Wir verbinden Kompetenz
Verein Deutscher Ingenieure
 
Verein Deutscher Ingenieure > Wirtschaft & Politik > Die VDI 7000 in den Ländern
Folgen:  FacebookTwitterInstagramXingLinkedInYoutube

NRW will bei Großprojekten eine neue Dialogkultur

(Bild: Ulrich Zillmann)
NRW will bei Großprojekten eine neue Dialogkultur

Nordrhein-Westfalen ist im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders eng mit Industrie- und Infrastrukturanlagen besiedelt. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in Politik und Wirtschaft ist daher eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft des Standorts. Wie man durch frühe Öffentlichkeitsbeteiligung dieses maßgeblich steigern kann, wurde jetzt auf dem VDI-Forum des Landesverbandes NRW in Düsseldorf intensiv diskutiert.

 

Für Nordrhein-Westfalen hat das Thema, so Wirtschaftsminister Garrelt Duin, einen wichtigen Stellenwert: „Die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung bei komplexen Investitionsvorhaben ist deshalb unser Credo. Und hier hat sich der Verein Deutscher Ingenieure mit der Richtlinie VDI 7000 große Verdienste erworben. Diese Richtlinie ist gut geeignet, eine Eskalation von Konflikten schon im Vorfeld zu verhindern oder doch zumindest zu minimieren und damit Risiken für die Realisierung von Projekten abzuwenden". Nordrhein-Westfalen wurde selbst auch aktiv, so Duin: „Mit der Servicestelle `Dialog schafft Zukunft´ versucht auch das Land, alle Akteure - Unternehmen, betroffene Bürgerinnen und Bürger, Gewerkschaften, Vereine, Verbände, Kirchen und viele andere - vor Ort zu einem Austausch auf Augenhöhe zusammenzubringen, wo immer dies gewünscht wird". Mit dieser Servicestelle, so der Minister, „sind wir bundesweit Vorreiter".


Dass ein früher Dialog bei Industrie- und Infrastrukturprojekten viele Vorteile bringt, bedarf allerdings noch viel Überzeugungsarbeit und Qualifizierung. VDI-Landesvorsitzender Klaus Meyer: „Unsere neue Richtlinie VDI 7000 bietet konkrete Empfehlungen für Planer und Ingenieure, wie sie die Öffentlichkeit in ihre Projektentwicklung für bessere Ergebnisse einbeziehen können. Dabei müssen auch wir Ingenieure uns an interdisziplinäres Arbeiten gewöhnen, und über unsere technische Lösungskompetenz hinaus denken."


Die von Antje Grobe moderierte Podiumsdiskussion war auf konkrete Praxisbeispiele gerichtet, in denen frühe Öffentlichkeitsbeteiligung in Nordrhein-Westfalen erfolgreich umgesetzt wurde. Markus Hakes, beim Stadtwerke-Verbund Trianel für Erneuerbare Energien verantwortlich, zeigte am Beispiel des Wasserkraftwerkes Nethe, wie sich die Dialogkultur im Unternehmen verändert hat. Neben der grundsätzlichen Offenheit während der Projektentwicklung, auf Veränderungswünsche einzugehen, komme es auch auf kreative Ideen an: So hat man zum Beispiel den späteren Dammbau des Wasserkraftwerks mittels Hebebühnen und einem Band mit Luftballons visuell sichtbar gemacht.


Ähnliche positive Erfahrungen der Kommunikation mit der Öffentlichkeit brachte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der großen Verkehrsinfrastrukturbehörde „Straßen.NRW" ein. Sie zeigte am Beispiel des Neubaus der Autobahnbrücke über den Rhein bei Leverkusen, wie komplex das Thema und wie aufwendig der Dialog ist, wo aber auch die Grenzen liegen. Die Erneuerung der Autobahnbrücke ist zeitlich dringend erforderlich. Das alleine setzt den Rahmen für die öffentliche Beteiligung und schränkt die Debatte um Alternativen wie einen Rheintunnel massiv ein. Dennoch werde der Dialog viel intensiver als früher gesucht.

 

Welche Bedeutung der dauerhaften Kommunikation mit der Öffentlichkeit – auch unabhängig von einem Projekt – zukommt, machte Günter Hilken, Geschäftsführer von Currenta, deutlich. Der Betreiber von Chemieparks ist auf Akzeptanz an den Standorten und damit auf das Vertrauen der Anwohner angewiesen. Deshalb habe man intensiv in die Kommunikation investiert und Nachbarschaftsbüros in den Innenstädten der Standorte etabliert. 88 % der Bürger begrüßen dies, so der erste „Akzeptanzbericht" eines Unternehmens der Chemieindustrie. Als sogar noch der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland NABU von NRW, Josef Tumbrinck, die genannten Vorhabenträger für ihren frühzeitigen Dialog lobte, kam etwas viel Konsens auf dem Podium auf. Tumbrinck goss aber auch Wasser in den Wein, denn ehrlicherweise handele es sich dabei immer noch um Ausnahmen. Leider komme der Dialog zwischen den Unternehmen und den Umweltverbänden nur schwer in Gang.

 

Die Vertreterin der größten Genehmigungsbehörde von Nordrhein-Westfalen, die Regierungspräsidentin Gisela Walsken von der Bezirksregierung Köln, motivierte die Vorhabenträger ebenfalls zum frühen Dialog. Zwar gäbe es nie eine Garantie, dass später nicht geklagt werde, doch frühe Öffentlichkeitsbeteiligung könne einen erheblichen Beitrag leisten, wenn sie - so die Voraussetzung - gut geplant und durchgeführt wurde.

Hier finden Sie die Präsentation von Herrn Dr. Brennecke sowie die Präsentation zur Podiumsdiskussion mit Best Practice-Beispielen.

 

Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung.


Bildergalerie

 
: (Bild: Ulrich Zillmann)
: (Bild: Ulrich Zillmann)