
VDI vor Ort: Die ehemalige Bundesbahndirektion in Wuppertal wird neu belebt
Der erste und größte Teil der historischen Bundesbahndirektion wurde 1875 errichtet und feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Zwei weitere Gebäudeteile folgten bis in die 1930er Jahre. Das klassizistische Bauwerk wurde bis 1974 als Bundesbahndirektion genutzt. Nach deren Auflösung befand sich noch bis 2008 in einigen Räumen die regionale Niederlassung der Kranken-versorgung der Bundesbahnbeamten. Nachdem ein Tochterunternehmen der Bahn das Gebäude Mitte 2008 an einen Investor verkauft hatte, wurde zwischenzeitlich eine Nutzung als Outlet-Center geprüft, jedoch verworfen. Vor drei Jahren stieg die Stadt Wuppertal ein und stellte die Weichen für eine Nutzung durch Teile der Stadtverwaltung, die Bergischen Universität (Institut für Bildungsforschung) und das Jobcenter, die alle ab Mitte des Jahres einziehen sollen.
Spuren der früheren Eisenbahner-Bank
Sandor Erös vom Wuppertal Marketing führte die 14 Vorstandsmitglieder und Arbeitskreisleiter des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) Bergischer Bezirksverein durch das ehemalige Direktionsgebäude. In dessen westlichsten und zugleich jüngsten Teil soll ein kleines Café mit Außenbereich entstehen. Darunter liegt eine Bunkeranlage aus dem 2. Weltkrieg, die jedoch versiegelt wurde und der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden soll.
Offen hingegen waren massive Stahltüren zu zwei Räumen. „Diese stammen von der vor etwa 100 Jahren hier tätigen Eisenbahner Spar- und Darlehnskasse, einem Vorgänger der heutigen Sparda-Bank“, erklärte Erös und zeigte der Besuchergruppe dazu passend einen im Westeingang stehenden massiven Geldschrank. „Da die Kombination unbekannt ist, kennen wir dessen Inhalt nicht. Deshalb muss eine Spezialfirma beauftragt werden und das Geheimnis lüften.“
Nachhaltigkeit im historischen Gebäude
Wer Mieter des jeweiligen Gebäudeteils ist, lässt sich am Boden feststellen. „Ist dieser rot, befindet man sich im städtischen, bei grau im universitären Bereich“, so Erös, der ein sehr offen gehaltenes und durchgehend barrierefreies Raum- und Gebäudekonzept vorstellte, das vor allem im städtischen Bereich auf Publikumsverkehr ausgerichtet ist. Zusätzlich betonte er den Nachhaltigkeitsaspekt bei der Umsetzung: „Aus Holzresten gepresste und an die Decke gehängte Holzwolleplatten eignen sich nicht nur gut zur Wärmedämmung, sondern verschaffen großen Räumen und Foyers eine angenehme Akustik.“
Mit Maßnahmen wie einer intelligenten Lichtsteuerung und der flächendeckenden Nutzung von LED-Technologie wird der Energiebedarf gesenkt. „Darüber hinaus wird die Firma Clees, die als Eigentümer der Immobilie und Vermieterin die gesamten Sanierungsarbeiten durchführt, auf dem Dach der ehemaligen Bundesbahndirektion eine Photovoltaikanlage errichten, die an sehr sonnigen Tagen nicht nur den Strombedarf des Gebäudes decken, sondern auch ins Stromnetz einspeisen wird“, so Sandor Erös.
Eine besondere Herausforderung für die Sanierung stellt der Denkmalschutz dar. Viele Gebäudeteile, wie etwa die Pförtnerloge am Osteingang, wurden von der zuständigen Behörde als erhaltenswert bewertet. Nicht alles lässt sich jedoch wieder in den Urzustand zurückführen. „Die historische Decke am Eingang Ost war nicht mehr rettbar, wird jedoch auf Basis eines 3D-Laserscans originalgetreu rekonstruiert“, schilderte Erös.
Frequenztreiber für die Elberfelder Innenstadt
In der ehemaligen Bundesbahndirektion sollen nicht nur 600 Beschäftigte ihren künftigen Arbeitsplatz finden. „Wir rechnen hier mit einem täglichen Besucheraufkommen von über 5.000 Bürgerinnen und Bürger – das ist ein enormer Frequenztreiber für den Döppersberg und die Elberfelder Innenstadt“, heißt es von Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind in einer städtischen Pressemitteilung zur Relevanz des Projekts für die Innenstadtentwicklung Elberfelds.
„Die Sanierung der ehemaligen Bundesbahndirektion zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie sich alt und neu miteinander verbinden lässt, zum Beispiel eine alte Bausubstanz mit Fortschritten in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Dadurch entsteht ein modernes Arbeits-umfeld, das den historischen Charakter bewahrt und gleichzeitig zukunftsfähig gestaltet ist“, zieht Nele Gardner, Vorsitzende des VDI Bergischer Bezirksverein als Fazit des Besuchs.

