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26.11.2015
Der VDI präsentiert in Kiel die Richtlinie 7000
 

Schleswig-Holstein diskutiert über frühe Öffentlichkeitsbeteiligung bei Großprojekten

Schleswig-Holsteins Staatssekretär für Wirtschaft Frank Nägele (rechts), VDI-Landesvorsitzender Axel Birk (mitte) und der Koordinator Gesellschaft und Innovation im VDI Volker Brennecke (links).  (Bild: VDI)

Schleswig-Holsteins Staatssekretär für Wirtschaft Frank Nägele (rechts), VDI-Landesvorsitzender Axel Birk (mitte) und der Koordinator Gesellschaft und Innovation im VDI Volker Brennecke (links). (Bild: VDI)

Industrie- und Infrastrukturprojekte werden immer häufiger im direkten Dialog mit der Öffentlichkeit geplant. Der VDI Verein Deutscher Ingenieure hat dazu die Richtlinie VDI 7000 erarbeitet und am Dienstagabend (24.11.2015) in Kiel im Hotel Atlantic mit einem hochkarätigen Forum diskutiert.

 

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Großprojekten ist auch für Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsstaatssekretär Dr. Frank Nägele ein wichtiges Thema. „Wir verstehen Bürgerbeteiligung als Chance, ein Projekt konstruktiv voran zu bringen und dabei die kritischen Stimmen der Betroffenen zu berücksichtigen. Denn Großprojekte soll und wird es auch weiterhin geben, schließlich liegen sie im öffentlichen Interesse – auch wenn die schweigende Mehrheit, die solche Projekte in der Regel befürwortet, manchmal fast übersehen wird. Ein gutes und aktuelles Beispiel hierfür ist die Planung der Festen Fehmarnbeltquerung.“


Transparenz in der Planungsphase eines notwendigen Vorhabens z.B. in der Infrastruktur oder Industrie bewertet der Landesvorsitzende des VDI in Schleswig-Holstein Dr.-Ing. Axel Birk als einen hohen Wert für den Erfolg dieses Projektes: „Die VDI7000 ist dafür ein wichtiges Werkzeug.“


Dass sich der Dialog im Vorfeld von Genehmigungsverfahren lohnt, zeigen landesspezifische Beispiele: Für Paul-Georg Garmer, Leiter der Konzernrepräsentanz in Berlin der TenneT TSO GmbH, gehört zum Projektziel z.B. der  Westküstenleitung, dass das Projekt von der Öffentlichkeit akzeptiert wird. Dafür wurden verschiedene Formate wie „Bürgerinformationsmarkt“ oder „Trassenuntersuchungsteams“ (Ingenieure zusammen mit Bürgern) entwickelt. Für Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender der Denker & Wulf AG, ist die Frage „Wer soll eigentlich beteiligt werden?“ sehr bedeutsam bei der Planung von Windparks. Denn so könnten beispielsweise die lokalen Naturschutz-Akteure mit ihrem Wissen einen wertvollen Beitrag leisten, individuelle Lösungen zu finden. Zur Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung berichtete Bernd Homfeldt, Leiter des Projektes der DB Netz AG. In regelmäßigen Abständen informiert die DB über den aktuellen Planungsstand des Projektes. Das schaffe das notwendige Vertrauen, um immer konstruktiv auch bei unterschiedlicher Meinung zur Sache  miteinander sprechen zu können. Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr, ist überzeugt, dass bei sehr langfristigen Projekten wie im Bundesfernstraßenbau Vertrauen in der Bevölkerung durch die Anbindung des Themas an eine Persönlichkeit entsteht. Dr. Claudia Bielfeldt, Landesvorsitzende des BUND, hält es für sinnvoll, bereits bei Planungsbeginn eine Grundsatzdebatte zu starten, in der sich auch die Frage nach dem Bedarf des Vorhabens und der besten Lösung für das Problem stellt. Letzten Endes geht es darum, sich zusammenzusetzen, die Knackpunkte herauszuarbeiten und Kompromisse zu finden.

Die Debatte machte deutlich, dass es einer neuen Dialog- und Planungskultur, aber auch neuer Kompetenzen auf allen Seiten bedarf. Volker Brennecke vom VDI signalisierte, dass es für Vorhabenträger und Behörden in Schleswig-Holstein Trainings zur Umsetzung der VDI 7000 geben werde.


Die Richtlinie VDI 7000 unterstützt Organisationen darin, Handlungsspielräume zu erarbeiten und tragfähige Lösungen kooperativ zu entwickeln. Das Vorgehen der Richtlinie dient als eine Art Frühwarnsystem für mögliche Akzeptanzprobleme oder unterschätzte Risiken. Sie hilft so bei der Vermeidung oder Minimierung wirtschaftlicher Risiken sowie bei Risiken in Form von Akzeptanzverlust, Image- und Reputationsschäden. Dabei setzt die Richtlinie auf einen vorgelagerten Beteiligungsprozess, der zeitlich deutlich vor den gesetzlich vorgeschriebenen Planungs- und Genehmigungsverfahren beginnt. Weitere Informationen sind unter www.vdi.de/7000 zu finden.

 

Ihr Ansprechpartner im VDI:
Dr. Volker Brennecke
Telefon: +49 211 6214-474
Telefax: +49 211 6214-148
E-Mail: brennecke@vdi.de