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Allgemein, Deutschland 2030

CO2-Bepreisung: „Wir begrüßen den Vorschlag der Wirtschaftsweisen“

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Das Bepreisen von CO2-Emissionen ist ein wichtiges Werkzeug, um Treibhausgase wirksam zu reduzieren. Mit dieser Einschätzung schließt sich die VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (GEU) dem Vorschlag der Wirtschaftsweisen an. Darüber hinaus fordert die VDI-GEU Mindeststandards für Querschnittstechniken, weitere Anstrengungen in Forschung und Entwicklung sowie den Aufbau neuer Infrastrukturen. 

„Wir begrüßen den Vorschlag der Wirtschaftsweisen für eine Bepreisung von CO2-Emissionen als klimapolitisches Element“, sagt Prof. Harald Bradke, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (GEU). „Wir können nicht länger die Kosten für unsere Lebensweise zukünftigen Generationen anlasten. Nur, wenn diese Kosten heute schon eingepreist werden, kann der Markt die wirtschaftlich optimalen Entscheidungen treffen und den erforderlichen Strukturwandel meistern“, so Bradke.

Aufbruch in eine neue Klimapolitik

In ihrem Gutachten „Aufbruch in eine neue Klimapolitik“ zeigen die Wirtschaftsweisen verschiedene Wege der CO2-Bepreisung auf, um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen, und zwar

  • die Einbeziehung zusätzlicher Sektoren in das bereits vorhandene Emissionshandelssystem (ETS) auf EU-Ebene,
  • ein separates nationales ETS mit zusätzlichen Sektoren wie Gebäude und Verkehr
  • oder eine sogenannte CO2-Steuer. 

Die Ökonomen legen sich dabei nicht auf eine der drei Optionen als „Königsweg“ fest. Das bisherige ETS umfasst EU-weit die Sektoren Industrie und Energie. Ab 2030 sollen die Sektoren Verkehr und Gebäude dazukommen. 

Klar ist: Deutschland muss seine CO2-Emissionen drastisch reduzieren. Um die im Klimaschutzplan der Bundesregierung formulierten Ziele, beispielsweise die Minderung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030, zu erreichen, ist aus Sicht der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt eine Bepreisung von CO2-Emissionen ein wichtiger Anreiz, um Treibhausgase zu reduzieren. Sie sollte in allen Sektoren eingeführt werden.

CO2-Bepreisung alleine reicht nicht aus

Die Bepreisung alleine reicht aber bei weitem nicht aus. Denn in der Praxis gibt es vielfältige Hindernisse, die mit ausschließlich marktwirtschaftlichen Instrumenten nicht effizient zu überwinden sind. „Weitere Maßnahmen, wie Mindeststandards für Querschnittstechniken oder Energieeffizienznetzwerke zur Motivation und Senkung der Transaktionskosten, sind nötig, um schnell und kosteneffizient die Ziele des Klimaschutzplans zu erreichen“, fordert Bradke. Auch ein guter Mechaniker habe mehr als nur ein Werkzeug, wenn er eine komplexe Maschine reparieren müsse. Dies gelte in der Klimapolitik erst recht.

Um die erforderlichen CO2-Emissionsreduktionen zu erreichen, müssen zudem Technologien entwickelt bzw. weiterentwickelt und konsequent in den Markt eingeführt werden. Das braucht neben Zeit vor allem eine konsequente politische Unterstützung bei der Markteinführung und beim Aufbau der erforderlichen Infrastrukturen, wie etwa der Ladeinfrastruktur bei Elektrofahrzeugen. 

Klimaschutz als große Chance für den Technikstandort Deutschland

Die Kosten vieler Techniken sinken erst dann, wenn sie in großer Stückzahl weitgehend automatisiert produziert werden. Das zeigen die Erfahrungen bei der Fotovoltaik und der Windkraft. Dazu Bradke: „Ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetz und ausschließlich über einen CO2-Preis hätten diese Techniken nicht die starke Verbreitung und die daraus folgende Kostenreduktion gehabt und lägen nicht so nahe an der Wirtschaftlichkeit, wie es heute der Fall ist. Wir müssen die Entwicklung von Technologien für den Klimaschutz auch als große Chance für den Technikstandort Deutschland verstehen.“