VDI HH Inside #2
Mit der Skippermütze über die Wellen der Zeit - Herr Telge und sein besonderes Abzeichen
Ein halbes Jahrhundert Vereinsmitgliedschaft, stürmische Segelabenteuer und viele bewegende Begegnungen auf See – für Herrn Telge ist das Ehrenabzeichen unseres Vereins mehr als nur eine Auszeichnung. Als die Skippermütze samt Abzeichen in der Ostsee verloren ging, nahm eine kleine Geschichte ihren Lauf, die uns nicht nur berührte, sondern auch beeindruckte.
Wir haben mit Herrn Telge gesprochen – über den Wert von Abzeichen, seine seglerische Leidenschaft und ein Leben, das bis heute eng mit der Seefahrt/Segelei verbunden ist.

„Das Abzeichen war für mich mehr als ein Ehrenzeichen“ – Ein Gespräch mit Herrn Telge, Schiffbauer und leidenschaftlicher Segler
Redaktion: Herr Telge, erzählen Sie uns bitte, wie Ihre Skippermütze in der Ostsee verloren ging?
Herr Telge: Das war während einer Segelreise zwischen Fyn und Nakskov in der Dänischen Ostsee. Ein kräftiger Windstoß erwischte uns – und dabei ging meine Mütze samt des dekorierten Pins über Bord.
Redaktion: Es handelte sich um das Abzeichen für 50 Jahre Mitgliedschaft in unserem Verein?
Herr Telge: Genau. Dieses Abzeichen hatte für mich einen hohen emotionalen Wert. Es hat mich auf meinen Segeltouren immer begleitet, und ich bin darüber sogar mehrfach mit Menschen ins Gespräch gekommen. Das waren besondere Begegnungen.
Redaktion: Sie haben sich dann bei uns gemeldet?
Herr Telge: Ja, ich rief in der Geschäftsstelle an und fragte nach Ersatz. Ich war ehrlich berührt, dass man sich so viel Mühe gemacht hat. Sie haben im Archiv recherchiert und mir in der folgenden Woche ein neues Abzeichen zugeschickt – verbunden mit der schönen Bitte, ein paar Seemannsgeschichten und Bildmaterial einzusenden.
Redaktion: Und dann kam es zu einem intensiveren Austausch.
Herr Telge: Wir haben kürzlich ausführlich telefoniert. Ich konnte dabei ein wenig erzählen, warum mir dieses Abzeichen – und der VDI – so viel bedeuten. Die Menschen erkennen mich oft an der Ehrenplakette auf meiner Skippermütze. Einmal sogar auf einer Bootsausstellung für Jachten, die ich als Gutachter im Sportbootbereich besuchte.
Redaktion: Ihr Lebenslauf liest sich wie eine Liebeserklärung an die Seefahrt.
Herr Telge: (lacht) Ich war viele Jahre in der Sachvereinigung für Boots- und Schiffbau tätig, habe mit Kapitänen, Werften und Seefahrern gearbeitet. In den 60er Jahren machte ich meinen Segelschein an der Seefahrtschule – dieser Leidenschaft bin ich bis heute treu geblieben.
Redaktion: Sie segeln gerne bei starkem Wind, stimmt das?
Herr Telge: Das stimmt. Am liebsten bei Windstärke 12. Ich erinnere mich gut an eine Fahrt von Kiel aus – laut Wetterbericht war Windstärke 8 angesagt. Doch der Wind legte immer mehr zu, der Leuchtturm Kiel funkte sogar einen Rückruf. Am Ende fuhren wir durch eine Orkanböe mit Stärke 12. Das war ein Erlebnis, das niemand von uns je vergessen wird. Wir waren mit einer CT54 unterwegs und jedes Jahr wurde es eine Windstärke mehr; bis zur „Orkanfahrt“. Das war dann doch zuviel „Seemannsgarn“ und ich habe vom DWD den Wetterbericht eingefordert: Windstärke: 10 in den Böen: 11!!!
Redaktion: Wo sind Sie überall gesegelt?
Herr Telge: Mit Booten war ich auf der Ostsee, Nordsee, dem IJsselmeer – und sogar im Mittelmeer unterwegs.
Redaktion: Auch in der Ausbildung des Nachwuchses waren Sie aktiv?
Herr Telge: Ja, das war mir wichtig. Gemeinsam mit Auszubildenden habe ich einen über hundertjährigen Fischkutter restauriert. Leider musste ich die damalige Werft verlassen, weil sie einem Containerterminal weichen musste. Doch es ergab sich direkt eine neue Aufgabe: Ich konnte an einer Berufsschule weiterarbeiten – dort blieb ich aktiv, bis ich 72 Jahre alt war.
Redaktion: Herr Telge, vielen Dank für Ihre bewegende Geschichte. Wir freuen uns, dass unser Abzeichen einen so schönen Platz in Ihrem Leben einnimmt.
Herr Telge: Ich danke Ihnen – für die schnelle Hilfe, für das offene Ohr und für die Wertschätzung.
Das Interview führte Nadja Trzeciak

