich dort weiterentwickeln, zum Beispiel über eine Promotion. Ich kann mir auch eine Stundenerhöhung oder Vollzeitbeschäftigung vorstellen.

Derzeitiger Arbeitgeber

Was ist besonders positiv beim jetzigen Arbeitgeber?

Besonders positiv ist die zeitliche Flexibilität im Öffentlichen Dienst.

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen?

Ich bin unbedarft an alles herangegangen, ohne Zehn-Jahres-Plan. Ich habe meinen Mann kennen gelernt und Kinder bekommen – und würde nichts anders machen. Ich habe einen relativ steilen Aufstieg gemacht bei entsprechender Bezahlung. Durch die Familienplanung bin ich beruflich wieder etwas zurückgefahren, das habe ich bewusst in Kauf genommen. Ich wollte Zeit für die Kinder haben.

Was ist im Rückblick kritisch zu bewerten?

Es ist schwierig, wenn man eine Firma verlassen hat und will mit Kindern nicht wieder Vollzeit arbeiten. In der Bewerbungsphase um einen neuen Job war ich interessant, aber sobald von Teilzeit die Rede war, war es vorbei. Es geht aber nicht beides: in der Familie voll durchstarten und beruflich. Der Tag hat nur 24 Stunden.

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen?

Einfach machen, mit Begeisterungsfähigkeit, gestalterischem Drang, hohem Engagement und Spaß.

Zuguterletzt

Ich würde mir gerade im Maschinenbau Arbeitgeber wünschen, die flexible Arbeitszeiten anbieten. Ich hoffe, das ändert sich in Zukunft: dass das Ergebnis zählt und nicht, wer am längsten im Büro sitzt. Leider wird momentan Engagement in der Kindererziehung nicht akzeptiert. Das ist nicht gut für die Gesellschaft. Kinder sind wichtig und da sehe ich die Frauen klar im Nachteil. Emanzipation heißt nicht nur, dass Frauen in Männerberufe gehen, sondern auch, dass Männer in der Familie mehr Aufgaben übernehmen. Es bräuchte mehr Modelle und die Denkweisen müssten sich ändern: Kinder sollten nicht als Belastung und sich kümmernde Mütter nicht abwertend betrachtet werden.

"Mit Stipendium und VDI zum Traumjob"

Darja Schmidt, Jahrgang 1988, unverheiratet, keine Kinder

Warum ein Studium im Bereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik? Warum die Fächerwahl?

Ich hatte immer Interesse und Spaß an Mathematik. Das hat sich schon in meiner Kindheit gezeigt. In der Grundschule war das mein liebstes und bestes Fach mit meinem Lieblingslehrer. Schon in der Realschule hatte ich das Ziel, Mathematik zu studieren. Nach meinem Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung habe ich zur Sicherheit – man hörte von vielen Studienabbrechern – erst mal eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht. Danach habe ich ein Studium der Angewandten Mathematik am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik an einer Fachhochschule absolviert, mich mit Forschung und Naturwissenschaften beschäftigt und im März 2015 mit einem Bachelor of Science abgeschlossen.

Vorbilder? Familientradition?

In meiner Familie hatte noch niemand studiert vorher – ich war die erste. Meinem älteren Bruder, der sich auch für Mathematik interessiert hat, habe ich das Studium schmackhaft gemacht. Er wird demnächst das Gleiche studieren wie ich. Bei meiner Studien- und Berufswahl haben mich meine Eltern immer unterstützt.

Erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht?

Zu meinem Job bin ich gekommen, weil ich schon während meines Studiums als Stipendiatin ausgewählt und dem VDI als Förderer zugeordnet wurde. Über Veranstaltungen des VDI habe ich meine jetzige Arbeitgeberin und ihr Unternehmen, ein IT-Unternehmen im Bereich Software-Entwicklung, kennen gelernt und dort ein Pflichtpraktikum im Bereich der Forschung absolviert. Mein jetziges Arbeitsfeld ist auch die Forschung. Dabei befasse ich mich mit der Verarbeitung von Daten – unter anderem zur Anomalie-Erkennung.

Auch meine Bachelor-Arbeit konnte ich in diesem Bereich schreiben und hatte danach die Möglichkeit, im Unternehmen weiter zu arbeiten. Der Vorteil: Man hatte sich  gegenseitig kennen gelernt, ich brauchte keine Einarbeitung, das war alles sehr gut. Der Einstieg war optimal, es hätte nicht besser laufen können.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund?

In meinem Studiengang gab es mehr Frauen als Männer, also gehen wir schon in die richtige Richtung. Momentan arbeiten aber noch mehr Männer in diesem Berufsbereich. Ich selbst habe viele Kolleginnen, ein Drittel des etwa 20-köpfigen Teams sind Frauen.

Tipps für den Einstieg:

Welche Erfahrungen liegen vor?

Ich kann nur jeder Frau raten, sich für ein Stipendium zu bewerben, wenn sie die entsprechenden Noten hat.

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll?

Man sollte jede Möglichkeit zum Netzwerken nutzen: Hochschulveranstaltungen, Messen mit potentiellen Arbeitgebern. Es ist immer wichtig, ins Gespräch zu kommen. Der VDI als persönlicher Förderer hat bei mir auch eine große Rolle gespielt – ohne den Verein und den Studienfonds hätte ich meine Arbeitgeberin wahrscheinlich nicht kennen gelernt.

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden?

Mir ist bisher persönlich nichts Nachteiliges widerfahren. Ich fühlte mich immer akzeptiert. Wichtig sind Durchsetzungsvermögen sowie klare Vorstellungen und Ziele.

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Besondere Herausforderungen im Job?

Schon in meinem Mathe-Studium habe ich mich mit Technik, Wirtschaftslehre und Informatik befasst. Neben dem Grundwissen habe ich mich immer Richtung Informatik spezialisiert und alles über Computersprachen studiert. Meine Bachelorarbeit war sehr praxisnah, über neurale Netze als Methode zur Zustandsüberwachung von Maschinen. Dieses Thema ist momentan sehr gefragt und viele Unternehmen beschäftigen sich damit, auch in meinem Unternehmen befassen wir uns mit diesem Bereich. Bei der Erprobung bin ich als Data-Scientist involviert.

Bislang gab es nur Höhen in meinem beruflichen Werdegang.

Besondere Aufstiegschancen?

Ich denke, eine Weiterentwicklung in meinem Unternehmen ist möglich. Ich möchte gerne Karriere machen.

Berufliche Weiterentwicklung – Planung

Ich habe vor, meinen Master Angewandte Mathematik als Fernstudium nebenberuflich zu absolvieren. Damit lasse ich mir aber noch etwas Zeit.

Derzeitiger Arbeitgeber

Was ist besonders positiv beim jetzigen Arbeitgeber?

Meine Chefin hat mich immer unterstützt und ich schätze sie so ein, dass sie mich auch bei meiner beruflichen Weiterentwicklung unterstützen wird. Wir haben einen sehr hohen Frauenanteil und eine sehr freundschaftliche Atmosphäre unter den Kolleginnen und Kollegen. 

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen?

Heute würde ich ein Studium der Angewandten Mathematik lieber mit Abitur statt mit Fachabitur beginnen – die Anfangszeit an der Hochschule war eine Herausforderung, ich habe gebüffelt, gebüffelt, gebüffelt. Danach war alles gut. Aus dieser kleinen schlechten Erfahrung habe ich gelernt. Ansonsten würde ich nichts anders machen.

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen?

Eine Familienplanung habe ich noch nicht – das lasse ich auf mich zukommen. Später möchte ich schon einmal Kinder haben. Grundsätzlich helfen mir persönliche Eigenschaften wie die Offenheit, zu „netzwerken“ und neue Menschen kennen zu lernen.

Zuguterletzt

Ich kann andere Frauen nur ermutigen, wenn Spaß und Interesse an Mathematik, wenn Leidenschaft für Mathematik besteht: studieren! Wenn man die Möglichkeit hat: zugreifen! Wie Ingenieurwissenschaften ist Mathematik in verschiedenen Bereichen einsetzbar und es besteht die Möglichkeit, sich zu spezialisieren.

"Konflikte als Antriebskraft"

Eva Schwenzfeier-Hellkamp, Jahrgang 1971, verheiratet, zwei Kinder

Warum ein ingenieurwissenschaftliches Studium? Warum die Fächerwahl?

Ich habe Elektrotechnik mit Fachrichtung Informationstechnik studiert. In der Schule hatte ich Physik-Leistungskurs. Mein Physiklehrer hat es mit spannenden Versuchen geschafft, mich zu interessieren. Er hat aber auch gesagt, er wolle keine Frauen im Kurs. Das hat erst recht meinen Ehrgeiz geweckt. Nach den ersten Klausuren war alles gut – durch Leistung habe ich Akzeptanz erreicht.

Vorbilder? Familientradition?

Mein Bruder war mein großes Vorbild – er hat seine Ausbildung als Elektromaschinenmonteur bei einem großen Konzern gemacht. Mein Vater hat mich immer gleichwertig wie meinen Bruder in Technik einbezogen. Ich war die erste in der Familie, die studiert hat. Ein Onkel arbeitete im technischen Bereich, er sagte: „Das schaffst Du nicht.“ Das war immer meine Motivation, wenn es mal nicht so gut lief. Als ich mit Studium und Promotion zehn Jahre an der Hochschule verbracht habe, hat er mich erst als Langzeitstudentin bezeichnet und später nach erfolgreichem Abschluss der Promotion nicht mehr mit mir gesprochen. Bei ihm war die Rollenverteilung klassisch: Seine Frau ist zuhause geblieben. Meine Eltern waren beim Erarbeiten des Grundeinkommens gleichberechtigt.

Promotion und erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht?

Mein erster Betreuer und späterer Doktorvater hat mich als studentische Hilfskraft beobachtet und während meiner Diplomarbeit mein Talent erkannt und mein Potential gesehen. Er hat mir die Promotion angeboten. Zunächst hatte ich mir Bedenkzeit ausgebeten, um mit meinem damaligen Partner und jetzigen Mann unsere Familienplanung abzustimmen. Nach der Zusage habe ich das Promotionsprojekt selbst akquiriert: Aufbau eines System für den Satellitendirektempfang für analoges und digitales Fernsehen. Während der Promotion habe ich viel Selbstbewusstsein gewonnen und viele Freiräume und Verantwortung erhalten. Danach habe ich mich bei einem großen Unternehmen für Kommunikationstechnologien beworben und eine Stelle als Systemdesigner – System Engineer – im Forschungszentrum erhalten. Dort habe ich 1:1 an dem weitergearbeitet, was ich zuvor an der Hochschule gemacht hatte.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund?

Bei meinem Berufseinstieg war alles perfekt, ich wurde sehr herzlich empfangen. Das  Unternehmen mit Stammsitz in Schweden war Frauen offener gegenüber, es gab mehr Frauen im Ingenieurbereich, wenn auch nicht in Führungspositionen. Das Unternehmen war in einem innovativen Markt aktiv, ich konnte relativ frei eigene Ideen einbringen und entwickeln. Während der sieben Jahre, die ich in der Industrie tätig war, wurde ich von den Kollegen  immer als Karrierefrau bezeichnet. Dabei war meinem Mann und mir immer klar, dass wir Kinder haben wollten. Bei der Familienplanung hatten wir meine Hochschulzeit und einige Jahre Praxiserfahrung vor dem ersten Kind einkalkuliert.  

Tipps für den Einstieg:

Welche Erfahrungen liegen vor?

Frauen sollten den Mut haben, Konflikte bewusst einzugehen und Kritik nicht persönlich  nehmen. Man kann an Konflikten wachsen. Nach dem Studium war ich ein stilles Mäuschen, sehr schüchtern. Mein Doktorvater hat mich so gefördert, dass ich selbstbewusster wurde.

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll?

Konfliktfähigkeit, Mut und strukturierte Arbeitsweise, das haben und können die meisten Frauen und das hilft beruflich wie privat.

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden?

Selbstreflektion und das Erkennen eigener Stärken ist wichtig. Auch zu erkennen, dass der lautere Kollege nicht der Bessere ist – darüber habe ich viel mit meinem Mann diskutiert und reflektiert.

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Besondere Herausforderungen im Job?Das Forschungszentrum für neue Kommunikationstechnologien war mit einer Entwicklung zu früh am Markt – sie war noch nicht gefragt. Plötzlich war von Standortschließung die Rede. In der problematischen Situation kamen Charaktere und Stärken zum Vorschein. In der Phase habe ich meine eigenen Führungskompetenzen entdeckt.

Wie habe ich meine persönliche Herausforderung gemeistert?

Ich habe sofort angefangen, Bewerbungen zu schreiben und meinen Kolleginnen und Kollegen Stellenausschreibungen mitgebracht. Daraufhin hat man mir mehrfach gesagt, dass ich Führungskompetenzen hätte. Nach der Standortschließung bin ich in den Medizintechnikbereich zu einem Konzern gewechselt und habe mich dort durchaus verbessert. Ich habe einen neuen Teilbereich für Produkt-Risikomanagement und damit eine Führungsposition übernommen. In punkto Konfliktbewältigung bin ich an meiner Erfahrung gewachsen – da kann ich heute gelassener reagieren.

Besondere Herausforderungen familiärer Art ?

Auch um der Familienplanung willen bin ich 2008 an eine Hochschule gewechselt, da ich hier die Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesehen habe. Die örtliche Nähe zu den Großeltern war ebenfalls sehr wichtig, da wir gern mit drei Generationen unter einem Dach leben wollten. Im Mai 2009 wurde unser erster Sohn geboren, 2013 unsere Tochter.

Gab es einen zeitweiligen Berufsausstieg?

Mit meiner Professur konnte ich Lehre und Forschung verknüpfen, jungen Menschen Wissen vermitteln und neue, sinnstiftende Forschungsprojekte mit Laborpraktika verbinden. Gleichzeitig wollte ich Zeit haben für die Kinder und sie nicht nur wegorganisieren. Um diesen Spagat hinzubekommen, bin ich nie richtig ausgestiegen, sondern habe nur  Mutterschutz in Anspruch genommen. 

Kompletter Ausstieg angedacht / realisiert / verworfen?

Es war genau die richtige Entscheidung, nicht auszusteigen. Mein Mann ist verbeamtet im Öffentlichen Dienst. Er ist in Elternzeit gegangen und hat auf eine halbe Stelle reduziert. Auch die Großeltern, besonders meine Mutter, haben mitgeholfen, das tun sie bis heute.

Derzeitiger Arbeitgeber

Was ist besonders positiv?

Die Hochschule gibt mir Freiheit in Lehre und Forschung, ich kann selber inhaltlich gestalten und habe viel Flexibilität. Wir haben eine sehr engagierte Gleichstellungsbeauftragte, die mich bei der Übernahme meiner Professur beflügelt hat. Zudem haben wir eine Präsidentin – eine Frau an der Spitze ist auch sehr positiv.

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen?

Rückblickend bin ich an der Standortschließung meines ersten Arbeitgebers sehr gewachsen. Meine Kollegen haben damals heiß diskutiert, dass ich für andere Stellenanzeigen mitgebracht habe – und dann nachgeahmt. Die gegenseitige Unterstützung und der Austausch waren für alle sehr hilfreich. Es ist sinnvoll, Konflikte als Chancen zu begreifen und nicht immer nur auf Harmonie aus zu sein. Man kann auch mal Konflikte eskalieren lassen, um eine Klärung herbeizuführen. Konflikte werden gebraucht, um sich selbst zu finden.

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen?

Eine Frau sollte nicht den Anspruch haben, dass die Kinderbetreuung zu hundert Prozent an ihr alleine hängt. Man muss loslassen und vertrauen können. Man muss an andere abgeben können ohne Kontrolle – die Großeltern dürfen verwöhnen, die Eltern erziehen. Es ist eine Herausforderung, die eigenen Bedürfnisse einzufordern. Beim Ausstieg / Einstieg sollte jede Frau mit ihrem Partner und ihrem familiären Umfeld darüber reflektieren, was das Richtige ist und was für Netzwerke man um sich herum spinnen kann. Für meinen Mann und mich war es genauso richtig und ich würde es wieder so machen.

Zuguterletzt

Kinder und Karriere sind machbar, aber das ist kein Spaziergang. Das ist eine Herausforderung, besonders, wenn der Nachwuchs krank ist. In Beruf und Familie muss man Prioritäten setzen, Pragmatismus pflegen und die emotionale und die Sachebene trennen. Wenn alle Mitglieder des eigenen Netzwerks an einem Strang ziehen, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf jeden Fall möglich.

"Selbstbewusst agieren und Ziele verfolgen"

Agnieszka Wrobel-Grabbe, Jahrgang 1976, Projektmanagerin, zwei Kinder

Warum ein ingenieurwissenschaftliches Studium? Warum die Fächerwahl?

Ich war ein traditionelles Mädchen, aber vielseitig interessiert. In meiner Heimatstadt Rzeszów in Polen, der Partnerstadt von Bielefeld, habe ich ein Wirtschaftsgymnasium besucht und wollte in den Bereich Betriebswirtschaftslehre gehen. Als ich von dem neuen Studiengang „Management und Organisation in der Industrie“ an der Technischen Universität (TU) Rzeszów hörte, habe ich mich beworben und einen Studienplatz erhalten. Die Kombination Technik und Wirtschaft fand ich faszinierend. Während des Studiums ist mein Interesse gewachsen. Nach dem sechsten Semester habe ich ein EU-Stipendium im Rahmen des Socrates/Erasmus-Programms erhalten für einen einjährigen Studienaufenthalt an der Fachhochschule (FH) Bielefeld, der Partnerhochschule der TU Rzeszów. Nach einem anschließenden Forschungsaufenthalt habe ich an der FH Bielefeld Produktionstechnik studiert und als Diplom-Ingenieurin abgeschlossen. Damals war Polen noch nicht EU-Mitglied, deshalb wurde mein erster Abschluss in Deutschland nicht anerkannt.

Vorbilder? Familientradition?

Mein Onkel hat Flugzeugbau studiert. Meine jüngere Schwester hat den gleichen Studiengang wie ich gewählt und auch meine Cousins und Cousinen, alle mehr oder weniger im gleichen Alter, haben den gleichen Weg genommen und an der TU studiert.

 

Erster Job:

War der Einstieg schwierig/leicht?

Mein Berufseinstieg war sehr steinig. Mitten in meiner Diplom-Arbeit bin ich schwanger geworden. 2006 wurde meine Tochter geboren. Ich habe mein Diplom mit einem Baby gemacht, das ist in Deutschland sehr schwierig. Auf meine Bewerbungen nach der Elternzeit habe ich lange nur Absagen erhalten. Sobald ich für meine Tochter einen Kindergartenplatz hatte, habe ich die Zeit genutzt, um mich weiterzubilden: Seminare an der Deutschen Angestellten-Akademie, Praktika in Unternehmen, Deutsch- und Englisch-Kurse für den Beruf. Heute kann ich neben meiner Muttersprache Polnisch verhandlungssichere Deutschkenntnisse sowie Englisch und Russisch anbieten. Ich habe immer mein Ziel verfolgt, für ein deutsches Unternehmen zu arbeiten, das in Polen produziert – und das habe ich schließlich erreicht.

Frau in Männerdomäne – ein Diskussionsgrund?

Schon im Studium habe ich gehört: Als Ingenieurin musst Du doppelt so gut sein wie ein Mann, aber Du wirst 35 Prozent weniger verdienen. In Bewerbungsgesprächen habe ich immer wieder Herren gegenübergesessen, die nach eigenen Aussagen familienfreundliche Unternehmen repräsentiert haben – und Ablehnungen erhalten. Bei einem Geschäftsessen hörte ich einmal zufällig die Äußerung eines Mannes: „Frauen und Technik, das passt nicht zusammen“. In einem Bewerbungsgespräch hat mir einer der Gesprächspartner pausenlos zugezwinkert. Ich habe versucht, das zu ignorieren. In meiner Bewerbungsphase hatte ich hier in Deutschland das Gefühl, dass eine Frau mit Kindern in einer Männerdomäne indiskutabel ist – bis ich auf meinen jetzigen Arbeitgeber getroffen bin. 

 

Tipps für den Einstieg:

Welche Verhaltensweisen sind sinnvoll?

Ich empfehle, sich Verbündete, Mitspieler, Mentoren zu suchen und sich seine eigene Spielwiese zu gestalten. Wenn ich in Bewerbungsgesprächen gefragt wurde, wieviel ich verdienen möchte, habe ich geantwortet: ,So viel wie ein Mann mit meiner Qualifikation.’  Ansonsten ist es wichtig zu reflektieren: Was kann ich verändern, verbessern, wie kann ich mich weiterbilden? Ich habe Workshops, Messen und Frauen-Kongresse besucht, Fachbücher gelesen, mit einem Coach gearbeitet, Einzelunterricht in Englisch genommen, alles selbst bezahlt. Ich habe immer in meine Weiterentwicklung investiert.

Wie fraulich, wie männlich muss man sein, um akzeptiert zu werden?

Der Ingenieur-Beruf ist toll, bietet Dir viele Facetten, bedeutet aber einen harten und steinigen Weg für eine Frau. Selbstbewusst agieren, Pläne erstellen, Ziele verfolgen, Netzwerkarbeit betreiben. Ein solches Auftreten ist eher typisch männlich, Männer treten selbstbewusster und fordernder auf, aber wir Frauen können das genauso gut.

 

Höhen und Tiefen des beruflichen Werdegangs:

Besondere Herausforderungen im Job?

2011 wurde mein Sohn geboren, 2013 habe ich meine allererste Einstellung erhalten, bei einem Automobilzulieferer. Nach 16 Monaten wurde das Projekt, in das ich eingebunden war, eingestellt und ich wurde entlassen. Über einen Personaldienstleister für Ingenieure bin ich zu meinem heutigen Arbeitgeber gekommen und 2015 übernommen worden.

Wie habe ich persönliche Herausforderungen gemeistert?

Mein Mann unterstützt mich sehr in der Erziehung unserer schulpflichtigen Kinder, mein Chef hat großes Verständnis für meine familiären Belange. Ich kann aufgrund der großen Entfernung zum Arbeitsplatz eine Stunde später beginnen und kann nach dem allgemeinen Feierabend im Großraumbüro ruhiger und effektiver arbeiten. Auch die regelmäßigen Dienstreisen werden abgestimmt. Ich habe ein sehr großes Vorbild im Team, eine Kollegin, die fast 25 Jahre im Unternehmen ist und zwei Kinder hat. Wir haben uns viel ausgetauscht. Ich habe von ihr sehr profitiert, denn der Chef und ich wussten: Die Arbeit ist zu schaffen mit einer langen Anfahrt und zwei kleinen Kindern. Auch meinen ehemaligen Vorgesetzten spreche ich hin und wieder an und er gibt mir Tipps. Mentoren sind wichtig, man kann von ihren Erfahrungen profitieren, sie sind objektiv, betrachten Dinge aus einem anderen Blickwinkel und stärken Dir den Rücken.

Besondere Aufstiegschancen?

Ich habe bei meiner jetzigen Firma sofort ein unbefristetes Arbeitsverhältnis erhalten. Heute bin ich Junior-Projektmanagerin im Bereich Trinkwasserspeicher und Pufferspeicher (für Heizsysteme mit Industriewasser). In diese Technik und Funktionsweise habe ich mich eingearbeitet. Meine nächste Aufstiegschance wäre Senior-Projektmanagerin.

 

Berufliche Weiterentwicklung Planung

Was für Stationen sind noch geplant?

Ich habe mich beim Fraunhofer Institut für ein Solarthermen-Projekt beworben und bin neben 19 Männern als einzige Frau angenommen worden. Bis Ende 2017 absolviere ich mit Unterstützung meines Chefs und des Geschäftsführers ein nebenberufliches Fernstudium, mit Web-Seminaren, Präsenzphase und Abschlusszertifikat. Danach schaue ich mal, was sich ergeben wird – ich bin offen. In Polen gibt es übrigens viel mehr Frauen in Führungspositionen.

 

Derzeitiger Arbeitgeber

Was ist besonders positiv beim jetzigen Arbeitgeber?

Das Unternehmen unterstützt mich in jeder Hinsicht. Die Web-Seminare meines Fernstudiums darf ich über das Firmeninternet besuchen und Präsentationen für die Hochschule im Büro vorbereiten. Am Ende werden beide Seiten profitieren – beispielsweise von meinen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Energie- und Wärmewende. Meine Kollegen akzeptieren mich, wir unterstützen uns gegenseitig. Manchmal kommen von außen frauenfeindliche Ansätze, das wird bei uns aber nicht geduldet.

 

Rückblende

Was würde man im Rückblick anders machen? Was ist kritisch zu bewerten?

Ich würde den Weg als Studentin und Ingenieurin mit Kleinkind noch einmal gehen, aber in meinem Geburtsland – in Polen. In osteuropäischen Ländern ist es für Frauen normal, zu arbeiten oder zu studieren mit Kleinkind. Meine beiden Großmütter waren voll berufstätig in guten Positionen, mit drei und vier Kindern, meine Mutter hat gearbeitet, eine Freundin mit fünf Kindern arbeitet auch. Ich war erschrocken, wie schwierig der Berufseinstieg für mich als Frau hier war.

 

Persönlichkeit

Welche persönlichen Eigenschaften sind hilfreich, um Karriere und Familie/Privatleben zu managen?

Man muss flexibel sein, seine Ziele variieren und anpassen können.

 

Zuguterletzt

Mein Tipp für negativ verlaufende Bewerbungsgespräche: Sie sind auch wichtig, auch aus negativen Erfahrungen kann ich lernen. So bin vorbereitet für die Bewerbung beim Top-Unternehmen meiner Wahl. Ansonsten bin ich der beste Beweis dafür, dass Frauen wie ich, Ausländerinnen mit kleinen Kindern, in technischen Berufen Fuß fassen und erfolgreich sein können.

Dipl.-Ing. Heike Wulf VDI OWL/ Nitschke Fotografen
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Dipl.-Ing. Heike Wulf

Leiterin des Arbeitskreises FIB