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Die VDI 7000 - auf einen Blick

(Bild: shutterstock 66877633)
Die VDI 7000 - auf einen Blick

Industrie- und Infrastrukturprojekte lassen sich heute nur noch gemeinsam mit der Bevölkerung realisieren. Die Richtlinie VDI 7000 zeigt, wie eine frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit bei Industrie- und Infrastrukturprojekten gelingen kann.


Die Richtlinie gibt Vorhabenträgern ein praxisnahes Management-Konzept an die Hand, wie sie Elemente von Beteiligung und Dialog in die Projektplanung integrieren können. Die VDI 7000 zeigt auf, welche konkreten Schritte in den einzelnen Phasen eines Projekts beachtet werden müssen.


Die Anwendung der Richtlinie mindert dabei die Risiken bei der Realisierung von Projekten und hilft dabei rechtliche Konflikte zu vermeiden. Eine frühe Beteiligung der Öffentlichkeit bietet darüber hinaus die Chance, im Dialog eine Projektvariante zu entwickeln, die von einer breiten Mehrheit mitgetragen wird.


Die VDI 7000 richtet sich vorrangig an private und öffentliche Vorhabenträger, ist aber für Behörden, Ingenieurbüros, Gutachter, Kanzleien, zivilgesellschaftliche Gruppen, Kommunikationsagenturen und Prozessgestalter ebenso relevant.


Motivation zur VDI 7000

(Bild: TenneT)
Motivation zur VDI 7000


Große Industrie- und Infrastrukturprojekte stehen heute verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. War es früher aus Sicht des Vorhabenträgers oft völlig ausreichend, die gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflichten zu erfüllen, wird heute ein weit höheres Maß an Information und Beteiligung eingefordert.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Neben einem allgemeinen Vertrauensverlust in politische Entscheidungsträger gibt es eine erhöhte Sensibilität bei Veränderungen des persönlichen (Lebens-)Umfelds. Durch das Internet und soziale Netzwerke sind zudem Informationen deutlich einfacher und schneller verfügbar.

Unternehmen und öffentliche Vorhabenträger, die Industrie- und Infrastrukturprojekte realisieren wollen, müssen daher ihre Pläne heute plausibel und verständlich darstellen und begründen. Die Vorhabenträger werden hierbei in der Bringschuld gesehen. Für die meist technischen Führungskräfte sind das neue und bisher nicht gekannte Herausforderungen.

Dies alles setzt Unternehmen und Vorhabenträger unter einen wachsenden kommunikativen Handlungsdruck. Zugleich ist dies jedoch auch eine große Chance: Durch eine frühzeitige Beteiligung der relevanten Öffentlichkeit können Konflikte von vornherein entschärft und im Dialog Projektvarianten ermittelt werden, die eine breite Zustimmung finden. Genehmigungsverfahren können so verkürzt - und Projektrisiken minimiert werden.

Vor dem Hintergrund eskalierter Konflikte im Zusammenhang mit Großprojekten wie Stuttgart 21 oder anderen zeigen sich die Folgewirkungen in Deutschland und auch international. Die provokative Frage „Können wir noch Großprojekte?“ wird immer öfter gestellt, denn „German Engineering“ hat international einen hervorragenden Ruf und negative Erfahrungen können sich auch weltweit für die gesamte Industrie auswirken. Innerhalb der deutschen Wirtschaft und der Politik ist es deshalb von strategischem Interesse, Lösungswege für einen gesellschaftlichen Konsens bei großen Industrie- und Infrastrukturprojekten zu finden.

Der Verein Deutscher Ingenieure VDI hat auch deshalb mit seinem breiten Wissen um die besondere Perspektive von Planern und Projektverantwortlichen mit der VDI 7000 eine Richtlinie entwickelt, die diese neuen Herausforderungen annimmt und in besonderem Maße und sehr konkret und praxisnah die technischen und kommunikativen Anforderungen in Planungs- und Genehmigungsverfahren miteinander verzahnt.


Die VDI 7000...

 

… verkürzt Genehmigungsverfahren
Indem kritische Punkte in einem frühen Projektstadium geklärt werden, kann das nachfolgende Genehmigungsverfahren entlastet werden.


… minimiert Projektrisiken

Ungelöste Konflikte im Zusammenhang mit großen Infrastrukturvorhaben stellen erhebliche Projektrisiken dar. Durch eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung können diese Risiken minimiert werden.


… spart Kosten

Investitionen in eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zahlen sich aus: Kürzere Genehmigungsverfahren und verminderte Projektrisiken sind bares Geld wert.


… hilft dabei, Vertrauen aufzubauen

Eine transparente und aufrichtige Projektkommunikation hilft dabei, von Beginn an Vertrauen in das Projekt und die handelnden Personen aufzubauen.


… kann zu besseren Ergebnissen führen

Interessierte und Betroffene können wertvolle Hinweise geben, die ein Projekt besser machen – zum Wohle aller Beteiligten.


Entstehung der VDI 7000

(Bild: 50Hertz)
Entstehung der VDI 7000


Die VDI 7000 wurde auf Basis einer systematischen Analyse erfolgreich durchgeführter Projekte entwickelt. Experten für Beteiligungsverfahren, Kommunikatoren und Ingenieure von privaten und öffentlichen Vorhabenträgern sowie Vertreter von Landes- und Bundesbehörden, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Verbänden haben daran mitgearbeitet. Das fachliche Gremium im VDI ist der „Fachbeirat Gesellschaft und Technik“ unter der Leitung (bis 2015) von Herrn Prof. Dr. Ortwin Renn (IASS, Potsdam).


Das Konzept wurde in einem aufwändigen Erstellungsverfahren geprüft und bewertet. Im Dezember 2013 wurde der Entwurf der Richtlinie veröffentlicht (Gründruck) und vier Monate einem öffentlichen Einspruchsverfahren unterworfen.

Die Entstehung der VDI 7000 war eingebettet in die Initiative „Infrastruktur für unsere Zukunft - Gesellschaftlich tragfähige Lösungen entwickeln“ (www.vdi.de/grossprojekte).

 

Nach einem Dialog mit Industrieverbänden, Umweltorganisationen, Praktikern aus Kommunikation und technischer Planung, Anwälten und Genehmigungsbehörden sowie vielen anderen Nutzern wurde die Richtlinie in einer neuen Fassung als Weißdruck im Januar 2015 veröffentlicht.


Ziel und Inhalt der VDI 7000

(Bild: Dialogbasis)
Ziel und Inhalt der VDI 7000


Das Ziel der VDI 7000 ist es, durch eine frühzeitige und strukturierte Beteiligung der Öffentlichkeit zum Projekterfolg beizutragen. Die Richtlinie hilft den Projektleitern, die oft aus einer technischen Perspektive auf „ihr“ Projekt blicken, Elemente von Dialog und Beteiligung sinnvoll in das Projektmanagement zu integrieren.


Die Einbindung der relevanten Öffentlichkeit in Planungsprozesse bietet Unternehmen und öffentlichen Vorhabenträgern die Chance, Großprojekte in einer überschaubaren Zeit und mit definiertem Budget zu realisieren. Durch eine frühzeitige Beteiligung der relevanten Stakeholder kann die Eskalation von Konflikten im Rahmen der Genehmigungsverfahren verhindert und Risiken für die Realisierung des Projekts abgewendet werden.


Daneben bietet ein derartiger Prozess die Chance, im Dialog Antragsvarianten zu erarbeiten, die sich als gesellschaftlich tragfähig erweisen. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie durch eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung die Planungen optimiert werden konnten.


Integration in das Projektmanagement

Ablaufdiagramm der VDI 7000 (vergrößerbar)
Integration in das Projektmanagement


Im Unterschied zu anderen Leitfäden und Handreichungen begreift die VDI 7000 die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung als integrierten Teil des Projektmanagements von Infrastruktur- und Industrieprojekten. Sie ist als Management-Leitfaden aufgebaut und keine Zusammenstellung von unzusammenhängenden Vorschlägen. Das Bild zeigt die Integration des Vorgehens der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung in das gesamte Projektmanagement des Vorhabens und die Schnittstellen zu begleitender Öffentlichkeitsarbeit, technischer Projektentwicklung, rechtlicher Genehmigung und Umsetzung des Projekts.

 

Die VDI 7000 beschreibt den erforderlichen Managementprozess vom Beginn der Projektidee bis zur Umsetzung. Sie konzentriert sich auf die praktischen Anforderungen und die konkreten Prozessschritte für eine erfolgreiche frühe Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Schnittstellen zur klassischen Öffentlichkeitsarbeit und den Planungs- und Genehmigungsprozessen werden deutlich gemacht.


Anhand der einzelnen Projektphasen wird dargestellt, wie systematisch Elemente von Dialog und Beteiligung sinnvoll in den gesamten Planungs-, Genehmigungs- und Realisierungsprozess integriert werden können.

Speziell für die Baubranche und die dort verwendeten Leistungsphasen (HOAI) wurde zusätzlich die VDI 7001 entwickelt.


Rechtlicher Rahmen

(Bild: Deutsche Bahn AG)
Rechtlicher Rahmen


Die VDI 7000 ist - vergleichbar mit DIN- oder ISO-Normen – aus sich selbst heraus rechtlich nicht verbindlich. Sie ist unabhängig von der Art der rechtlich vorgeschriebenen Planungs- und Genehmigungsverfahren umsetzbar.


Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung ist allerdings seit 2014 im § 25 Abs. 3 Verwaltungsverfahrensgesetz geregelt: Die Genehmigungsbehörde muss danach bei Vorhaben, die „nicht unwesentliche Auswirkungen auf eine größere Anzahl Dritter“ haben, darauf hinwirken, dass eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung durch den Vorhabenträger erfolgt. Das Ergebnis der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung ist spätestens mit der Antragsstellung vorzulegen.


Die Verantwortung über Inhalt, Umfang und Zeitpunkt einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung liegt in der Hand des Vorhabenträgers. Die VDI 7000 bietet hier ein praxisnahes Konzept, um den rechtlichen Anforderungen an eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung gerecht zu werden. Zugleich bietet sie jedoch einen großen Freiraum in der Umsetzung.


Das Land Baden-Württemberg ist hier einen Schritt weiter gegangen: In der „Verwaltungsvorschrift Öffentlichkeitsbeteiligung“ werden die zuständigen Genehmigungsbehörden dazu aufgefordert, bei Planfeststellungs- und BImSchG-Verfahren explizit auf die Richtlinie VDI 7000 hinzuweisen.


Diskussion mit der Politik

(Bild: Ulrich Zillmann)
Diskussion mit der Politik


Die Politik in Deutschland hat mit Interesse auf die VDI 7000 reagiert. Da die großen öffentlichen Vorhaben in der Verantwortung der Länder liegen und auch die behördliche Umsetzung Landeskompetenz ist, hat der VDI Forumsveranstaltungen in den Ländern durchgeführt. Die Landesverbände des VDI haben fast immer den Wirtschaftsminister, hochkarätige Vertreter von privaten und öffentlichen Vorhabenträgern und die Landesvorsitzenden eines Umweltverbandes zu Gast gehabt. Die Rollenverteilung von Politik, Behörden und Vorhabenträgern wurde dabei zum Thema gemacht. Für eine neue Planungs- und Verwaltungskultur bietet die VDI 7000 – so die einhellige Meinung – einen gut strukturierten Rahmen.

Inhaltsverzeichnis der VDI 7000

Hier können Sie das Inhaltsverzeichnis und den Abschnitt 1 (Anwendungsbereich) herunterladen.


Kontakt

(Bild: VDI)

Ihr Ansprechpartner zur Richtlinie VDI 7000

Verein Deutscher Ingenieure e. V.
Dr. Volker Brennecke
Geschäftsführer Technik im Dialog
Telefon: +49 211 6214-474
Telefax: +49 211 6214-148
E-Mail: brennecke@vdi.de