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The „New Growth“ – wie die SDGs die Wirtschaft in OWL stärken

40 TeilnehmerInnen aus OWL-Unternehmen (u.a. von Dr. Wolff, Gildemeister, Böllhoff, ZF Friedrichshafen, GFR und Jowat) und von den Innovationsnetzwerken OWL haben sich in der IHK Bielefeld getroffen, um über die unternehmerischen Potenziale der SDGs zu diskutieren. Unter der Leitung von Dr. Michael Raß, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung fjol GmbH aus Münster und Beirat des ZNU-Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung, wurde in einem Workshop erarbeitet, welche Potenziale im unternehmerischen Denken und Handeln erschlossen werden können und wie die SDGs helfen, die Zukunftstauglichkeit von Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen abzusichern. Michael Raß spricht aus Erfahrung, schließlich hatte er die Teutoburger Ölmühle als Gründer und Geschäftsführer zum deutschen Marktführer für kaltgepresste Rapsöle und Bio-Speiseöl-Spezialitäten entwickelt und so als nachhaltiges Vorzeigeunternehmen der Branche zahlreiche Innovations- und Nachhaltigkeitsauszeichnungen erhalten.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs), flankieren eine ökonomische Entwicklung der Weltwirtschaft, deren stabiles Wachstum auf den enormen sozialen und ökologischen Bedarfen der Welt basiert. Dabei geht es nicht darum, den Unternehmen nach dem Motto ´nice to have´ einen grünen Anstrich zu verleihen, sondern globalen ökologischen und sozialen Verwerfungen zu begegnen.

Michael Raß bekräftigt, dass bei der Umsetzung nicht nur die Politik am Zug ist: „Die Wirtschaft ist explizit aufgefordert, bei der Erreichung der SDGs mitzuwirken. Zahlreiche Ziele richten sich direkt an Unternehmen.“ Hier sind die heimischen Unternehmen aufgefordert, mit Innovationen, ihrem technologischen Know-How und nachhaltigen Produktionsweisen in die SDGs einzuzahlen. „Außerdem werden beispielsweise Kunden beim Thema Nachhaltigkeit immer anspruchsvoller. Hier eröffnet eine durchdachte und glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie auch neue Marktchancen für die Unternehmen“, so Raß.

Der VDI OWL als Kooperationspartner bei Lippe zirkulär

DENKEN + WIRTSCHAFTEN IN KREISLÄUFEN: Zirkuläre Wertschöpfung – Mehrwert und Perspektiven für Unternehmen

Auftaktveranstaltung von Lippe zirkulär mit seinen Partnern

Detmold – Die Kreislaufwirtschaft als Basis zukünftiger Geschäftsmodelle? Am 27.09.2019 diskutierten rund 165 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe über die Zukunft des (zirkulären) Wirtschaftens in Ostwestfalen-Lippe (OWL). Mit dabei waren u.a. Prof. Michael Braungart – der Vater des Cradle to Cradle-Gedankens, Zero-waste-Expertin Milena Glimbovski, der Ständige Vertreter der Abteilung Wirtschaftspolitik vom Wirtschaftsministerium NRW Reinhold Rünker, SCHÜCO-Nachhaltigkeitsmanager Stefan Rohrmus und PreZero Service Westfalen-Geschäftsführer Jürgen Kaiser.

Produktnutzen ohne Rohstoffverbrauch – eine Utopie oder doch machbar? Das Neudenken von Prozessen und Werkstoffen in möglichst endlosen Verwertungszyklen – einer Kreislaufwirtschaft – ist die logische Konsequenz des Klimawandels und seinen Folgen. Hierbei liefern z.B. alte, nicht mehr genutzte Produkte die Ausgangsstoffe für neue Waren – wertvolle Rohstoffe werden so geschont. Die Kreislaufwirtschaft gilt daher als ein möglicher Ansatz, um bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle effizient für die Zukunft auszurichten.

Im Zukunftskonzept 2025 des Kreis Lippe hat das Thema Kreislaufwirtschaft einen festen Platz. „Ostwestfalen-Lippe bietet ein großes Potential für zirkuläre Wertschöpfungsketten. Zum einen sind in OWL eine Großzahl an KMUs ansässig, die meist flexibel Investitionsentscheidungen zugunsten neuer Wertschöpfungsformen treffen können. Weiterhin bietet die industrielle Struktur OWL’s die Chance, Treiber vor Ort zu finden, die aufgrund ihrer Branchentätigkeit (z.B. Sekundärrohstoffverarbeitende Unternehmen, Kunststoff-, Papier- oder Metallindustrie) und sich ändernden Rahmenbedingungen an Prozessänderungen interessiert sind“, sagt Dr. Axel Lehmann, Landrat des Kreises Lippe. Dr. Ute Röder, Fachgebietsleiterin Umwelt/ Energie beim Kreis Lippe ergänzt: „Die Partner von Lippe zirkulär haben sich zum Ziel gesetzt, die wesentlichen Hemmnisse im Bereich der Nachhaltigkeit, z.B. fehlender Wettbewerbsdruck, schwache Rentabilität des Nachhaltigkeitsmanagements, zu adressieren, z.B. durch gemeinsame Pilotprojekte oder Investitionen in Wissenschaft und Forschung.“

Prof. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), kann Röders Aussage nur zustimmen. „Dort, wo Wirtschaft, Politik und Wissenschaft kooperieren, entsteht neues Wissen, das zu Innovationen und Unternehmens-gründungen führt. Im Lehr- und Forschungsbetrieb sehen wir täglich, dass Technologien und Lösungsansätze ein kreatives Umfeld benötigen, in denen Lösungsansätze reifen können. An der TH OWL forschen wir bereits zu wichtigen Zukunftsfragen, die an die Kreislaufwirtschaft gekoppelt sind, u.a. in den Feldern Energie, Umwelt, Lebensmittel, Werkstoffe und Digitalisierung.“

„Zirkuläre Wertschöpfung ist ein „Ermöglichungs“-Programm, das hohe Qualität und „gute“ Arbeit vereint“, sagt Reinhold Rünker, ständiger Vertreter der Abteilung Wirtschaftspolitik des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. „Effizienz schreibt lediglich die lineare Wirtschaftsentwicklung fort, indem es kostenorientiert das Verhältnis von Input zu Output verbessert (Recycling, Reuse). Zirkuläre Wirtschaft braucht aber ein Qualitätsmodell – also bessere Materialien, Prozesse und Produkte. Es geht um Reuse, Upcycling und Rethink. Nur so wird unsere hochwertige Industrie eine Perspektive haben“, argumentiert Rünker. Um Investitionen in innovative Verfahren und Geschäftsmodelle zur Sicherung der Ressourceneffektivität zu gewährleisten, kann ein produktorientierter Ansatz, in dem Rohstoffe gebraucht und weniger verbraucht werden, die Lösung sein.

Dieses Fazit dürfte im Sinne von Prof. Michael Braungart, Professor für Öko-Design an der Leuphana Universität Lüneburg und Vater des Cradle to Cradle-Gedankens (C2C), sein. Braungart ging in seinem Vortrag sogar noch ein Stück weiter und argumentierte, dass Öko-Effektivität nur erreicht werden könne, wenn umfassende Qualität und Nützlichkeit von Produkten zukünftig höhere Priorität genießen als die Herstellungseffizienz. „Während wir derzeit nur auf die Effizienz von Produkten und Prozessen schauen, sollte der Fokus wieder auf die Effektivität gelegt werden“, so Braungart.

Beispiele aus der Praxis lieferten Stefan Rohrmus, Nachhaltigkeitsmanager bei SCHÜCO International, Jürgen Kaiser, Geschäftsführer von PreZero Service Westfalen – ein Unternehmen der Schwarz-Gruppe, und Milena Glimbovski, Gründerin von "Original unverpackt", Achtsamkeits- und Nachhaltigkeitsexpertin.

Rohrmus stellte in seiner Präsentation den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen im Gebäudesektor in den Mittelpunkt und zeigte, wie SCHÜCO die C2C-Prinzipien in seiner Nachhaltigkeitsstrategie verankert hat. Kaiser zeigte indes, dass die Schwarz-Gruppe neben den gängigen Instrumenten, wie Plastikreduzierung und -recyceln, zukünftig auf Redesign setzt. „Durch die Vermeidung von überflüssigen Verpackungsbestandteilen, die Überarbeitung der Verpackungszusammensetzung oder einer neuen Verpa-ckungsgestaltung sparen wir zukünftig mehrere hundert Tonnen Plastik ohne Nachteile für den Verbraucher zu generieren“, so Kaiser. Glimbovski verdeutlichte in ihrer Keynote, dass der „Zero waste“-Gedanke ganz einfach in den Alltag integriert werden kann – „Hürden existieren meist nur in den Köpfen“, sagt sie. Glimbovski argumentiert, dass ein Unternehmen nur so nachhaltig sein könne, wie die Menschen, die es beschäftigt. „Es beginnt mit der Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, erst danach können weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Abfall (z.B. loser Tee, Getränke in Glas-Mehrwegflaschen) folgen."

In einer Talkrunde diskutierten Vertreter und Anwender zirkulärer Wertschöpfung mit dem Auditorium, wie diese „neuen“ Ideen ertragreich in zukünftige Arbeitsprozesse eingebracht werden können. Rund um die Veranstaltung fand eine Ausstellung mit BEST PRACTICE-Beispielen statt, die über regionale, unternehmerische und forschungsorientierte Ansätze informierte. So stand die EnergieAgentur NRW etwa Rede und Antwort zum Thema Finanzierungs- und Geschäftsmodelle. Beispiele aus Hochschule, Industrie und Handwerk zeigten, welche Potenziale die zirkuläre Wertschöp-fung hinsichtlich Kostensenkung und Wachstum bereithält.

Pressemitteilung des Future Energy – Institut für Energieforschung, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

 

 

 

 

Lippe zirkulär initiiert durch den Kreis Lippe hat zum Ziel, Zirkuläre Wertschöpfung im Kreis Lippe zu fördern. Folgende Kooperationspartner haben die Einladung von Dr. Ute Röder angenommen, sich kreativ dafür einzusetzen:

Bertelsmann Stiftung + CirConomyOWL + Effizienz-Agentur NRW + EnergieAgentur.NRW + Energie Impuls OWL e.V. + Fachhochschule Bielefeld + Future Energy - Institution für Energieforschung + Gesellschaft für Abfallentsorgung Lippe + Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe + Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold + Institut für Technische Energie-Systeme (ITES) + KlimaPakt Lippe + Kreis Lippe - Energie und Umwelt + Kreis Lippe - Kreiswirtschaftsförderung + PreZero Service Westfalen GmbH & Co. KG + Stadt Bielefeld - Dezernat für Umwelt- und Klimaschutz + Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe + Ungehobelt - Die Tischlerei + Stückweise – Unverpackt Detmold + Universität Paderborn + Verein Deutscher Ingenieure Ostwestfalen-Lippe e.V.

CirConomyOWL – VDI-Projekt startet in Ostwestfalen-Lippe

Gemeinschaftsprojekt des VDI OWL mit den regionalen Netzwerken setzt sich im Landeswettbewerb durch.

Bielefeld, 21. Februar 2019. Plastik im Meer, knappe Bauschuttdeponieräume, teure seltene Erden, die zu 99 % im Abfall verloren sind – damit wollen sich die Ingenieure in den ostwestfälischen Unternehmen vom Maschinenbau über Energietechnik, Bauwirtschaft, Lebensmittel bis zur Gesundheitswirtschaft, in Zukunft nicht mehr abfinden. Vielmehr ist ein zukunftsfester Produktions- und Wirtschaftsstandort ohne Schrott und Abfall ihre Vision.

Der VDI OWL hat seine Kompetenzen nun zusammen mit den fünf Innovationsnetzwerken OWL – die ihrerseits über 600 innovationsbereite Unternehmensmitglieder Vereinen – zum Aufbau regionaler Handlungskompetenzgebündelt. Über 60 Unternehmen, Hochschulen, Initiativen und Institutionen haben sich bereits zur konkreten Mitarbeit verpflichtet. Die Fachhochschule Bielefeld mit ihrem speziellen Studien-Modul Circular Economy bietet den Anker in die Ingenieurausbildung.

Kurz-Information als Flyer

Jetzt erhielt das Projektkonsortium für ihr Projekt für „CirConomyOWL“ das positive Votum der Landesjury im Regio.NRW-Wettbewerb. Damit verbunden ist auch eine dreijährige finanzielle Förderung der Arbeitskräfte im VDI OWL-Bezirksverein aus europäischen Mitteln.

VDI OWL Vorstandsmitglied Karsten Ollesch, beruflich als Prokurist und Vertriebsleiter des international ausgerichteten Maschinenbauunternehmens Glass in Paderborn tätig, erklärt stellvertretend für die Vielzahl der Projektunternehmen: „Wir Ingenieure werden wir in Zukunft immer mehr Stoffe, Komponenten und ganze Baugruppen für den endlosen Einsatz in immer neuen Maschinengenerationen konzipieren müssen. Dafür müssen wir weitreichende Vernetzungen zwischen Kunden, Entwicklung, Produktion, Handel und Service ausbauen. Das ist nicht von einem Unternehmen allein zu lösen. Zusammen mit den regionalen Branchennetzwerken hat der VDI OWL optimale Bedingungen für eine branchenübergreifende Zusammenarbeit geschaffen. Wir freuen uns, das dies von den Landesministerien nun unterstützt wird.“

ConAct goes circular – Zirkuläre Wertschöpfung in der Automobilindustrie

Die praktische Umsetzung der Kreislaufwirtschaft stellt uns in den Bereichen Kunststoff- und Elektrotechnik vor neue Herausforderungen. In der Automobilbranche, die diese Bereiche in komplexer Art und Weise vereint, wird dies besonders deutlich. Im Rahmen des gestrigen Vortrags von Herrn Coder (Masterstudent bei ZF in Bielefeld)  und der anschließenden Diskussionsrunde wurden einige der Probleme aufgezeigt und mögliche Lösungsansätze diskutiert. Trotz aller zu nehmenden Hürden sehen wir ein großes Potential diesen Markt in den kommenden Jahren ressourceneffizienter und nachhaltiger zu gestalten. Besonders interessiert an dem Thema der „circular economy“ waren die Gäste aus Nicaragua: Prof. Norman Andrés Reyes und die Studenten Mauricio Jose Rojas Rayo und Morales Vanegas Engels Orlando von der Universität ULSA (Universidad Tecnológica La Salle) aus León in Nicaragua.

Positive Resonanz zur Circular Economy auf der Hannover Messe 2019

die sehr positive Resonanz auf der Hannover Messe 2019 bestärkt uns, das Thema Circular Economy weiterhin mit vollem Elan anzugehen:

  • Am OWL-Gemeinschaftsstand haben wir das Thema im direkten Umfeld von Weltmarktführern der Automatisierungstechnik, mittelständischen Maschinenbauern, interdisziplinären Forschungsinstituten sowie Startups präsentiert.
  • Aus dem NRW-Wirtschaftsministerium hat uns Abteilungsleiter Karl-Uwe Büthof besucht. Mit der NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser haben wir zudem die Kooperationsmöglichkeiten mit dem Umweltministerium erörtert.
  • Im Rahmen des Besuchs einer Projektleiterin des DIN e.V. konnten wir strategische Überlegungen zur Normung von Circular Economy-Produkten oder -Prozessen diskutieren.
  • Im Laufe der Messe informierten sich u.a. OWL-Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, die NRW-Landtagsabgeordnete und Digitalisierungsexpertin Christina Kampmann sowie weitere hochrangige Delegationen über unser Circular Economy-Projekt.
  • Am Messedonnerstag besuchte uns der VDI-Direktor Ralph Appel, um uns mitzuteilen, dass die VDI-Gremien die Circular Economy-Strategie zum bundesweiten VDI-Fokusthema für 2020 gewählt haben. Damit können wir jetzt mit der geballten Unterstützung der VDI-Ingenieurwelt rechnen.

Perspektiven: In der Präsentation auf unserem Messestand hatten wir die Sustainable Development Goals (SDGs) herausgestellt und gefragt, welche Beiträge die Technikwelt zur Erreichung dieser UN-Nachhaltigkeitsziele leisten kann. Dabei formulierten gerade junge Ingenieurinnen und Ingenieure ihren persönlichen Antrieb für Innovationen vor diesem Hintergrund.